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LICHTENFELS

Mainblick: Die Fenster auf

Mainblick: Die Fenster auf
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Die A-H-A-Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie beherrsche ich inzwischen im Schlaf. Nicht was Sie denken, ich habe keine Albträume deswegen. Und meine Atemschutzmaske habe ich schon lange nicht mehr vergessen. Aber ausgerechnet jetzt, wo's kalt wird, sollen wir ja auch noch lüften. Das wird eine Herausforderung.

Ein Kollege fängt schon an zu zittern, wenn ich vom Schreibtisch aufstehe und zum Fenster gehe. Und hippelt so lange auf seinem Stuhl herum, bis die Fenster zehn Minuten später endlich wieder zu sind. Da kann das Arbeitsklima schon mal ziemlich frostig werden. Eigentlich bin ich ja auch eher eine Frostbeule. Und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass weniger Leute durch Ersticken als durch Erfrieren ums Leben kommen. Harte Kämpfe habe ich schon mit meiner Frau jeden Herbst darüber, ab wann es zu kalt ist, um nachts das Schlafzimmerfenster offenzulassen. Meist gewinnt sie und ich zittere mich in den Schlaf. Aber schließlich geht's ja um die Gesundheit. Lüften fürs Leben. Also alle Stunde die Fenster auf. Und eben einen Pullover statt Hemd angezogen. Ich hab mir sicherheitshalber neulich einen neuen gekauft. „Ja, dank der Seuche werden wir heuer wohl alle gesünder durch den Winter kommen. Jede Menge frische Luft – sogar im Büro. Und der Abhärtungseffekt erst – fast wie in der Sauna. Denn anschließend wird ordentlich die Heizung aufgedreht.

Lüften ist ja bekanntlich der Lieblingssport der Franken. „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“, hat schon Victor von Scheffel gedichtet, und nicht umsonst ist das Frankenlied unsere heimliche Nationalhymne. Beim Singen – zehn Minuten lang beim Stoßlüften – wird uns vielleicht sogar warm. Und dank der Schnuffeltücher werden sicher auch viele Grippeinfektionen verhindert. Falls die Leute sich nicht ohnehin impfen lassen. Ich hab's mir jedenfalls vorgenommen. Nächste Woche gehe ich zum Arzt. Ganz sicher.

Und jetzt aber bloß nicht dran denken, wie lange es noch bis zum Frühling dauert.

Von Gerhard Herrmann gerhard.herrmann@obermain.de

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