aktualisiert:

LICHTENFELS

Lichtenfelser Wirtschaft gerät stark unter Druck

Blick in die Produktion eines Automobilzulieferers - auch im Landkreis Lichtenfels ist diese Branche besonders von der krise betroffen. Foto: red

„Die Corona-Krise trifft die Lichtenfelser Wirtschaft mit voller Wucht“, fasst Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels, die aktuelle Wirtschaftslage zusammen.

Die Corona-Krise erschüttere die oberfränkischen Unternehmen, heißt es in einer Pressemitteilung der Kammer. In der Mai-Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken ist der IHK-Konjunkturklima-Index kräftig eingebrochen. Er verliert 35 Punkte und liegt nun bei nur noch 79 Zählern. Eine vergleichbare Entwicklung gab es zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Sowohl die aktuelle Konjunkturlage, als auch die Erwartungen an die Zukunft würde zu diesem Einbruch beitragen.

Doch wie stellt sich die Situation in den oberfränkischen Teilregionen dar? „Der Konjunktureinbruch trifft alle Branchen und auch alle Teilregionen. Dennoch gibt es zum Teil interessante Unterschiede“, erläutert IHK-Präsidentin Sonja Weigand.

Lichtenfels mit schwächstem IHK-Konjunkturklima-Index

So schlecht wie in keiner anderen Teilregion Oberfrankens verläuft die Entwicklung im Landkreis Lichtenfels. Der Konjunkturklima-Index sinkt von 97 auf 74 Punkte. Zum Vergleich: Oberfranken verzeichnet einen Rückgang auf 79 Punkte.

Beurteilten zur Jahreswende noch 39 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage positiv, sind es im Mai immerhin noch 25 Prozent. Der Anteil der Unternehmer mit einer schlechten Lagebeurteilung hat sich fast vervierfacht, und zwar von zwölf auf 46 Prozent. Dieser Negativtrend spiegelt sich in allen Branchen wider, vor allem aber bei den Reisebüros sowie in der Hotellerie und Gastronomie.

Automobilzulieferer stehen besonders unter Druck

„Dass die Lichtenfelser Unternehmer bei den Erwartungen derart zurückhaltend sind, hat ohne Zweifel auch damit zu tun, dass hier die Polstermöbelindustrie und vor allem die Automobilzulieferer eine besonders große Rolle spielen“, so Wasikowski. Da viele Familien von Kurzarbeit betroffen sind, habe das auch direkte Auswirkungen auf die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern, den Handel und den Dienstleistungssektor. Außerdem brächten – wie in fast allen Teilen der Welt - Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Geschäfte und geschlossene Grenzen das Wirtschaftsleben in weiten Teilen zum Erliegen.

Wilhelm Wasikowski Foto: Wolfgang_Mennel

Ein großer Teil der befragten Unternehmer rechnet auch nicht damit, dass sich die Lage in den kommenden Monaten verbessert. 48 Prozent sind pessimistisch gestimmt, nur 18 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist es nicht verwunderlich, dass auch die Investitionsabsichten rückläufig sind. Zwei von fünf Unternehmen wollen laut IHK Oberfranken in den kommenden Monaten keinerlei Investitionen vornehmen, gegenüber der Jahreswende habe sich dieser Anteil verdreifacht. Hinzu komme, dass auch die Unternehmen mit Investitionen ihre Investitionshöhe zurückfahren wollen. Noch zurückhaltender seien die Unternehmen bei Auslandsinvestitionen. Plante zur Jahreswende die Hälfte der Unternehmen, keine Investitionen vorzunehmen, seien es inzwischen vier von fünf Unternehmen.

Hälfte der Unternehmen rechnen mit einm Beschäftigtenabbau

Diese Rahmenbedingungen schlügen sich in der Personalpolitik nieder. Fast die Hälfte der Unternehmen rechnet laut der Pressemiteillung mit einem Beschäftigtenabbau. Sowohl bei der erwarteten Beschäftigtenentwicklung als auch bei Geschäftslage für das kommende Jahr ist der Landkreis Lichtenfels Schlusslicht in Oberfranken.

„Längst spüren wir die

Anzeichen einer

Weltwirtschaftskrise, eine Krise die deutlich

ausgeprägter ist als in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren.“

Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident, Vorsitzender IHK-Gremium Lichtenfels

„Längst spüren wir die Anzeichen einer Weltwirtschaftskrise, eine Krise die deutlich ausgeprägter ist als in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren“, resümiert Wasikowski. Ohne die flankierenden Maßnahmen von Bund und Land, vom Kurzarbeitergeld über die Corona-Soforthilfe bis hin zu Darlehen mit 100-prozentiger Haftung des Staates, wäre der Absturz ohne Zweifel noch stärker ausgefallen.

In einem zweiten Schritt müssen aus Sicht des IHK-Gremiumsvorsitzenden nun Anreize für Verbraucher und Entlastungen für Unternehmen im Mittelpunkt stehen. „Nur wenn sich der Konsum wieder stabilisiert und der Optimismus in die Unternehmen zurückkehrt, schafft die Lichtenfelser Wirtschaft eine Kehrtwende.“

Die Unternehmen müssen sich in den kommenden Monaten vollständig auf ihr operatives Geschäft konzentrieren und dürfen nicht durch neue und unnötige Belastungen zusätzlich gefährdet werden, fordert Wasikowski: „Dazu gehört etwa die Umstellung auf manipulationssichere Kassensysteme, die bis September 2020 erfolgen muss. Diese Vorgabe schränkt die Liquidität gerade von kleineren Unternehmen unnötig ein. Auch dürfen die Unternehmen nicht durch überkomplexe Compliance-Systeme oder unerfüllbare Prüf- und Informationspflichten bei Krediten vom Wiederhochfahren ihrer Tätigkeit gehindert werden.“

Appell: „Unternehmen entlasten, nicht belasten!“

Aber auch Steuerentlastungen sorgen für Liquidität und Investitionen. „Einen Verlustrücktrag in den vergangenen drei Jahren zu ermöglichen, eine Senkung der Unternehmenssteuern, eine Erhöhung der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmergrenze oder eine stärkere Senkung der EEG-Umlage als bisher vorgesehen, wären wichtige Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft.

Wasikowski: „Mir ist bewusst, dass die Corona-Pandemie auch enorme Auswirkungen auf die Finanzen der Kommunen hat. Ich appelliere an die Verantwortlichen, diese Löcher nicht durch eine Gewerbesteuererhöhung stopfen zu wollen. Dies würde die Unternehmen zusätzlich belasten und letztendlich nicht zu Mehreinnahmen führen.“

Weitere Artikel