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LICHTENFELS

Leserforum: Kritik an Mountainbikern: Vom Sinn und Unsinn von Verboten:

Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt.
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt. Foto: Daniel Naupold (dpa)

Leserforum

Etwas irritiert las ich am Samstag im Obermain-Tagblatt von diesen schlimmen Mountainbikern, deren Bild im Artikel als gar schrecklicher Verwüster des Gottesgartens ja gar nicht so sonderlich gut weg kamen, auch wenn einige Absätze durchaus ein detailliertes Bild aufzeigten.

Aber zur Sache. Das beginnt schon mit der Auswahl des Bildmaterials, als Eyecatcher ein großes Bild eines Mountainbikers, durch das Mitziehen des Fotos augenscheinlich reichlich actiongeladen. Oh weh, na hoffentlich kommt dem erholungssuchenden Wanderer niemals ein solcher Geselle entgegen, lautet die Botschaft, womöglich muss man bei diesem Anblick ja um Leib und Leben fürchten.

Weiter unten links wird das Bildmaterial schon lustiger. Ein nahezu auf Autobahnbreite ausgebauter Weg, davor allerdings fast bildfüllend die Verbotsschilder. Dabei ist dieses Bild durchaus interessanter. Was sagt es uns: Hier darf ein Mountainbiker auf gar keinen Fall fahren. Allerdings: Warum eigentlich nicht? Es handelt sich hier keineswegs um einen engen Trail ohne irgendwelche Ausweichmöglichkeiten für Entgegenkommende, sondern um einen sehr breiten Weg, wie man sie in den Wäldern rund um Lichtenfels häufiger findet. Und wer aufmerksam durch unsere Wälder streift, der findet nicht nur diese Wege, sondern auch jede Menge riesige Gassen in den Wäldern, den Rückewegen.

Gut - dort kann kein Mountainbiker mehr fahren, sind doch die Rückewege durch die schweren Erntemaschinen derartig umgepflügt, das ein Fahren dort wohl kaum möglich wäre. Aber klar doch, wenn die riesigen, lauten Maschinen im Wald unterwegs sind, das stört natürlich kein Wild, weil die müssen ja dort hin, sind quasi natürlicher Bestandteil des deutschen Waldes, die wachsen sozusagen dort. Und ja, Rückegassen hat der friedliche Wanderer etwa noch nie bemerkt? Auch klar, kann er ja in der Zwischenzeit nahezu nicht mehr, denn der Wald zwischen den Gassen existiert nahezu nicht mehr, der Klimawandel und der Borkenkäfer leisten gerade ganze Arbeit.

Aber womöglich ist meine Sichtweise auch nur eine falsche. Daher mache ich den Test und lasse mich an der Hand führen. Nehme „komoot“, eine App zur Planung von Radtouren, und stelle die App noch nicht einmal auf Mountainbike ein, sondern auf Gravel. Wem das Wort Gravel nichts sagt, hier schnell erklärt, in etwa: Fahren auf Wegen, aber eben nicht auf Teerstraßen, sondern „normalen“ befestigten Straßen, also keinen Pfaden durch denen der vor dem Mountainbike flüchtende, verängstigte Wanderer streift sondern auf befestigten Wegen.

Meine Route sollte zum Flaschenhaus führen, doch schon am Krappenberg schiebe oder trage ich mein Rad ganze Passagen, weil die schweren Traktoren halbe Meter tiefe Furchen in den Wald gegraben haben. Das ist dann also erlaubt. Im Wald einfach nur Fahrrad zu fahren, klar – das gehört verboten, auf der in dem Artikel in zwei Bildern gezeigten geraden, ausgebauten und breiten Straßen – ein Naturfrevel sondergleichen.

Aber es war ja vom Staffelberg die Rede. Dort wäre es eine Schande, würde ich mit meinem Bike über die Wege rollen, weil das würde ja den Platz nehmen für die Menschenmassen, die den geschützten Trockenrasen statt meiner niederwalzen wollen. Und ja, weil ich in der Gegend war – ich habe an einem der ersten schönen Frühlingstage einen kleinen Schlenker gemacht in Richtung Staffelberg, war allerdings schnell wieder weg, weil ich fürchtete, die Polizei würde eine solche Menschenmenge sofort auflösen müssen, weil die Coronagefahr dort aufgrund der Enge an diesem Tag deutlich höher war als in einer U-Bahn in Tokio.

Einem halbwegs vernunftbegabten Menschen jetzt erklären zu wollen, warum da jetzt der Mountainbiker nicht sein darf, die Massen an Menschen aber schon (die abgesehen davon dort alle mit dem Auto hingekommen sind) dürfte allerdings eine gewisse suggestive Fähigkeit vom Erklärenden abverlangen. Gut, ein Grund würde mir einfallen: Er hat einfach keinen Platz mehr.

Ob man allerdings mit diesem Ansatz an die Vernunft appellieren kann, ich wage, es zu bezweifeln. Es wäre sicherlich einfacher, wenn offensichtlich würde, warum es Einschränkungen geben sollte oder manchmal eben auch muss.

Nun sind in diesen Zeiten, in denen man ohnehin fast nichts darf, aber auch mehr Menschen auf die Idee gekommen, auch mal wieder ein Rad zu benutzen, was ja dem eigentlichen Ziel, dem Schutz der Umwelt jetzt gar nicht mal abträglich erscheint. Sollte man diese Gelegenheit daher nicht nutzen?

Oder man ergreift doch wieder die naheliegenden Lösungen: Man zaubert einfach wieder tausende dieser hübschen Kondensstreifen in den Himmel über dem Gottesgarten und verfrachtet die Menschenmassen unter direkter Injektion der Treibaushause aus den Flugzeugen in die Atmosphäre nach Malle, dann ist wieder Ruhe in der Heimat. Die paar Mountainbiker, die dann noch übrig bleiben, die stören dann wenigstens keinen mehr!

Jürgen Kremer,

Lichtenfels

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