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Landkreis Lichtenfels: Weihnachtsmärkte stehen auf der Kippe

Die Vorbereitungen für den Lichtenfelser Weihnachtsmarkt sind angelaufen. Zurzeit bauen die Mitarbeiter des Bauhofs die Stadtalm auf. Foto: Gerhard Herrmann

Auf einen stimmungsvollen Advent mit Weihnachtsmarkt und Märchenwald hatten sich viele Bürger nach knapp zwei Jahren der Pandemie gefreut. Vermittelte die Ankündigung der Lichtenfelser Stadtverwaltung im Oktober doch ein Stück Rückkehr zur Normalität. Angesichts von steigenden Infektionszahlen und überfüllten Intensivstationen ist Citymanager Steffen Hofmann skeptisch, ob der Lichtenfelser Weihnachtsmarkt vom 26. November bis 23. Dezember stattfinden kann. In Weismain und Bad Staffelstein wurden bereits die Konsequenzen aus der landesweiten Katastrophenlage gezogen: der Martinimarkt und der Adventsmarkt wurden abgesagt. Andere Kommunen im Landkreis warten noch ab.

„Einerseits ist der Weihnachtsmarkt ein wichtiger Frequenzbringer für den Einzelhandel ... andererseits kann ich persönlich mir angesichts der Situation in den Krankenhäusern kaum vorstellen, bei Glühwein zu feiern.“
Steffen Hofmann, Citymanager

Zwei Herzen schlagen in Steffen Hofmanns Brust: „Einerseits ist der Weihnachtsmarkt ein wichtige Frequenzbringer für den innerstädtischen Einzelhandel, der nach dem Lockdown im vorigen Jahr besonders auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen ist, andererseits kann ich persönlich mir angesichts der Situation in den Krankenhäusern kaum vorstellen, bei Glühwein zu feiern.“

Die Stadt werde die für Donnerstag angekündigte Entscheidung des Bundestags über neue Corona-Bestimmungen und die Minsterpräsidentenkonferenz abwarten. Danach werden Bürgermeister Andreas Hügerich und der Stadtrat entscheiden, ob ein Weihnachtsmarkt stattfindet. Zurzeit laufe die Abstimmung mit dem Landratsamt und dem Bezirk. „Wichtig ist, dass schnell eine Entscheidung kommt und dass sie einheitlich ist“, betont Hofmann. Denn er halte es nicht für sinnvoll, wenn Lichtenfels absagen würde und die Bürger dann nach Coburg oder Nürnberg fahren, weil dort an den Planungen festgehalten werde.

Grundsätzlich könnte der Markt mit dem bisherigen Konzept wohl auch bei einer 2G-Regelung stattfinden. Schließlich sei der Marktplatz groß genug und auf Live-Musik wie die Auftritte von Kapellen im Pavillon oder die Eröffnung mit Lichterzug, bei der viele Menschen zusammenkommen, wurde verzichtet.

Auch wenn die ersten Aufbauarbeiten bereits begonnen haben, wäre eine Absage für die Stadt wohl zu verschmerzen, da die meisten Arbeiten der Bauhof in Eigenregie übernimmt, sagt Hofmann. Außerdem werden zuerst die Elemente des Märchenwalds aufgebaut, die zum Schmuck der Innenstadt dienen, wo auch im Lockdown des vorigen Jahres der Lichterzauber zumindest für eine heimelige Optik sorgte. Märcheneisenbahn, Krippe und Krippenstationen werden also auf jeden Fall aufgebaut – ob die Bahn dann fährt, hänge von den Bestimmungen ab. Die Stadtalm könne nach den allgemeinen Regeln für die Gastronomie betrieben werden.

Die Weihnachtsbeleuchtung in der Inneren Bamberger Straße steht bereit. Foto: Gerhard Herrmann

Auf Ausgaben für Werbung in Monats- und Vierteljahresmagazinen würde die Stadt wohl sitzenbleiben, und die Mieteinnahmen für die 25 Buden des Weihnachtsmarkts, davon acht Versorgungsstände mit Speisen und Getränken, würden ausfallen. Zwar hätten die ersten Fieranten bereits abgesagt und andere besorgt angefragt, ob der Markt stattfinde, doch wolle die Stadt niemandem absagen, bevor feststeht, dass Weihnachtsmärkte verboten werden. Schließlich gehe es auch darum, den Anbietern die Chance zu geben, staatliche Ausfallhilfen für Einkäufe geltend zu machen.

Den Adventsmarkt in Bad Staffelstein, der für das zweite Adventswochenende (4. und 5. Dezember) geplant war, hat die Stadt bereits abgesagt, da absehbar war, dass das kulturelle Rahmenprogramm angesichts steigender Infektionszahlen nicht abgehalten werden könne, wie Markus Alin vom Kur- & Tourismus Service mitteilt. Stattdessen sei geplant, den letzten verkaufsoffenen Marktsonntag im Jahr am 28. November mit „adventlichem Flair“ aufzuwerten. So soll etwa ein Krippenweg in den Einzelhandelsgeschäften, wie er im vergangenen Jahr viele Schaulustige in die Straßen lockte, am Samstag, 27. November, um 14 Uhr eröffnet werden.

„Es ist schade, dass es keine landkreisweit einheitliche Entscheidung gibt. So ist jeder auf sich allen gestellt.“
Jürgen Gäbelein, Bürgermeister von Redwitz

Im Zwiespalt, ob er die Gemeinde Redwitz den am zweiten Adventssonntag, 5. Dezember, geplanten Weihnachtsmarkt abhalten soll, steht Bürgermeister Jürgen Gäbelein. „Wir könnten den Markt theoretisch abhalten, auf dem neuen Marktplatz wäre genug Platz und wir könnten die Stände auf zwei Straßen verteilen, so dass genug Abstand wäre“, erklärt er. „Aber wenn Auflagen mit 2G-Kontrollen kommen, wäre das weder für die Vereine noch die Gemeinde zumutbar.“ Gerne würde er den Bürgern das Advents-Highlight, das überwiegend die Vereine organisieren, ermöglichen, zumal sich heuer mit über 20 Ständen so viele Teilnehmer wie nie zuvor angemeldet haben. Aber die Aussicht auf Einzäunung und Einlasskontrollen sei mit einem stimmungsvollen Adventserlebnis nicht vereinbar.

„Es ist schade, dass es keine landkreisweit einheitliche Entscheidung gibt“, bedauert er. Die Kommunen würden von der übergeordneten Politik unter Druck gesetzt, aber letztlich allein gelassen. Bei einer Besprechung mit den Vereinen sollte das Thema am Dienstagabend diskutiert und eine Entscheidung werde voraussichtlich am Freitag nach der Ministerpräsidentenkonferenz getroffen, obwohl er mit einem allgemeinen Verbot nicht rechne, sagt Gäbelein.

Christine Frieß: Wie ein Einkaufsbummel an der frischen Luft

Die Garage der Eisenbahn für den adventlichen Märchenwald steht bereits auf dem Marktplatz. Foto: Gerhard Herrmann

Auch die Burgkunstadter Bürgermeisterin Christine Frieß will noch bis Ende der Woche abwarten, bevor sie gemeinsam mit der Stadtverwaltung entscheidet, ob der für 27. November geplante Weihnachtsmarkt stattfinden wird. „Schön wäre es, wenn wir für unsere Bürger den Markt abhalten könnten, denn auf dem Marktplatz ist genug Platz, um die Stände weit genug auseinanderzurücken“, sagt Christine Frieß. Sogar auf Standgebühr verzichte die Stadt , um das Ereignis möglich zu machen. Einige Interessierte hätten bereits abgesagt, so dass es kein Problem wäre, die Abstandsregeln einzuhalten. „Da wir kein musikalisches Rahmenprogramm haben, wäre ein Besuch auch nicht gefährlicher als das Einkaufen – zumal alles an der frischen Luft stattfindet“, betont die Bürgermeisterin. Allerdings sei die Entscheidung angesichts der überfüllten Kliniken schwierig.

„So wie die Infektionszahlen steigen, sehe ich schwarz“, sagt Bernhard Härtel, Organisator des Weihnachtsmarkts in Schwürbitz, den die Ortsvereine für Sonntag, 12. Dezember, geplant haben. Bis zum 28. November wollen die Vereine die Entscheidung offenhalten. „Bei einer 2G-plus-Regelung im Freien wäre allerdings der Aufwand zu groß“, sagt Härtel. Dabei hatten die Organisatoren eigens ein Konzept mit viel Raum, um Abstand zu halten, und Einweggeschirr erarbeitet. Beim Programm müssten ohnehin Abstriche gemacht werden, da die Gesangsgruppen von Schule und Kindergarten bereits abgesagt haben.

Christbäume schmücken die Innere Bamberger Straße in Lichtenfels. Foto: Gerhard Herrmann

Von Gerhard Herrmann

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