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LICHTENFELS

Lichtenfelser Amtsgericht verurteilt Glücksspielsüchtigen

Selbst aus einer Entzugsklinik heraus beging ein Mann Betrügereien. Über 3800 Euro verschaffte er sich so als Einkommen. Doch all das Geld diente nur einem Zweck: Glücksspiel. Am Dienstag hatte sich der 35-Jährige vor dem Amtsgericht in Lichtenfels dafür zu verantworten.

Bescheiden und ruhig saß der Mann im Saal 14. Aber gefesselt war er doch, schließlich wurde er aus der Haft vorgeführt. Sein Lebensweg führte ihn von Trier in eine Entzugsklinik am Obermain, dann in Haft und nun gegenüber von Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch. Wegen vormaliger Vergehen sitzt der Mittdreißiger derzeit ein und nun kamen weitere vormalige Vergehen zur Sprache.

17 Einträge im Zentralregister

Zu sieben Zeitpunkten zwischen April und Mai 2021 verkaufte der Mann im Internet Handys im Wert zwischen 550 und 925 Euro. Das Unerlaubte daran: er besaß diese Handys gar nicht, konnte sie dementsprechend auch gar nicht liefern. Aber kassiert hatte er dennoch und zwar insgesamt 3848,48 Euro. Und das Ungewöhnliche daran: er tat es aus der Entzugsklinik in Hochstadt am Main heraus. Dort wurde er wegen seiner Spielsucht behandelt, aber ihr erlag er letztlich doch.

„Ich bin extrem spielsüchtig“, bescheinigte sich der Angeklagte gegenüber Richter Matthias Huber und offenbarte im Folgenden all die tragischen Züge, die sein Tun trug. Doch abseits des Tragischen wurde auch etwas erörtert, das eben kein milderes Licht auf den Angeklagten werfen sollte: der Auszug aus dem Bundeszentralregister zu seiner Person. Insgesamt tauchen dort 17 Einträge auf, die von Betrug, von Diebstahl, von Fahren ohne Fahrerlaubnis oder sogar gewerbsmäßigem Betrug sprachen. Darüber hinaus hielt sich das Gericht auch bei einem weiteren Umstand auf, jenem nämlich, wonach noch zwei weitere Verfahren gegen den Mann anhängig waren. Sie sprachen davon, dass er Waren im Internet bestellte und zur Begleichung der Rechnungen Kontodaten fremder oder nicht existenter Leute angab. Aus Gründen wie diesem sollte Rosenbusch gegenüber dem vollkommen geständigen Angeklagten davon reden, dass eine zu erwartende Haftstrafe „selbstredend nicht zur Bewährung ausgesetzt“ werden könne.

Er forderte einen Schuldspruch, der eine zweijährige Haftstrafe hätte nach sich ziehen sollen. Matthias Huber sollte kurz nach den Plädoyers das Urteil verkünden und es lautete auf 18 Monate Haft ohne Bewährung. Dabei machte der vorsitzende Richter dem Verurteilten deutlich, dass er gewerbsmäßigen Betrug begangen habe.

„Dazu zählt alles, was zum Lebensunterhalt gehört und zu Ihrem Lebensunterhalt gehörte es, auch Geld für Glücksspiel zu brauchen.“ Zudem rief Huber dem 35-Jährigen in Erinnerung, dass „alle Bewährungschancen, die man ihm bis dato gewährt hat, nicht gefruchtet“ haben.

Von Markus Häggberg

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