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LICHTENFELS

Maschinen- und Betriebshilfsring hilft seit 50 Jahren

Maschinen- und Betriebshilfsring hilft seit 50 Jahren
Einen Beitrag zum Umweltschutz leistet die Gülle-Gemeinschaft Main-Rodach mit einem Gülle-Truck, der die Jauche direkt in den Boden einpflügt, wie Lothar Teuchgräber erläutert. Die Anschaffung ist ein Projekt des Maschinenrings. Foto: Archiv-oto: Gerhard Herrmann

Mit dem heutigen Tag wird der Zusammenschluss des Maschinen- und Betriebshilfsringes in den drei Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels 50 Jahre alt. Bereits 1958 wurde der erste Maschinenring im niederbayerischen Buchhofen von Dr. Erich Geiersberger gegründet, um eine bessere Auslastung der vorhandenen Maschinen zu gewährleisten.

Allmählich wurden durch Raiffeisen und Sparkassen Kleinringe in Bayern installiert. So in Coburg 1962, in Kronach und Lichtenfels 1963. Diese waren Kleinringe mit ehrenamtlicher Leitung, über die drei Landkreise verteilt. 1970 wurde von Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann und Staatssekretär Simon Nüssel das Landwirtschaftsförderungsgesetz auf den Weg gebracht, damit war die Basis geschaffen, Maschinenringe und Erzeugergemeinschaften staatlich zu fördern. Voraussetzung war eine hauptberufliche Geschäftsführung. Mit dem Zusammenschluss der drei Landkreise zum 1. April 1971 und die Eintragung ins Vereinsregister war die Grundlage der Anstellung eines Geschäftsführers gegeben.

1620 Mitglieder und 85 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche

Maschinen- und Betriebshilfsring hilft seit 50 Jahren
Helmut Martin Foto: RED

Die ersten Vorsitzenden waren Paul Körtge, Hans Rauscher und Georg Knorr. Helmut Martin aus Küps-Nagel, welcher bereits den Raiffeisen-Ring 1963 in Kronach mit gründete und als Obmann für Kronach Süd tätig war, wurde als Geschäftsführer eingestellt. Mit 288 Bauern als Mitglieder nahm er seine Tätigkeit auf. Bereits nach einem Jahr sind über 500 Mitglieder beigetreten. Dieser Zustrom hielt bis 1989 an, als über 2000 Landwirte, die 85 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschafteten, Mitglied waren.

Durch die Strukturveränderung sind die Mitgliederzahlen zwar auf 1620 gesunken, der Flächenanteil ist jedoch auf gleichem Niveau geblieben. Der Wert der verrechneten Leistungen stieg kontinuierlich auf jährlich über sieben Millionen Euro. Dies zeigt das erhebliches Einsparpotenzial bei den Maschinenkosten. Die eingesetzten Maschinen gehören einzelnen Landwirten, Maschinengemeinschaften, oder Lohnunternehmen, die diese bei anderen Mitgliedsbetrieben einsetzen. Durch die höhere Auslastung der Geräte kann der Eigentümer diese wirtschaftlich betreiben und deren Kunden müssen sich nicht jede teure und für sie meist unwirtschaftliche Technik kaufen – also eine Win-win-Situation. Die Verrechnungssätze für die Dienstleistungen werden von den oberfränkischen Maschinenringen gemeinsam erstellt und regelmäßig aktualisiert. Sie dienen als Grundlage für die Abrechnung der überbetrieblichen Maschineneinsätze.

Höhere Auslastung der Geräte und Betriebshilfe im Notfall

Maschinen- und Betriebshilfsring hilft seit 50 Jahren
Der Vorstand des Maschinenrings mit den beiden Geschäftsführern im Jahr 1980 (v. li.): Georg Knorr, Herbert Schmidt, Hubertus Sollmann,Hans Rauscher, Helmut Martin und Paul Körtge. Foto: red

Die wichtigste Sparte des Maschinenrings ist nach wie vor die Betriebshilfe, wenn der Betriebsleiter oder dessen Ehepartner durch Unfall oder Krankheit den Betrieb nicht weiterführen kann. Für diese Fälle werden jährlich zwischen 25 000 und 30 000 Stunden an Betriebshelfern eingesetzt. Sie kommen aus den Mitgliedsbetrieben und übernehmen die Arbeiten auf den landwirtschaftlichen Betrieben während der Krankheit. Des Weiteren wird auch der Einsatz von hauptberuflichen oder selbständigen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer über die Geschäftsstelle vermittelt.

Zahlreiche Herausforderungen musste der Verein in den vergangenen fünf Jahrzehnten bewältigen. So gab es 1976 ein Trockenjahr, in dem Stroh aus Südbayern importiert und verteilt werden musste. 1984 konnte die Ernte wegen Nässe kaum eingebracht werden, fahrbare Trocknungsanlagen wurden aus Rosenheim in das Ringgebiet gebracht, sowie Propionsäuregeräte zur Konservierung installiert.

Vom Winterdienst bis zum gemeinsamen Düngetrac

Zu Beginn durfte nur unter Landwirten die gegenseitigen Arbeiten und Maschinen vermittelt werden. Nach und nach wurden die Vorgaben gelockert und so war es nun möglich, Landschaftspflegearbeiten und auch Arbeiten bei Firmen, Kommunen und Landkreisen vorzunehmen. Hierzu wurden die Maschinenring-Service GmbH und Tochterfirmen gegründet. Nunmehr werden darüber zahlreiche Dienstleistungen angeboten: Winterdienst, Grünflächenpflege, Problembaumfällungen, Dieselsammelbestellungen, Kalkverkauf, Einkaufsvorteile bei Autos und Strom. Die Kompostierung von Grüngut im Landkreis Kronach mit neun Plätzen und einem Platz im Landkreis Lichtenfels und Landschaftspflegearbeiten überwiegend im Landkreis Coburg gehören ebenfalls zum Aufgabenbereich.

Maschinen- und Betriebshilfsring hilft seit 50 Jahren
Holger Heymann. Foto: red

Seit 1998 gibt es die Main-Rodach Düngetrac GdbR, ein Zusammenschluss von mittlerweile rund 60 Landwirten, damit die Gülle umweltfreundlich und bodennah ausgebracht werden kann. 2002 wurde die Mara-Pflanzenölpresse in Untersiemau installiert, 185 Landwirte schließen sich zusammen, um aus der heimischen Rapserzeugung Rapsöl und Rapskuchen zu gewinnen. Der Rapskuchen findet Verwendung in der Tierfütterung und das Rapsöl als Speiseöl, Futteröl oder als Kraftstoff. Die jüngste Firma ist die WBV-MR-Bioenergie GmbH – ein Zusammenschluss von Maschinenring und Waldbesitzervereinigungen, in der Heizwerke betrieben und beliefert werden.

So gesehen ist die Gründung des Maschinen- und Betriebshilfsringes eine einmalige Erfolgsgeschichte, welche durch die Zusammenarbeit der Mitglieder, Geschäftsführer, Mitarbeiter und des Vorstands entstanden ist. Die Geschäftsführer Helmut Martin, Herbert Schmidt, Hubertus Sollmann und Holger Heymann haben entscheidend und geschickt die Geschäfte geleitet, unterstützt wurden sie durch hervorragende Vorsitzende und Beiräte. Zur Zeit sind die Vorsitzenden: Aus dem Landkreis Coburg und Gesamtvorsitzender Frank Menzner, aus Lichtenfels Hans-Georg Warmuth und aus Kronach Erwin Schwarz im Amt. (red)

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