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LICHTENFELS

Lichtenfels: Stadtviertel „Alter Güterbahnhof“ entsteht

Auf dieser Freifläche an der Bamberger Straße in Lichtenfels soll das Baugebiet Alter Güterbahnhof entstehen. Foto: Markus Drossel

Im Januar 2018 rollten die Bagger auf das frühere Baywa-Gelände an der Bamberger Straße und machten die Bestandsgebäude dem Erdboden gleich. Nun könnten bald wieder Baumaschinen auf das rund 32 000 Quadratmeter große Areal rollen. Ein Investor will hier ein neues Stadtviertel entwickeln. Der Bebauungsplan ist zumindest schon einmal genehmigt, das Bauleitverfahren wird eingeleitet.

„Alter Güterbahnhof“ heißt das neue Baugebiet, wie Stadtbaumeister Gerhard Pülz ausführte. Es werde ein neuer Stadtteil, der allen Generationen und jedem Geldbeutel gerecht werde, aber auch ökologische Schwerpunkte setze. In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche gemeinsame Konferenzen zwischen Bauverwaltung und dem Planungsbüro des Investors. So konnte die Bauleitplanung vorangetrieben werden. Die ersten Entwürfe der Planungen wurden auch schon zweimal im Bau- und Umweltausschuss vorberaten.

Einfamilienwohnhäuser, Sozialtrakt, Markthalle und Boardinghäuser

Mittels eines 3D-Animationsvideos konnten sich die Stadträte ein Bild vom geplanten Baugebiet machen. Geplant sind neben 37 Einfamilienhäusern im hinteren Bereich auch Mehrfamilienhäuser im vorderen Areal. Insgesamt soll die neue Siedlung im Sinne des sozialen Wohnungsbaus auch weniger solventen Familien die Möglichkeit bieten, sich eigenen Wohnraum oder gar ein kleines Haus zu erwerben. Ferner sind Boardinghäuser (Beherbergungsbetriebe), eine Kindertagesstätte sowie im so genannten Sozialtrakt Wohnungen für betreutes Wohnen und Demenzerkrankte geplant.

So stellen sich der Investor und der Architekt das neue Baugebiet Am Alten Güterbahnhof an der Bamberger Straße in Lichtenfels vor. Foto: Grafik: Stadt Lichtenfels

Zur örtlichen Nahversorgung soll es eine Markthalle geben, ebenso Tiefgaragen und einen Spielplatz. Ein kleiner See dient der Regenwasserversickerung. Insgesamt ist das Vorgaben sehr nachhaltig ausgerichgtet und entspricht der „Grünen Hausnummer“ in den Bereichen „Nachhaltiger Umgang mit Regenwasser“ und „Naturschutz an Haus und Garten“. Wie Pülz erläuterte, sei eine Fernwärmeleitung von der städtischen Kläranlage vis-a-vis der Bahngleise angedacht. Hier soll durch Klärschlammverbrennung Wärme generiert werden. Alternativ wäre ein Biomasseheizkraftwerk möglich. Die Erschließung des neuen Stadtviertels soll über einen Kreisverkehrsplatz, eine Ringstraße und verkehrsberuhigte Nebenstraßen erfolgen. Ebenso sollen rund 200 Meter Radweg entstehen.

Der Investor wolle, so erklärte der Stadtbaumeister auf Nachfrage von Roland Lowig (WLJ), das Baugebiet nach und nach entwickeln: erst die Lärmschutzwand, dann den Sozialtrakt, dann die Boarding- und Einfamilienhäuser und später die großen Gebäudetrakte zur Bamberger Straße hin.

Auf Nachfrage von Heike Kunzelmann (AfD) erläuterte Pülz, dass das Gelände bereits dem Investor gehöre, da er es vor fünf oder sechs Jahren von der Bahn gekauft habe. Geplant seien sowohl Eigentumswohnungen/-häuser als auch Mietwohnungen.

Blick in das fiktive Baugebiet. Foto: Stadt Lichtenfels

Was tun mit den von Schadstoffen stark belasteten Bereichen?

„Neben dem Fadz ist das die zweite wirklich starke Säule für die Entwicklung unserer Stadt“, freute sich Bürgermeister Andreas Hügerich. Uwe Held (CSU) sah das ebenso: „Es ist ein Signal, dass wir wachsen wollen und vorankommen wollen.“ Wenn Wohnraum knapp werde, dann würden zwangsläufig die Mieten steigen. So aber könne man in Lichtenfels Arbeitsplätze, Wohnungen und Einkaufsmöglichkeit zu vernünftigen Preisen bieten. „Dieses Baugebiet ist attraktiv auch für Familien, die nach Lichtenfels ziehen wollen und vielleicht mit einem Einfamilienhaus einen Baustein für die Altersvorsorge setzen wollen“, befand Emmi Zeulner (CSU). Die Idee, eine zentrale Lösung für die Wärmeversorgung zu suchen, lobte sie. „Ein wunderbares Projekt“, meinte Dr. Arnt-Uwe Schille (SPD). „Da entsteht etwas Großartiges“, sagte Christian Barth (JB). Ebenso wie Dr. Andrea Starker (CSU) wollte er aber mehr zum Bodengutachten wissen. Das Gelände ist schadstoffbelastet. „Insgesamt ist so geplant, dass nicht so viele und tiefe Eingriffe vorgenommen werden müssen in Bereichen, die gefährdet sind“, antwortete Gerhard Pülz. Doch wer trage die Kosten, müsse aufgrund der Bodenbeschaffenheit nachgebessert werden, wollte Dr. Starker wissen? Es ist der Investor. Frank Rubner (CSU) mahnte eine Wohnraumanalyse an, um nicht Leerstände zu generieren. Diese sei in Arbeit, versprach Pülz.

„In Lichtenfels fehlt absolut betreutes Wohnen“, sagte Monika Faber (SPD). Wenngleich das neue Baugebiet eine hohe Wertschöpfung für die Stadt gaben werde, vermisse sie eine Tagesstätte auch für ältere Menschen.

Zumindest als Modell existiert das Baugebiet „Alter Güterbahnhof” schon. Foto: Markus Drossel

Philip Bogdahn (SPD) störte sich an der Namensgebung, die man noch einmal überdenken sollte. „Alter Güterbahnhof“ sei wenig attraktiv. „Wo wohnst du? – Am Alten Güterbahnhof“, skizzierte er einen fiktiven Dialog, um seiner Bitte Nachdruck zu verleihen. Aber, so Stadtbaumeister Pülz: „Wenn das Bauleitverfahren erst einmal läuft, kann man den Namen nicht mehr ändern.“

Zurückstellen wollte den Antrag aber dann letztlich niemand, zumal es keine adäquaten Namensalternativen gab. Vorschläge wie „Am Gleisdreieck“ waren schon im Vorfeld vom Bauamt abgelehnt worden. Weil es schlicht kein Gleisdreieck ist. Und so fiel der Beschluss für die Einleitung der Bauleitplanung einstimmig.

Aus den Plänen des Investors

Das neue Stadtviertel „Alter Güterbahnhof“, vom Investor auch als Campus bezeichnet, bietet:

-> Fünf barrierefreie Mehrfamilienhäuser mit 56 Wohnungen, im Erdgeschoss mit Ladenpassage zur Nahversorgung der Anwohner

-> 37 Einfamilienhäuser

-> einen Gebäudekomplex mit Pflegeeinrichtung, altersgerechtem Wohnen, Kindertagesstätte und Kinderhort.

-> Zwei Boardinghäuser, beispielsweise für Personal von Firmen, das nur wenige Wochen oder Monate am Standort Lichtenfels ist und Wohnmöglichkeiten sucht.

-> Im Zentrum dieses Gebäudekomplexes an der Bamberger Straße entsteht eine offene Markthalle, hier können auch Direktvermarkter ihre Waren anbieten. Angegliedert an diese Markthalle sind laut derzeitiger Planung ein Nahversorgungsladen, ein Cafe, Bäcker und Metzger, Apotheke sowie Läden und Dienstleister des täglichen Bedarfes zur Nahversorgung des neuen und umliegenden Gebietes.

-> Die Bamberger Straße soll in dem gesamten Bereich des Baugebiets neu gestaltet werden. Der vorhandene Fußgängerweg wird aufgelöst und durch einen neuen, breiten Gehweg mit parkähnlicher Gestaltung ersetzt. Entstehen soll auch eine Art Flaniermeile dank der großzügigen Gestaltung mit Bäumen und Bänken entlang der Läden. Der Übergang der Flaniermeile zur Straße durch einen Radweg erfolgt.

-> Eine zweite Einfahrt im Bereich des Sportplatzes verbindet das Quartier mit dem Naherholungsgebiet am dahinterliegenden Main.

-> Um die Lärmemission von der Bahn aufzufangen wird entlang laut Planer der Bahnstrecke ein begrünter Lärmschutzwall errichtet.

-> Die angrenzenden Schrebergärten werden laut Architekt erhalten, das komplette Gebiet wird mit großkronigen Laubbäumen bepflanzt.

-> Für jede Wohneinheit der Doppelhäuser und Reihenhäuser ist ein zusätzlicher Laubbaum vorgesehen. Die vorhandenen Bäume werden ebenfalls erhalten.

 

Von Markus Drossel

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