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LICHTENFELS

Lichtenfels: Mähroboter sind eine tödliche Gefahr für Igel

Mähroboter sind eine tödliche Gefahr für Igel, warnt Marion Damm vom Landesbund für Vogelschutz. Foto: Josef Schröder

Mähroboter erfreuen sich steigender Beliebtheit bei Gartenbesitzern. Doch die Maschinen, die ihnen die Arbeit abnehmen, gefährden die unter Naturschutz stehenden Igel, warnt Marion Damm, 1. Vorsitzende der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV). Oft werden ihr verletzte Igel gebracht, die sie vom Tierarzt behandeln lassen muss. Anschließend versucht sie, die kleinen Patienten wieder gesund zu pflegen. Nicht immer aber sind ihre Einsätze von Erfolg gekrönt.

„Teilweise sind die Verletzungen, die von Maschinen stammen, so arg, dass der Igel es nicht überlebt“, berichtet sie. Es komme vor, dass einem Igel die Beine abgemäht werden oder er Schnittwunden am ganzen Körper erleidet. „Und keiner merkt es, da die verwundeten Igel sich verstecken“, sagt die Tierschützerin. Da Igel selten Schmerzenslaute von sich geben, bemerke niemand ihren qualvollen Tod. „Ganz schrecklich für verletzte Igel ist es, da Fliegen in die Wunden Eier ablegen, aus denen sich Maden entwickeln, die den Igel sage und schreibe bei lebendigem Leibe auffressen“, erklärt Marion Damm. „Solche Tiere kann man dann nur noch durch einschläfern lassen, um ihnen die unerträglichen Qualen zu ersparen.“

„Es kommt vor, dass einem Igel die Beine abgemäht werden oder er Schnittwunden am ganzen Körper erleidet. Und keiner merkt es, da die verwundeten Igel sich verstecken.“
Marion Damm, LBV-Kreisvorsitzende

Deshalb richtet die engagierte Tierfreundin einen dringenden Aufruf an alle Rasenbesitzer, Mähroboter nicht in den Abendstunden und in der Nacht laufen zu lassen. Nicht minder gefährlich seien Motorsensen, wenn sie bei Flächen zum Einsatz kommen, die nicht übersichtlich sind, etwa unter dichten Sträuchern, Bodendeckern, Laubhaufen und im hohen Gras. „Hier verkriechen sich die Igel mit Vorliebe, um tagsüber zu schlafen. Nähert sich ein Feind, dann flüchtet der Igel nicht, sondern rollt sich auf der Stelle ein. Auch wenn mit einer Mistgabel in die Verstecke gestochen werde, können können die stacheligen Freunde schlimme Wunden erleiden, mahnt Marion Damm.

Bald kommen die Jungen der Igel zur Welt, und wenn die Igelmutter verletzt wird und stirbt, müssten die Kinder verhungern. „Diese dann zu retten, ist nicht so einfach und mit einer großen Verantwortung verbunden“, sagt die Kreisvorsitzende des LBV. Jedes Jahr päppelt sie zuhause einige verwaiste Igelkinder mit hohem Aufwand auf.

Auch der Einsatz von Motorsensen in unübersichtlichem Gelände ist riskant

Überall in ganz Deutschland kämpften Pflegestellen um schwer verletzte Igel, deren Wunden durch Rasenroboter und Motorsensen verursacht wurden. Versuche, Baumärkte und Hersteller auf das Problem aufmerksam zu machen, hatten nur mäßigen Erfolg. „Es geht ja auch nicht nur um Igel: Auch Eidechsen, Kröten und andere Lebewesen werden mit Mährobotern umgebracht“, warnt Marion Damm. Auch am Tage sei die Benutzung nicht unbedenklich, denn wenn Igel Junge haben, seien sie manchmal auch am Tag auf Nahrungssuche. Tests belegen, dass Mähroboter trotz Sensoren auch vor Kinderfüßen stoppen, warnt sie.

Beim Einsatz eines Mähroboters hätten Blumen wie Gundermann, Ehrenpreis und Gänseblümchen im Rasen keine Chance mehr. Eine biologisch tote Fläche enstehe durch das dauernde Mähen und leiste somit dem rasanten Artenschwund bei Insekten Vorschub. Gerade bei sommerlicher Hitze sei es für den Rasen besser, ihn nicht ständig zu mähen. In trockenen Perioden sollten die Grashalme immer etwas länger sein, damit sie und der Boden nicht so rasch austrocknen. „Lebensfeindlich“ sei auch das Auslegen von Folien, durch die nicht einmal ein Regenwurm als Nahrung für den Igel komme. „Obendrauf werden dann langweilige weiße Steinchen, kombiniert mit schwarzem oder grauem Kies, gegeben. Nicht einmal ein Schmetterling ist dort zu sehen“, sagt Marion Damm.

Von Josef Schröder

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