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LICHTENFELS

Lichtenfelser Grüne ziehen Bilanz über Anträge im Stadtrat

Lichtenfelser Grüne ziehen Bilanz über ihre Anträge im Stadtrat
Für jedes Neugeborene Kind in Lichtenfels soll künftig ein Obstbaum gepflanzt werden. Foto: Ammon Christian

Im Rahmen ihrer jüngsten Fraktionssitzung ließen die Stadträte von Bündnis90/Die Grünen das vergangene Jahr Revue passieren und diskutierten über den Stand der Anträge, die von der Fraktion gestellt wurden. Die Anträge der Grünen-Fraktion konzentrieren sich auf Klimaschutz, Klimaanpassung und die Erhaltung der biologischen Vielfalt.

So ist ein Anliegen der Grünen die Errichtung eines „Täuflingswaldes“: Für jedes Baby solle künftig, sofern von den Eltern gewünscht, im Stadtgebiet ein Baum gepflanzt werden. Dabei wurde die Anlage von Streuobstwiesen favorisiert. Streuobstwiesen seien für das regionale Klima sehr wichtig. Sie beherbergten rund 5000 verschiedene Tier und Pflanzenarten. Dennoch ist deren Bestand rückläufig.

Fortgang beim beim angedachten Täuflingswald

Inzwischen habe die Stadt geeignete Flächen für den Täuflingswald in der Nähe des BRK-Altenheimes und bei Rothmannsthal gefunden. Die entsprechenden Gebiete seien zum Teil noch in Eigenbesitz der Stadt zu bringen, konnte Siegbert Koch von der letzten Bauausschusssitzung berichten. Die Fraktion hoffe nun, dass 2022 die ersten Bäume gepflanzt werden können.

Sparen durch Energie-Contracting

Im März wurde im Bau- und Umweltausschuss der Antrag auf Energie-Contracting beraten und angenommen. Beim Energiespar-Contracting plane, realisiere und finanziere ein externer Dienstleister Maßnahmen, um den Energieverbrauch einer Anlage und damit die Energiekosten zu senken. Für seine Dienstleistungen und Investitionen erhalte er als Vergütung einen Teil der Kosteneinsparung. „Entscheiden sich Kommunen für ein solches Konzept, sparen sie also Geld für Personal und Energie, erklärte Dritter Bürgermeister Mathias Söllner. In Lichtenfels werde dieses Modell aktuell auf die noch nicht auf LED-Technik umgerüstete Straßenlampen angewandt. Weitere geeignete Energieeinsparmaßnahmen würden geprüft.

Mehr Grün zum Schutz der Gesundheit

In derselben Sitzung des Bau- und Umweltausschusses wurde auch der Antrag auf Erstellung eines Grünflächenkonzepts für das Stadtgebiet behandelt, eine Sache, die der Fraktionsvorsitzenden, Dr. Susann Freiburg, besonders wichtig ist. Mit fortschreitendem Klimawandel würden Klimaanpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bürger immer wichtiger. Zumal dann, wenn das Durchschnittsalter der Bürger wie in Lichtenfels kontinuierlich steige. Das zentrale Element für den Gesundheitsschutz sei die Stadtentwicklung, denn Grünzonen kühlten.

Die grüne Fraktion habe mit ihrem Antrag die Erfassung und Bewertung der städtischen Grünflächen gefordert. Dies solle nun laut Beschluss des Umweltausschusses über die Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzeption, kurz ISEK, geschehen.

Im Juni wurde ein weiter Antrag von Bündnis90/DieGrünen auf Umstellung des Beschaffungswesen hin zu mehr Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit positiv aufgenommen. Dass auch kleine Schritte viel bewirken können, zeige sich am Papierverbrauch der Stadt. Pro Kilo Papier würden bei Recyclingpapier 35 Liter Wasser und 3 Kilowattstunden Energie sowie 2,2 Kilo Holz eingespart. Bisher seien schon Papierhandtücher aus Recyclingpapier verwendet worden, künftig gelte das auch für Toilettenpapier in städtischen Einrichtungen, das dann ebenfalls mit dem Blauen Engel zertifiziert sei, hieß es.

Auch die 1 000 000 Blätter Kopierpapier sollten auf nachhaltigere Beschaffung umgestellt werden – allein das könnte pro Jahr rund 22 große Bäume an Holzbedarf einsparen, betonte Dr. Christine Schmidt. Zudem setze die Verwaltung schon jetzt darauf, Papier sparsam zu verwenden.

Zwei Anträge stehen noch aus

Offen seien bislang noch zwei Anträge: Zum einen der Antrag auf Erstellung eines Kommunalen Wärmeatlas, denn Wärmeenergie werde oftmals buchstäblich in die Luft geblasen, wurde in der Sitzung betont.

Im gewerblichen und industriellen Bereich bleibe die Abwärme von Maschinen oder bestimmten Produktionsprozessen ungenutzt, während in nächster Nachbarschaft möglicherweise eine Menge Öl zur Wärmeerzeugung verbrannt werde. Optimal seien Wärmenetze, die Verbraucher und Erzeuger verbinden. Sie seien zukunftsorientierte Infrastrukturmaßnahmen mit Nachhaltigkeitsgarantie – gerade auch im ländlichen Raum.

Zum Teil sei diese Nutzung gegenüber der Einzelversorgung deutlich effizienter und kostengünstiger. Beispielsweise könnte der Ausbau eines Nahwärmenetzes im Ortsteil Buch sinnvoll sein, da dort bereits eine große Biogasanlage betrieben werde. Ergänzend sollte die Möglichkeit der Nutzung von Erdwärme auch im kommunalen Sektor verstärkt in Erwägung gezogen werden. Dem entsprechend sei beantragt worden, in einem ersten Schritt, einen städtischen Wärmeatlas zu erstellen, der alle ungenutzten Wärmequellen im Ortsgebiet erfasse.

Ein Klimaschutzbeauftragter für die Stadt

Zum anderen sei die Einstellung eines städtischen Klimaschutzbeauftragten beantragt worden: Die Umsetzung von Klimaschutzkonzepten sei eine sehr komplexe Aufgabe. Sie könne nicht ohne eine zentrale Schaltstelle gemanagt werden, da der Klimaschutz sämtliche Verwaltungsbereiche betreffe. Neben Öffentlichkeitsarbeit, der Koordinierung und die fachliche Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen, der Erfassung und Auswertung klimaschutzrelevanter Daten werde sicherlich auch das Controlling der Maßnahmen zur Umsetzung des städtischen Klimaschutzkonzepts zu seinen Aufgaben gehören.

Nach den Veröffentlichungen des Weltklimarates in der vergangenen Woche, sei es an der Zeit, dass der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zum Thema Klimaschutz fasst und damit die Dringlichkeit der Reduktion von Treibhausgasen hervorhebt.

Die Grünen hoffen auf eine breite Unterstützung auch seitens der anderen Stadtratsfraktionen. Schließlich würden in naher Zukunft Klimaschutz und Klimaanpassung die in den Gremien dominierenden Themen werden. (red)

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