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COBURG / LICHTENFELS

Landkreis Lichtenfels: 40 Prozent mehr Arbeitslose als 2019

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Zwar ist die Arbeitslosigkeit wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten sehr stark angestiegen, mittlerweile sind aber auch wieder mehr offene Stellen, beispielsweise im Gesundheitssektor, gemeldet. Foto: Jens Büttner/DPA

Im Landkreis Lichtenfels waren Ende Juni 1715 Frauen Männer arbeitslos gemeldet, 23 Personen oder 1,4 Prozent mehr als im Mai. Das teilt die Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg in ihrem Arbeitsmarktbericht für den Juni mit. Damit stieg die Arbeitslosenquote im Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 3,0 Prozent.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass seit dem vergangenen Jahr die Zahl der Arbeitslosen um 526 Männer und Frauen beziehungsweise 44,2 Prozent zugelegt habe. Es hätten genauso viele Menschen ihre Beschäftigung verloren wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig hätten 11,5 Prozent weniger einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Dem Arbeitgeberservice seien im Juni 192 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsangebote gemeldet worden. Das sind laut Arbeitsagentur 33,3 Prozent (minus 96) weniger als im Vorjahr gewesen, jedoch 35,2 Prozent mehr als im Mai. Laut Arbeitsagentur zieht der Stellenmarkt damit wieder an. Im Bestand seien aktuell 877 Vakanzen, 186 (minus 17,5 Prozent) weniger als vor zwölf Monaten. Die meisten Stellen im Pool kämen aus der Produktion (258), gefolgt von Verkehr und Logistik (195), dem Gesundheitswesen (155) und dem Baubereich (105).

Frühjahrbelebung mit Verzögerung, aber spürbar eingesetzt

Weiter heißt es im Agenturbericht, dass die Frühjahrsbelebung mittlerweile im gesamten Bezirk mit den Städten und Landkreisen Bamberg und Coburg sowie den Landkreise Forchheim, Kronach und Lichtenfels mit etwas Verzögerung spürbar eingesetzt habe, wenn auch nicht mit der üblichen Dynamik der Vorjahre. Durch die hinzukommende starke Inanspruchnahme der Kurzarbeit sei der bis dato rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit nahezu zum Erliegen gekommen. „Sie erhöhte sich im Juni lediglich um ein Prozent (+134 Personen) auf 13 202 Menschen. Im Mai betrug der Anstieg noch das 4,4-fache (+591 Personen; +1 471 Personen im April).“

Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Arbeitslosen um 39,7 Prozent beziehungsweise 3755 Menschen erhöht. 1098 Frauen und Männer seien entlassen worden. Das waren laut Arbeitsagentur 5,3 Prozent (minus 61) weniger als im Vorjahr. 962 Menschen hätten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer neuen Beschäftigung beenden können, 6,1 Prozent weniger (minus 63) als in 2019.

Die Arbeitslosenquote sei im Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent gestiegen. Das sei der höchste Juni-Wert seit zehn Jahren (4,2 Prozent im Juni 2010). Damals sei gerade die Weltfinanzkrise zu Ende gegangen. Vor einem Jahr habe die Quote 2,7 Prozent betragen.

Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, schätzt die aktuelle Situation wie folgt ein: „Die zunehmenden wirtschaftlichen Lockerungen zeigen erste Wirkung. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit flacht seit zwei Monaten sehr deutlich ab. Wir hatten im Juni weniger Entlassungen als vor einem Jahr. Es wird wieder mehr eingestellt. Die Unternehmen sind bei Auswahlprozessen nicht mehr so zurückhaltend wie in den Monaten zuvor. Motivierte, flexible Fachkräfte haben zunehmend Chancen.“

Fast 100 000 Arbeitskräfte im Agenturbezirk in Kurzarbeit

Seit Beginn der Coronakrise hätten im Agenturbezirk Bamberg-Coburg insgesamt 6758 Betriebe Kurzarbeit für voraussichtlich 96 628 Arbeitskräfte angezeigt, so Brigitte Glos weiter. „Wir spüren noch keine Anhaltspunkte, dass die Firmen auf größere Entlassungen umstellen. Sie setzen auf Kurzarbeit, um die Durststrecke zu überbrücken. Denn spätestens nach Corona werden sie wieder mit der Frage der Fachkräftegewinnung bei schrumpfender Bevölkerung konfrontiert“, sagte sie.

Trotz der ersten positiven Tendenzen rechne Glos in den kommenden beiden Monaten mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, da sich Schulabgänger, Studienabsolventen und nicht übernommene Berufsabsolventen in dieser Zeit vorübergehend arbeitslos melden würden. Es gebe erste Anzeichen dafür, dass es in diesem Jahr mehr sein werden als in den vergangenen.

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