aktualisiert:

LICHTENFELS

Lichtenfels: Schuberts „Winterreise“ neu interpretiert

Lichtenfels: Schuberts „Winterreise“ neu interpretiert
Das Asambura-Ensemble gibt am Samstag, 23. Oktober in der Pfarrkirche Heilige Familie in Lichtenfels ein Konzert im Rahmen einer interkulturellen Neuinterpretation von Franz Schuberts Winterreise. Foto: Ghazaleh Ghazanfari

„Fremd bin ich eingezogen“, so lautet der Titel eines Konzertes des Asambura-Ensembles, das schon im November 2020 geplant war und aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Nun wurde für Samstag, 23. Oktober, um 19 Uhr in der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Lichtenfels ein neuer Termin festgelegt. Als Veranstalter fungiert die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Lichtenfels.

Das 2013 in Hannover gegründete Ensemble, das aus Musikern verschiedener Nationalitäten besteht und unterschiedlichste Stilrichtungen vereint, interpretiert klassische Musik im Dialog mit außereuropäischen Musikkulturen und entwickelt neue Perspektiven, wobei fremde Klangfarben, Melodien und Rhythmen europäischer Klassik und zeitgenössischen Klängen begegnen. Das farbenreiche Instrumentarium reicht von der persischer Santur und der arabischen Oud über die Marimba sowie Gitarre und Flöten bis hin zum präparierten Klavier.

Zum Ensemble gehört auch Tilman Muth (Marimba), Sohn des KEB-Vorsitzenden Clemens Muth. Die vielseitigen Kompositionen und Neubearbeitungen stammen von dem 1992 in Bielefeld geborenen Maximilian Guth.

Moderne Verständnisprobleme wie beim Turmbau von Babel

Das Asambura-Ensemble deutet das Stimmengewirr der Menschen in der alttestamentarischen Parabel vom Turmbau zu Babel um, die das gegenseitige Nichtverstehen als Folge menschlicher Selbstüberschätzung und Ursache aller Konflikte symbolisch thematisiert. Dieser mythischen und gleichzeitig äußerst modernen Erzählung möchte das Asambura-Ensemble eine Perspektive der Wertschätzung religiöser und kultureller Vielfalt entgegensetzen.

Grundlage des Konzertes bildet der berühmte Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert, den er kurz vor seinem Tod nach Gedichten von Wilhelm Müller vertonte, wobei der Konzerttitel der Anfangszeile des Zyklus entlehnt wurde. Das Asambura-Ensemble interpretiert dabei das Werk des romantischen Komponisten unter interkulturellen Gesichtspunkten neu.

Als Grundlage seiner kompositorischen Neuinterpretation sieht der Komponist Maximilian Guth die beiden Anfangszeilen des berühmten Werkes „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, die gerade in Zeiten, in denen so viele Menschen vor allem im nahem und mittleren Osten und weltweit heimatlos sind und sich auf der Flucht befinden, eine starke symbolische Kraft auf ihn ausüben.

Romantische Heimatlosigkeit spiegelt sich in moderner Fluchterfahrung

So hat er gemeinsam mit seinem Ensemble Ideen entwickelt, um Schuberts „Winterreise“ mit aktuellen Themen in Verbindung zu bringen und eine kulturspezifische Brücke zu schlagen. In Schuberts Liederzyklus begegnet man einem Menschen, der von einer stark schwankenden Gefühlswelt voll Sehnsucht, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Heimatlosigkeit geprägt ist. Ähnliche Seelenzustände spielen auch in der persischen Musik und Lyrik eine Rolle.

So wurden Texte der persischen Dichter Saadi, Rahi Moayeri und Mehdi Akhavan-Sales in Schuberts Liederzyklus eingefügt. Während aber in der „Winterreise“ fast von Lied zu Lied starke Gefühlskontraste dominieren, entstehen aufgrund der eingefügten persischen Gedichte zeitlos schwebende Klageliedmeditationen. Sie ergänzen nicht nur Schuberts „Winterreise“, sondern fassen die Aspekte der Einsamkeit, Flucht und Sehnsucht nach Heimat eindrucksvoll zusammen. Instrumentale Verbindungen werden über die persische Santur (vergleichbar mit Hackbrett), die arabische Oud (Kurzhalslaute) sowie durch Streicherklänge und Flöten geschaffen.

Instrumente und Motive kennenlernen beim Workshop

Für Interessierte ist dem Konzert der Workshop „Babel in Motion“ von 17 bis 18 Uhr vorgeschaltet. Anmeldung unter Tel. (09261) 61767 ist erforderlich. Hierbei erfahren die Teilnehmer nähere musikalische Hintergrundinformationen. So werden unter anderem die unterschiedlichen Instrumente, aber auch einige wichtige, das Konzert prägende Motive vorgestellt.

Pädagogischen Leiter Stephan Renczes stellt als Hauptanliegen der katholischen Erwachsenenbildung die Vermittlung der verschiedenen Kulturen und Religionen heraus, wie dies die Musik der Aufführung durch das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente verdeutlicht.

Eintrittskarten können im Vorverkauf beim Pfarrbüro der Heiligen Familie, in der Tourist-Information und bei Dumproff Buch und Kunst in Lichtenfels erworben werden. Die Hygienekonzepte zur aktuellen Coronalage sind zu beachten. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Das Konzert wird von der KEB, dem Lions Club sowie von Stadt und Landkreis Lichtenfels unterstützt.

Von Alfred Thieret

Weitere Artikel