aktualisiert:

LICHTENFELS

Lichtenfels: Wird die Ausbildungsmesse noch gebraucht?

In der Berufsschule findet die Ausbildungsmesse jedes Jahr statt. Im laufenden Schuljahr fällt sie der Corona-Pandemie zum Opfer. Vielleicht gibt es im November eine Chance, die Kontaktbörse auszurichten. Foto: red–

Normalerweise ist sie ein fester Termin im Kalender vieler Unternehmen, Lehrer und Schüler: die Ausbildungsmesse an der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels. Ursprünglich für März 2020 geplant, dann in den Juni verschoben. Nun wurde auch dieser späte Termin corona-bedingt abgesagt. Die Verantwortlichen denken nun über eine Neuansetzung im November nach. Welche Auswirkungen hat dies auf die Ausbildungszahlen der Region?

Früh übt sich, wer eine Meisterin werden will. Foto: Berufsschule Lichtenfels

Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels betrübt die Absage des Messetermins nicht. Ein Termin im Herbst sei für das Kreditunternehmen ohnehin günstiger, da zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin schon alle Ausbildungsplätze für den September 2020 besetzt seien. Vielmehr stünde in Kürze das Auswahlverfahren für einen Ausbildungsstart im Jahr 2021 an. Auch durch die Corona-Epidemie ändere sich die Lehrsituation nicht: „Wir sind ein altes Haus und brauchen jungen Nachwuchs. Deshalb haben wir für die kommenden Jahre zehn bis zwölf Ausbildungsplätze als Bankkauffrau oder Bankkaufmann geschaffen“, gibt Ulrike Schmelcher an, Teamkoordinatorin Personalentwicklung. Die Sparkasse nutze zudem intensiv soziale Medien, um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. „Messen sind auch eine gute Plattform, aber wir gehen zum Beispiel auch verstärkt in Schulen, um für eine Ausbildung bei uns zu werben. Bisher hatten wir auch keine Schwierigkeiten, die Ausbildungsplätze zu besetzen.“

Ausbildungsmesse nur ein Baustein von vielen

Ähnlich geht die Baur-Gruppe aus Burgkunstadt mit der Absage um. Die Ausbildungsmesse sei nur ein Baustein von vielen in der Auszubildendensuche: „Wir rekrutieren ganzjährig, bewerben unser Ausbildungssystem, gehen in Schulen und halten Bewerbertrainings ab“, so Manfred Gawlas, Leiter der Unternehmenskommunikation der BAUR- Gruppe. „Die Messen gelten ja nur für den Erstkontakt. Man stellt sich vor und bekundet Interesse. Dann geht es weiter.“ Einen möglichen Termin der Veranstaltung im November würde das Unternehmen dennoch wahrnehmen. Derzeit sei ein Großteil der Ausbildungsplätze mir Start 2020 schon vergeben. Die Baur-Gruppe rechnet derzeit mit 25 Azubis. In einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel dem Fachlageristen mit Dualem Studium, werden noch Bewerber gesucht. Erreicht wurden interessierte Berufseinsteiger vor allem durch die Werbung in den sozialen Medien und durch die konkrete Vorstellung in Schulen. „In Zukunft könnte sich aber einiges verändern: Bisher haben die Unternehmen um die Bewerber gekämpft. Der Markt könnte sich aber komplett wandeln. Werden die Bewerber bald auf uns zukommen. Wir sind gespannt!“

Bewerberstand ähnlich wie in Vorjahren

Auch die Regiomed-Kliniken GmbH befürchtet keine negativen Auswirkungen auf die Zahl ihrer Auszubildenden: „Natürlich ist es sehr schade, dass die Messe jetzt ausfällt, aber wir bewerben das Thema ganz stark über unsere eigenen Kanäle wie unsere Homepage, Facebook etc. Aktuell sind wir dabei, die ersten Bewerbungsgespräche zu führen und haben auch schon einige Zusagen erhalten“, erklärt Anna Schaller, Bereichsleitung Unternehmenskommunikation des Gesundheitsverbunds. Im Großen und Ganzen spüre dieser hier keine großen Unterschiede zu den Vorjahren. Der Bewerberstand sei ähnlich wie sonst zu dieser Zeit und die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sie im Herbst ganz normal mit einer Klassenstärke von etwa 20 bis 25 Schülern in die generalistische Pflegeausbildung starten werden. „Eine Ausbildungsmesse im November unterstützen wir natürlich trotzdem, denn auch im nächsten Jahr sind wir ja wieder auf der Suche nach neuen Auszubildenden.“

Die Unternehmensgruppe Hofmann (Schney) leistet ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. Für das kommende Ausbildungsjahr sind auch hier die meisten Ausbildungsplätze vergeben. Aber mit Blick auf das nächste sind die Ausbilder auch im November wieder gerne vor Ort. Foto: Berufsschule Lichtenfels

Einen ähnlichen Tenor hat die Stellungnahme der Firma Hofmann-Impulsgeber (Lichtenfels): „Die Ausbildungsmesse in der Lichtenfelser Berufsschule besuchen wir seit Jahren sehr gerne, hier können wir direkt vor Ort mit möglichen Auszubildenden ins Gespräch kommen.“ Dass die Messe wegen der Corona-Krise nicht wie gewohnt stattfinden kann sei schade, aber angesichts der aktuellen Situation alternativlos. „Wir sind in der glücklichen Lage, die meisten Ausbildungsplätze für das neue Lehrjahr schon vergeben zu haben, daher trifft uns die Verschiebung nicht zu hart. Sollte die Messe im November stattfinden können, würden wir wie gewohnt gerne daran teilnehmen“, heißt es in der Stellungnahme.

Eklatanter Nachwuchsmangel in vielen Bereichen

Hat die Ausbildungsmesse Lichtenfels also an Wert eingebüßt? Der Stellvertretende Leiter im Bereich Kommunikation der IHK für Oberfranken sieht das anders: „Die Messe hat nach wie vor einen hohen Wert, aber momentan haben viele Unternehmen durch die Corona-Krise einfach andere Sachen im Kopf, einige kämpfen gerade auch ums Überleben.“ Immernoch herrsche ein eklatanter Nachwuchsmangel in vielen Ausbildungsbereichen.

Ende 2019: Rund 2000 unbesetzte Lehrstellen in Oberfranken

Ende letzten Jahres seien beispielsweise immer noch 2000 Ausbildungsplätze in Oberfranken nicht besetzt gewesen. Derzeit seien erst rund ein Drittel der Ausbildungsverträge für einen Start im Herbst diesen Jahres unterschrieben. Der Rest könnte sich zwar auch noch mit einer Zusage bei den Unternehmen selbst befinden, aber das werden sicherlich nicht alle sein. Eine Ursache dafür könnte sein, dass viele Schüler mit 15, 16 oder 17 Jahren noch keine rechte Vorstellung davon haben, welchen Beruf sie bald einmal ausüben möchten: „Das ist ganz normal. Das wusste ich damals auch noch nicht“, so Bellina. „Eine Ausbildungsmesse hilft hier aber und das zeigen sowohl die steigenden Besucherzahlen als auch die Ausstellerzahlen in ganz Oberfranken.“

An verschiedenen Firmenständen können die Schüler bei der Ausbildungsmesse auch gleich ihr technisches Geschick prüfen. Gerade für die Schüler, die im nächsten Schuljahr ihren Abschluss machen, bietet die Veranstaltung einen guten Überblick über die möglichen Lehrberufe. Foto: Alfred Thieret

Die Hofer Freiheitshalle etwa platze bei dieser Veranstaltung etwa regelmäßig „aus allen Nähten“, vielen Ausstellern musste auch schon eine Absage erteilt werden. Ebenso in Lichtenfels. „Die Ausbildungsmesse ist eben die Quelle schlechthin, wenn es um die berufliche Orientierung geht. Manche gehen vielleicht mit einer Vorstellung von drei oder vier Berufen dorthin, die sie interessieren könnten. Oft werden sie aber erst bei der Messe darauf aufmerksam, dass es noch einen Ausbildungsberuf gibt, der noch besser zu ihnen passt!“

Bewerberschwund im Jahr 2021?

Sind die gerade suchenden Schüler dann durch die Absage der Veranstaltung benachteiligt? Peter Bellina sieht einen zeitlich verschobenen Zusammenhang für die jungen Menschen: Viele Angebote der Ausbildungsmesse richten sich an Schülerinnen und Schüle, die im darauffolgenden Jahr eine Lehre beginnen möchten – eine klassische Ausbildung oder etwa auch ein Duales Studium. „Ich bin sicher, nächstes Jahr schaut es da ganz anderes.“ Dennoch sei auch in diesem Jahr davon auszugehen, dass es immer noch viele unbesetzte Lehrstellen geben wird, auch wenn man damit rechnen müsse, dass weniger Ausbildungen begonnen werden können – wegen der derzeitigen Rahmenbedingungen durch Corona.“

Von Corinna Tübel

Weitere Artikel