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LICHTENFELS

Meranier-Gymnasium: Das lange Warten auf das schnelle Netz

Meranier Gymansium: Das lange Warten auf das schnelle Netz
Nun könnten rund 30 Lehrkräfte ihren Live-Unterricht an die zu Hause gebliebenen Schüler senden – einer davon ist Konrektor Hubert Gehrlich, der gerade eine Schülerin auf die mündliche Abiturprüfung in Religion vorbereitet. Foto: Corinna Tübel

Nach über einem Jahr ist der Breitbandausbau am Meranier Gymnasium endlich geschafft. Trotz Druck durch die Schulleitung und den Sachaufwandsträger auf das ausführende Telekommunikationsunternehmen warteten rund 770 Schüler und knapp 80 Lehrer lange auf den Anschluss. Endlich sind Präsenz- und Wechselunterricht sowie Homeschooling technisch lückenlos möglich.

Der Präsenzunterricht für die Q12 am Meranier Gymnasium ist gerade zu Ende, schnell eilt Herr Müller in ein freies Klassenzimmer um die Klasse 6a im Homeschooling digital zu unterrichten. So auch Frau Schneider, Frau Bayer und Herr Zimmermann, Herr… und dann bricht das Internet zusammen. Solche Szenen gehören nun zum Glück der Vergangenheit an. Denn seit vergangener Woche ist der Breitbandausbau an der Schule erfolgreich abgeschlossen.

Mit Geduld auf das schnelle Internet warten

Gewartet darauf haben Schüler- und Lehrerschaft über ein Jahr, denn die Planungen und Anträge hierzu sind ebenso alt. Der Landkreis Lichtenfels als Sachaufwandsträger habe schon vor Beginn der Corona-Krise vor etwa drei Jahren die Notwendigkeit einer schnellen Internetverbindung mit nun einem Gigabit via Glasfaser erkannt und das Projekt veranlasst. Zu diesem Zeitpunkt musste eine 100k-Leitung für Schüler und Lehrer genügen.

Meranier Gymansium: Das lange Warten auf das schnelle Netz
Über das neue schnelle Internet am Meranier Gymnasium Lichtenfels freuen sich nicht nur Hausmeister Tino Spitzenpfeil (li.) und Schulleiter Thomas Carl, sondern auch rund 770 Schüler und 80 Lehrer. Foto: Corinna Tübel

Doch nach der Ausschreibung hieß es Warten: Die entsprechenden neuen Leitungen waren erst zu Beginn des Schuljahres 2020/21 von überregional tätigen Firmen verlegt worden, doch der Anschluss im Haus sei von der Firma Vodafone immer wieder verschoben worden. „Dabei hätte das ja nur rund eineinhalb Stunden gedauert“, meint Schulleiter Thomas Carl verärgert. Vor sechs Wochen führte das Unternehmen dann doch diesen Schritt durch, doch die technische Schaltung musste von einer anderen Firma freigegeben werden: Von da an habe das Warten auf „Huawei“ begonnen.

Kein Wechselunterricht: „Zum Glück!“

Der Schulleiter selbst sowie Landrat Christian Meißner haben seit November parallel Druck bei den beteiligten Firmen gemacht und immer wieder auf die Dringlichkeit des Projektabschlusses hingewiesen. Doch auch beim Landratsamt selbst habe die Umsetzung desselben Ziels über ein Jahr gedauert, berichtet Pressesprecher Andreas Grosch: „Die Unternehmen sind aber keine staatlichen Unternehmen, dann wäre manches einfacher gewesen.“ Doch die Brisanz blieb: Der Wechselunterricht, wie er in vielen anderen bayerischen Städten zu diesem Zeitpunkt schon praktiziert wurde, fand in Lichtenfels aufgrund der hohen Inzidenzzahlen noch nicht statt.

Meranier Gymansium: Das lange Warten auf das schnelle Netz
Eines Tages leuchtete die Lampe für das Glasfaser-Internet am Meranier Gymnasium plötzlich grün: unscheinbar und doch immens wichtig für die Schule. Foto: Corinna Tübel

„Das hätte nicht gut funktioniert: Wenn wir versuchen würden eine halbe Klasse zu Hause zu in einer Videokonferenz zu beschulen, wäre die Leitung ab der fünften Übertragung überlastet gewesen und wohl zusammengebrochen“, erklärt Thomas Carl. „Dieser Kelch ist zum Glück an uns vorübergegangen.“ Doch das heißt nicht, dass das Meranier Gymnasium in den vergangenen Wochen nicht kreativ werden musste: Als die Q11 in den Präsenzunterricht zurückkehrte, befand sich die Q12 für den Unterricht schon in der Turnhalle sowie in der Aula. Die parallel laufenden Kurse der Q11 wurden jeweils ebenfalls auf zwei verschiedene Räume verteilt und der Live-Unterricht elektronisch von einem Klassenzimmer in das andere übertragen.

Durch dieses System konnte sogar eine schwangere Lehrkraft ihren Biologie-Unterricht ohne Unterbrechung fortführen, indem sie ihren Unterricht komplett von zuhause ins MGL „sendete“. „So konnten wir genügend Abstand zwischen den Schülern herstellen. Wir haben fünf Kurse auf zehn Zimmer aufgeteilt und die Disziplin bei den Schülern war sehr groß! Wirklich Respekt!“

Leitungen brachen zusammen

Meranier Gymansium: Das lange Warten auf das schnelle Netz
Kamera, Beamer, Mikrofon: Am Meranier Gymnasium übertrugen manche Lehrer ihren Live-Unterricht vor einem Klassenteil in einen anderen Raum mit dem zweiten Klassenteil – mit Erfolg. Foto: Corinna Tübel

Doch auch das hat bei zu vielen Streams irgendwann nicht mehr funktioniert, die Leitungen brachen zusammen. Das bedeutet, das vor allem Randstunden für die restlichen Klassen nicht digital gehalten werden konnten. Manche Lehrer, die in der Nähe wohnten, seien zwar in dieser Zeit nach Hause gefahren, um dort Videokonferenzen durchzuführen. Doch das sei auf Dauer nicht praktikabel und zumutbar gewesen. Zwei Wochen lang „war ziemliches digitales Chaos“, so der Schulleiter. Durch die anschließende Quarantäne der gesamten Q12 nach einem positiven Covid-19-Fall habe man dann aber die Q11 wieder besser verteilen können.

Seit einer Woche High-Speed-Internet

Nun verlief das große Ereignis fast „unsichtbar“ und „unspektakulär“: Hausmeister Tino Spitzenpfeil bemerkte in der vergangenen Woche, dass die Lampe am Glasfaseranschluss grün leuchtet und hat es gleich dem Schulleiter mitgeteilt. Darauf hatten zwar alle gehofft, aber ohne eine Benachrichtigung nicht damit gerechnet. „Wir haben nie groß gelitten, aber die Angst davor, dass die anderen Klassen zurückkommen, war immer präsent. Denn wir wussten: Wenn sie da sind, ist das zwar gut für sie, bedeutet aber einen schlechteren Unterricht für die anderen. Das wäre schlimm geworden.“ Zum Glück hatten die Eltern der Schüler bis auf wenige Ausnahmen Verständnis für die Situation, für die weder die Schule noch der Sachaufwandsträger Schuld trug.

Heute funktioniert das neue schnelle Internet überwiegend gut. In der Theorie können damit rund 30 Lehrer Live-Unterricht per Videokonferenz an die zu Hause gebliebenen Schüler senden. Lediglich der gleichzeitige Ausbau des Schul-Wlans habe kleinere Störungen verursacht.

SMV zeigt sich auch zufrieden

Der Schulleiter Thomas Carl ist erleichtert: „Wenn es zum Wechselunterricht kommt, dann können wir den Unterricht auch gut für die Gruppen nach Hause übertragen und diese besser einbinden.“ Auch Schülersprecher und Leiter der Schülermitverantwortung (SMV), Nils Erhardt, freut sich darüber, erzählt aber auch: „Viele Schüler haben sich geärgert und sind verärgert, da der Breitbandausbau ja schon längst fertig sein sollte.“ Er ist selbst in der Q11 und weiß, dass der Online-Unterricht schon größtenteils funktioniert habe, nun aber „noch besser“.

Zu Beginn des Homeschoolings sei das Portal für die Videokonferenzen ständig abgestürzt, nach dem Wechsel zu Microsoft-Teams sei aber zumindest dieses Problem gelöst gewesen. Er weiß aber auch, dass jeder der Beteiligten – ob Schulleitung, ob Landkreis – sein Bestes gegeben habe. Mit beiden Parteien habe auch er viele Gespräche geführt. Aus Gesprächen mit Kollegen anderer Schulen weiß er, dass diese teils viel größere Probleme während der Pandemie-Beschulung haben: „Wir haben gemerkt, dass jemand da ist, der sich kümmert.“ Einen Standort-Nachteil gegenüber dem Gymnasium Burgkunstadt beispielsweise sah er nicht, ebenso wenig wie der Landkreis Lichtenfels.

 

Von CORINNA TÜBEL

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