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LICHTENFELS

Lichtenfelser CSU schockiert über Verluste bei Zweitstimmen

Zum dritten Mal hat Emmi Zeulner das Bundestagsdirektmandat gewonnen. Dazu gratulierten ihr die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (li.) und Landrat Christian Meißner. Foto: Alicia Vetter

Gemischte Gefühle herrschten bei der Wahlparty der CSU am Sonntagabend im Landgasthof „Karolinenhöhe.“ Die Freude darüber, dass Emmi Zeulner zum dritten Mal als Direktkandidatin in den Bundestag gewählt worden war, wurde durch die Entäuschung über die Stimmverluste der Union auf Bundes- und Landesebene getrübt. Währenddessen hatte die SPD allen Grund zum Jubeln über ihren Erfolg und eine fulminante Premiere feierte Jochen Bergmann (FW), der mit 7,61 Prozent der Stimmen auf dem vierten Platz hinter Theo Taubmann (AfD, 10,6 Prozent) kam.

„Für die CSU ist das Ergebnis niederschmetternd.“
Christian Meißner, CSU-Kreisvorsitzender

„Ich freue mich für Emmi Zeulner, aber für die CSU ist das Ergebnis niederschmetternd“, hatte CSU-Kreisvorsitzender und Landrat Christian Meißner am Wahlabend festgestellt. Fast sieben Prozent hat die CSU im Landkreis mit einem Zweitstimmenergebnis von 36,7 Prozent gegenüber 2017 (43,4 Prozent) verloren. Allein auf das glücklose Agieren von Kanzlerkandidat Armin Laschet wollte Meißner den Absturz nicht zurückführen, auch wenn er ebenso wie Emmi Zeulner überzeugt davon ist, das das Ergebnis mit Markus Söder als Zugpferd besser ausgefallen wäre. „Ich weiß auch kein Patenrezept, aber wir haben ein Problem im Landkreis“, bekennt er. „Wenn ich sehe, wie gut die AfD in manchen Stimmbezirken abschneidet, haben wir es vielleicht an Deutlichkeit bei unseren Positionen vermissen lassen.“ Dafür sprechen auch Stimmen in den sozialen Netzwerken wie etwa von Jochen Bauer, ehemaliger CSU-Ortsvorsitzender in Redwitz, der Emmi Zeulner zwar gratuliert, gleichzeitig aber bekennt, sie nicht gewählt zu haben, „da sich CDU/CSU in den vergangenen Jahren dermaßen gewandelt hat.“

Daher gelte es, das Profil der Union zu schärfen, betont der Kreisvorsitzende. Der Klimaschutz sei für viele Wähler wichtig, doch im Landkreis stünden andere Themen im Vordergrund: „Wie teuer wird der Sprit? Wie lange kann ich als Pendler weiter mein Auto fahren?“ Auch bei den Themen Innere Sicherheit und Migration müsse die CSU Farbe bekennen. „Es hat offensichtlich nicht geholfen, dass der Ministerpräsident Bäume umarmt“, scherzt er. Und zum Vorpreschen von Armin Laschet mit der Ankündigung, die Union werde trotz des Wahlvorsprungs der SPD eine Koalition mit Grünen und FDP anstreben, meint Meißner: „Ein bisschen mehr Demut, wenn man die Wahl verloren hat, hätte ich schon erwartet.“

Der SPD-Bundestagskandidat Simon Moritz (2. v. li.) ist mit seinen 37 Jahren bereits ein erfahrener Lokalpolitiker. Dem Kulmbacher Stadtrat gehört er bereits seit 13 Jahren an. Foto: Red

„Ich habe mich sehr gefreut, dass wir so zugelegt haben“, freut sich SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller über den Zuwachs bei den Zweitstimmen, auch wenn er im Stimmkreis nur bei zwei Prozent liegt. Dass Direktkandidat Simon Moritz mit 16,6 Prozent nur auf den zweiten Platz kam, sei zwar ein Wermutstropfen, doch bei einer starken Gegenkandidatin wie Emmi Zeulner zu erwarten gewesen. Dennoch sei es ein sehr guter Wahlkampf gewesen, der gezeigt haben, dass es möglich sei, mit den richtigen Personen zu punkten.

Ein Gespräch mit AfD-Bundestags-Direktkandidat Theo Taubmann
Der Naturfreund: Theo Taubmann auf seinem Lieblingsplatz, einem Balkon mit weitem Ausblick übers Kleinziegenfelder Tal. Foto: Gerhard Herrmann

Mit dem dritten Platz der Direktkandidaten zeigte sich Theo Taubmann (AfD) aus Schammendorf zufrieden. Den Verlust von fast zwei Prozent der Stimmen (11,58 Prozent im Vergleich zu 2017 mit 13,4 Prozent) führt er auf die Konkurrenz der neuen Partei Die Basis, die im Querdenker-Milieu agiert, und der Freien Wähler zurück. Hinzu komme, dass er von einer Firma „reingelegt“ worden sei, bei der er rund 60 000 Flugblätter bestellt hatte. Die Flyer seien zwar gedruckt worden, doch am Mittwoch vor der Wahl habe er die Mitteilung bekommen, die Verteilung sei nicht möglich, er könne sie selbst abholen.

Jochen Bergmann kandidiert für die Freien Wähler
Der Bundestagskandidat der Freien Wähler für den heimischen Wahlkreis, Jochen Bergmann, während der Nominierungsversammlung. Foto: Horst Wunner

„Das war ein grandioser Erfolg für mich als neuer Kandidat“, freut sich Jochen Bergmann (Freie Wähler). Auf Anhieb hat er mit 7,61 Prozent den vierten Platz unter den Direktkandidaten erobert. Für seine Partei hätte er sich überregional noch mehr erwartet. Doch fühle er sich durch den Zuspruch ermutigt, sich weiter in der Politik zu engagieren. Bedauerlich finde er den starken Zuspruch für die AfD trotz der „menschenverachtenden Parolen und Verschwörungstheorien“, die sie verbreiteten.

Der FDP-Bundestagskandidat für Lichtenfels: Claus Ehrhardt
Claus Ehrhardt möchte Tradition und Innovation verbinden. Foto: Corinna Tübel

„Unfassbar“, kommentiert auch Claus Ehrhardt (FDP), der mit 4,76 Prozent das Schlusslicht der Direktkandidaten bildet, das Ergebnis der AfD. Als Neueinsteiger in einem großen Stimmkreis müsse er wohl noch bekannter werden. Er freut sich über den Zuwachs für die FDP, der vor allem aus Stimmen von Erstwählern resultiere. Gerne sei er bereit, sich weiterhin politisch zu engagieren.

Von Gerhard Herrman

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