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Mainblick: Der Kühlschrank auf der Arbeit

Mainblick: Mein Freund D. und seine Mission
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Mein Kollege und ich, wir haben ein kleines Ritual. Er muss mir nur zurufen „Körbera, Kühlschrank!“, und ich weiß Bescheid: Er war in der Mittagspause beim Metzger und hat seine Einkäufe im betriebseigenen Kühlschrank gelagert. An die soll ich ihn erinnern, wenn er abends geht.

Das funktioniert umgekehrt genauso. Denn ich bin nicht weniger schusselig. Mir ist es schon passiert, dass ich am Freitagabend die eingekaufte Wurst im OT-Kühlschrank liegen gelassen habe. Was zur Folge hatte, dass mein Mann und ich am Samstagmittag von Bamberg nach Lichtenfels gefahren sind, um im Betrieb Brotzeit zu machen.

Offensichtlich ist Schussligkeit erblich bedingt. Mein Vater hat eines Abends nach der Arbeit in der Tiefgarage seinen Schlüsselbund nicht mehr gefunden. Er ging mit seinem Zimmerkollegen ins Büro zurück und kehrte das Unterste nach oben, durchsuchte jede Schublade, beide krabbelten sogar unter den Schreibtischen herum – nichts. Da es spät war, war das Gebäude bereits abgeschlossen. In seiner Verzweiflung rief er einen anderen Kollegen an in der Hoffnung, dass dieser kommen und ihn herauslassen könnte. Dessen Reaktion: „Schau in den Kühlschrank, du Dödl!“

Mein Vater hatte mittags bei einem spanischen Feinkostladen ein paar Tapas gekauft, um sie abends zuhause mit meiner Mutter zu genießen. Zurück an seiner Arbeitsstelle, hatte er sie in den Kühlschrank gelegt. Damit er sie dort nicht vergaß, riet ihm besagter Kollege, doch seinen Schlüsselbund auf die Tapas zu legen. Tja ...

Ich glaube, mein Kollege und ich bleiben doch lieber bei unserem Ritual.

P.S.: Ich habe übrigens die ausdrückliche Erlaubnis meines Vaters, diese Anekdote zu erzählen. Er ist nämlich nicht nur schusselig, sondern kann auch über sich selbst lachen.

Von Annette Körber annette.koerber@obermain.de

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