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LICHTENFELS

Luftfilter – wie ist der Stand in den Schulen am Obermain?

Luftfilter – wie ist der Stand in den Schulen am Obermain?
An der Mittelschule Altenkunstadt verfügen alle Klassenzimmer bereits seit März über Luftfilter. Schulleiter Manfred Heinbuch legt Wert darauf, dass alle Lehrkräfte ausreichend über die Funktionalität der Geräte aufgeklärt werden. Foto: Marion Nikol

Bereits im Oktober 2020 stand fest: Das bayerische Kultusministerium fördert Luftfilter in Schulen und unterstützt Kommunen schnell und unbürokratisch bei der Ausrüstung ihrer Bildungseinrichtungen. Fast ein Jahr später, kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, zeigt sich, dass diese Förderung längst nicht von allen Schulen im Freistaat in Anspruch genommen wurde. Auch im Landkreis Lichtenfels zeichnet sich ein solches Bild ab: Wenn die Schulen kommenden Dienstag wieder ihre Türen öffnen, wird mit Sicherheit nicht jedes Klassenzimmer mit einem Luftreinigungsgerät ausgestattet sein.

Wer nach den Gründen hierfür fragt, sollte sich zunächst darüber im Klaren sein, wer für die Antragsstellung und Beschaffung der Luftfilter verantwortlich ist. Denn das sind die kommunalen Schulaufwandsträger, also die Kommunen für ihre Grund- und Mittelschulen und das Landratsamt für die Gymnasien und Realschulen. Sie tragen folglich auch die Finanzierung, welche sich im Rahmen des Förderprogramms auf 50 Prozent der Anschaffungskosten beläuft. Dies wiederum bedeutet, dass es vor allem bei höheren Summen einen Beschluss im Stadtrat und Kreistag braucht. Wie sich zeigt, hat diese Beschlussfassung je nach Gemeinde zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten stattgefunden.

Lichtenfels fragt noch Bedarf bei den Schulleitungen ab

Gut zwölf Tage vor Beginn des neuen Schuljahres, genauer gesagt am 2. September, konnte beispielsweise die Stadt Lichtenfels noch keine Auskunft darüber geben, ob und in welchem Umfang Luftfilter an den Grund- und Mittelschulen im Stadtgebiet angeschafft werden. Wie es aus der Pressestelle hieß, wurde zu diesem Zeitpunkt noch der Bedarf bei den Schulleitungen und Elternbeiräten abgefragt, und man wolle vor der Entscheidung im Stadtrat keine Informationen herausgeben.

Kreisausschuss entscheidet über weitere Anschaffungen

Die Beschlussfassung im Gremium soll nun am 13. September erfolgen. Das sind dann exakt 346 Tage, nachdem bekannt wurde, dass das Kultusministerium die Kommunen bei der Beschaffung von Luftreinigungsgeräten mit Filterfunktion finanziell unterstützt.

Der Landkreis Lichtenfels wiederum hat bereits im Zuge der ersten Förderrunde des Freistaates 35 mobile Luftreinigungsgeräte für seine Schulen beschafft. „Hier wurden Räume ausgestattet, die sehr schlecht zu lüften sind“, erklärt Pressesprecher Andreas Grosch und fügt hinzu, dass die Entscheidung über die Beschaffung weiterer Geräte im nächsten Kreisausschuss getroffen werden soll.

Ebensfeld und Bad Staffelstein haben rechtzeitig agiert

„Die Landkreis-Verwaltung steht dem grundsätzlich positiv gegenüber. Sollte sich der Kreisausschuss für eine Beschaffung entscheiden, werden die benötigten Geräte schnellstmöglich ausgeschrieben. Sicherlich sind die Lieferzeiten aufgrund der aktuell hohen Nachfrage nicht zu unterschätzen. Wir gehen jedoch davon aus, dass wir bei einer zügigen Ausschreibung direkt im Anschluss an die Entscheidung eine Lieferung der Geräte noch in diesem Jahr erwarten dürfen“, so Grosch weiter.

Zügig und umfassend gehandelt hat der Markt Ebensfeld. Dort wurden bereits im März 2021 für sämtliche Klassenzimmer der Pater-Lunkenbein-Grundschule Luftreinigungsgeräte beschafft und in Betrieb genommen. Wie Geschäftsleiter Tobias Walter erläutert, habe es da noch keine Lieferengpässe gegeben und die Beantragung der Fördermittel sowie die Einholung der benötigten Angebote sei reibungslos und ohne große Komplikationen verlaufen. Der Strom für die Geräte werde in der Regel von der Photovoltaikanlage auf dem Feuerwehrhaus erzeugt.

Luftfilter – wie ist der Stand in den Schulen am Obermain?
Sofern der Gemeinderat zustimmt, soll auch die Grundschule Hochstadt mobile Luftreinigungsgeräte erhalten. Foto: Marion Nikol

Mitte Juli, also noch rechtzeitig vor den Sommerferien, wurde auch im Stadtrat von Bad Staffelstein beschlossen, jedes Klassenzimmer der Adam-Riese- und der Ivo-Hennemann-Schule mit einem mobilen Luftreiniger auszustatten. Wie amtierender Bürgermeister Hans-Josef Stich auf Nachfrage bestätigt, sind die Geräte bereits bestellt. Die ersten 20 Luftfilter sollen noch im September eintreffen, die restlichen Anfang Oktober geliefert werden. „Auch die Verwaltungs- und Aufenthaltsräume werden einen Luftreiniger erhalten. Schaden wird dies sicherlich nicht“, so Hans-Josef Stich.

Hochstadt handelt, Redwitz wartet noch ab

Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats soll auch in Hochstadt die Grundschule, ebenso wie die Kita, nach der aktuellen Förderrichtlinie mit entsprechenden Geräten ausgestattet werden. „Ich habe das Thema Luftfilteranlagen mit dem Gemeinderat, der Schulleitung und dem Elternbeirat diskutiert. Dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen, entsprechende Geräte anzuschaffen, um damit einen Beitrag zu leisten, dass Präsenzunterricht erhalten bleiben kann“, so Bürgermeister Max Zeulner. Lieferengpässe erwartet er nicht, wie er ergänzend hinzufügt: „Wir haben verschiedene Angebote angefordert und ich habe das Gefühl, dass genügend Geräte auf Lager sind.“

Bislang keine negativen Erfahrungen in der Praxis

In der Gemeinde Redwitz hingegen will man zunächst noch abwarten. Bürgermeister Jürgen Gäbelein verweist dabei unter anderem auf die Position des Bayerischen Gemeindetags, der den Sinn der Anlagen in Frage stellt. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Luftfilter mit hohen Kosten und auch Folgekosten verbunden sind, auf denen die Kommunen dann sitzen bleiben“, betont Gäbelein. Er möchte deshalb das Thema der Schulleitung und dem Elternbeirat überlassen. „Wenn die Anschaffung von dieser Seite gefordert wird, stellen wir uns als Gemeinde sicherlich nicht dagegen“, ergänzt er.

Luftfilter – wie ist der Stand in den Schulen am Obermain?
Wie Ursula Hoydem, Rektorin der Pater-Lunkenbein-Grundschule Ebensfeld, berichtet, stören die mobilen Filtergeräte den Unterricht nicht, und auch das Stromnetz werde bislang nicht überlastet. Foto: Pater-Lunkenbein-Schule

Überall dort, wo bereits Geräte im Einsatz sind, stellt sich natürlich die Frage, wie es um deren Alltagstauglichkeit bestellt ist. Wird der Betrieb als störend empfunden? Oder lässt sich gar eine Überlastung des Stromnetzes feststellen? Ursula Hoydem, Rektorin der Pater-Lunkenbein-Schule Ebensfeld, kann bislang nichts Negatives berichten: „Bei der auf unsere Raumgröße angepassten Einstellung sind die Luftfilter nicht störend. Nur wenn man die sogenannte „Speed“-Funktion einstellt, rauscht es ein wenig.“ Auch das Stromnetz werde bislang nicht beeinträchtigt.

Ähnlich sieht es auch in Burgkunstadt und Altenkunstadt aus. Wie Lydia Münch, Schulleiterin des Gymnasiums Burgkunstadt berichtet, funktionieren die vorhandenen Geräte gut und stören den Unterricht nicht. Manfred Heinbuch, Rektor der Mittelschule Altenkunstadt, betont in diesem Zusammenhang aber auch, dass erst die kalte Jahreszeit zeigen wird, wie sich der Betrieb tatsächlich auswirkt: „Wir haben seit einem halben Jahr in allen Klassenzimmern mobile Luftfilter, die in den warmen Monaten jedoch kaum eingesetzt wurden, da wir ausreichend lüften konnten. Wirklich interessant wird es im Herbst und Winter.“

Darüber hinaus hält er es für wichtig, dass allen Lehrkräften die Funktionalität erklärt wird. „Wenn die Geräte sehr hoch eingestellt sind, dann ist ein gewisser Lärmpegel vorhanden, deshalb sollte das schon passend eingerichtet sein“, so Heinbuch.

Luftfilter als unterstützende Maßahme – Lüften bleibt wichtig

Ob im kommenden Schuljahr wieder ganze Klassen in Quarantäne müssen, auch wenn Luftfilter installiert sind, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht pauschal sagen. Auf die Frage, ob die Geräte Coronainfektionen verhindern können, verweist beispielsweise die Verbraucherzentrale auf das Umweltbundesamt, welches mobile Luftfilter als unterstützende Maßnahme sieht, um Aerosole in der Raumluft zu reduzieren.

Das Lüften wird durch die Geräte jedoch nicht überflüssig, weil diese nicht in der Lage sind, ausgeatmetes Kohlendioxid gegen Sauerstoff zu tauschen und die überschüssige Feuchtigkeit im Raum abzuführen. Ob und in welchem Umfang die jeweiligen technischen Vorkehrungen also einen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben werden, könnte sich womöglich in den kommenden Monaten an den Schulen im Landkreis zeigen. Da diese teilweise unterschiedlich ausgestattet sind, dürfte sich ein Vergleich durchaus lohnen.

Von Marion Nikol

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