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LICHTENFELS

Luftreinigungsgeräte für die Lichtenfelser Schulen

Eine fest installierte Luftfilteranlage in einem Klassenzimmer. Sie ist in der Anschaffung und im Einbau wesentlich teurer als ein mobiles Gerät. Foto: Silvia Gralla

Reichlich Gesprächsbedarf gab es in der Sitzung des Kreisausschusses rund um die Beschaffung weiterer Luftfiltergeräte für die weiterführenden Schulen im Landkreis. Nachdem im Rahmen der ersten beiden Förderrunden im Landkreis bereits mobile Luftreinigungsgeräte für alle Schulräume, die schlecht gelüftet werden können, angeschafft wurden, hat der Freistaat Mitte Juli eine weitere Richtlinie zur Förderung dieser Geräte erlassen.

Derzufolge werden nun auch Mobilgeräte für sämtliche bisher noch nicht ausgestatteten Klassen- und Fachräume mit 50 Prozent gefördert. 122 dieser Geräte werden laut den Schulleitern der weiterführenden Schulen noch benötigt. Ausgehend von einem Preis bis zu 3500 Euro pro Gerät würden diese 427 000 Euro kosten, die Förderung beliefe sich also auf 213 500 Euro.

Landrat Christian Meißner äußerte deutlichen Unmut über die in München „gepinselte“ neue Förderrichtlinie, die er ein „vergiftetes Geschenk“ nannte. So gebe es auch in der Wissenschaft konträre Meinungen über den Sinn und Nutzen dieser mobilen Luftreinigungsgeräte. Deshalb spreche er sich für den Einbau sogenannter raumlufttechnischer Anlagen (RLT) aus, obgleich deren Beschaffung und Einbau für den Landkreis trotz 80-prozentiger Förderung wesentlich teurer sei. Primär sollten daher bei allen Schulen, in denen in nächster Zeit Sanierungsmaßnahmen anstehen, fest installierte Luftreinigungssysteme eingebaut werden.

Diese Anlagen würden im Gegensatz zu den Mobilgeräten die Luft nicht nur filtern und umwälzen, sondern Frischluft von außen zuführen und sie seien zudem deutlich leiser. Der Einbau sei aber hinsichtlich der Baumaßnahme und Zeit aufwändiger. Durch die neue Förderrichtlinie aus München seien die Kommunalen Gremien vor die Entscheidung gestellt worden, entweder kurzfristig, in ihrem Nutzen nicht unumstrittene Mobilgeräte anzuschaffen oder zu deutlich höheren Kosten und mit einiger zeitlichen Verzögerung die RTLs zu installieren.

Dr. Susann Freiburg von den Grünen pflichtete dem Landrat bei: „Der Nutzen der Mobilgeräte ist nicht unumstritten. Wenn es aber zu einem Corona-Ausbruch an einer Schule kommt, wollen wir uns nicht unterstellen lassen, nichts getan zu haben.“ Weiterhin führte sie an, dass bei der Verwendung von mobilen Geräten die Klassenräume dennoch häufig gelüftet werden müssten, im Winter seien diese dann „arschkalt“, häufigere Erkältungen bei den Schülern die Folge. Zudem müssten mobile Geräte europaweit ausgeschrieben werden, mit dem Einbau der RLTs könne man hingegen die heimische Wirtschaft unterstützen.

Eine Kühlung ist leider nicht möglich

Monika Faber (SPD) sprach sich ebenfalls für die Einbaugeräte aus, da diese in Anbetracht des Klimawandels auch die Raumluft zu kühlen vermögen. Dem widersprach Hans-Josef Stich (CSU). Die RTL's würden die Außenluft ohne Kühlung direkt in die Klassenzimmer befördern. Andreas Hügerich (SPD) fasste zusammen: „Wir sollten jetzt nicht einfach sagen, wir stellen überall Mobilgeräte rein, sondern uns fragen, was langfristig sinnvoller ist. Und die RTLs bringen Frischluft in die Räume und verbrauchte Luft raus.“ Da deren Einbau aber etwas länger dauern würde, müsse man den Schülern, Eltern und Lehrern die Vorteile dieser Technik besser erläutern. Nach etlichen weiteren Redebeiträgen fasste der Landrat den Tenor zusammen: „Wir sollten das eine tun, ohne das andere zu lassen.“

Das eine tun, ohne das andere zu lassen

Er sprach sich dafür aus, an Schulen, in denen in nächster Zeit Sanierungsmaßnahmen anstehen, fest installierte Anlagen mit einzubauen. Wo dies nicht der Fall sei, sollen Mobilgeräte angeschafft werden. Einstimmig verständigte sich das Gremium dann auf folgenden Beschluss: „Unter Ausnutzung bestehender Fördermöglichkeiten sollen für die landkreiseigenen Schulen mobile Luftreinigungsgeräte oder raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) für die von den Schulen gemeldeten Räume beschafft werden. Dabei sollen die Wünsche der Schulleitungen berücksichtigt werden, soweit bauliche Gegebenheiten beziehungsweise in der näheren Zukunft liegende Sanierungen oder Neubauten nicht entgegenstehen. Die Berufsschulen sollen mit mobilen Geräten ausgestattet werden.“ Dies soll, so der Landrat, im Spätherbst der Fall sein, mit dem Einbau der RTLs solle zum Jahresanfang begonnen werden.

Gute Nachrichten gab es hinsichtlich einer Resolution des Kreistags zum Ausbau der S-Bahn-Verbindungen im VGN von der Bayerischen Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer. Demnach werde eine mögliche Verlängerung der S-Bahn-Verbindung von Bamberg nach Lichtenfels untersucht. Möglich wäre dann ein Halt „Lichtenfels-West“.

Gerne mit einem Autogramm vom Landrat

Am Ende der öffentlichen Sitzung teilte Landrat Christian Meißner mit, dass er von seinem Hausrecht Gebrauch mache und künftig bei allen Sitzungen der Kreisgremien die 3G-Regel gelte. „Ich kann niemanden erklären, warum im Wirtshaus die 3G-Regel gelten soll, hier aber nicht“, begründete er. Theo Taubmann (AfD) forderte dazu eine vom Landrat persönlich unterzeichnete Ausfertigung dieser Sitzungsverordnung. Dem kam der Landrat gerne nach.

Von Stefan Lommatzsch

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