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LICHTENFELS

Klimaschutz im Landkreis Lichtenfels im Fokus

Klimaschutz im Landkreis Lichtenfels im Fokus
Bei Baumaßnahmen an Landkreisliegenschaften fließt laut CSU-Kreistagsfraktion der ökologische Aspekt stets mit ein – bestes Beispiel sei der Klinikneubau mit seinem hohen nachhaltigen Standard. Foto: Marion Nikol

Im Landkreis Lichtenfels gibt es seit vielen Jahren zahlreiche Initiativen, die dazu beitragen, die Energiewende, den Klima- und Umweltschutz vor Ort voranzubringen. Dazu gehören unter anderem die Lichtenfelser Sonnentage, die Umweltstation Weismain, regelmäßige Energieberatungsangebote und Infoveranstaltungen.

Was ebenfalls seit geraumer Zeit existiert, ist das sogenannte „Integrierte Klimaschutzkonzept für den Landkreis Lichtenfels und seine elf Städte, Märkte und Gemeinden“. Es wurde im Jahr 2012 entwickelt und enthält einen umfangreichen Maßnahmenkatalog mit über 50 Projektvorschlägen für die Bereiche Politik, Verwaltung, Kommunales, Wirtschaft, Energie, Mobilität, Bauen und Wohnen.

„Um die Projekte effektiv voranzutreiben, sollte eine intensivere und engmaschigere Vernetzung der beteiligten Kommunen und Akteure erfolgen.“
Frank Nowotny, SPD/SB-Fraktionsvorsitzender

Rund neun Jahre später stellt sich nun die Frage, welche der im Konzept vorgeschlagenen Maßnahmen mit welchem Erfolg umgesetzt worden sind. Eine Antwort darauf soll es laut Andreas Grosch, Pressesprecher des Landkreises, in einer der nächsten Kreistagssitzungen geben. „Wir haben derzeit eine Anfrage einer Fraktion zu diesem Thema vorliegen, und die Mitglieder des Kreistages sollen die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen nicht aus der Presse erfahren“, so Andreas Grosch.

Während die Bürger also noch auf eine Information zum Abarbeitungsgrad des Klimaschutzkonzepts warten müssen, lässt sich bereits heute in Erfahrung bringen, welchen Handlungsbedarf die dort vertretenen Fraktionen beim Thema Klimaschutz auf Kreisebene sehen.

Beim Klimaschutz sind auch die Bürger gefragt

Wie Peter Schmauser, Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion, betont, handele es sich dabei um ein Konzept „nicht nur des Landkreises, sondern explizit auch der elf Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis“. Bislang sei ihm nicht bekannt, dass es Anfragen aus den Kommunen an den Landkreis gab, im Bereich des Klimaschutzes zu moderieren oder zu unterstützen.

„Für den Landkreis ist dies eine freiwillige Aufgabe. Dennoch wird diese Aufgabe sehr engagiert auch von der Landkreisverwaltung schon ernst genommen. Im Kreisentwicklungskonzept aus dem Jahr 2010 gibt es bereits eine Säule ,Energie und Umwelt‘. Das zeigt, dass auch ohne ein Klimaschutzkonzept die Wichtigkeit dieses Themas herausgestellt wurde.“

„Der Landkreis kann hier nur Impulse setzten, was er bereits tut. Der Klimaschutz muss gelebt werden und nicht verordnet.“
Peter Schmauser, CSU-Fraktionsvorsitzender

Ausdrücklich befürwortet wird von der CSU-Kreistagsfraktion, dass bei Baumaßnahmen an Landkreisliegenschaften oder beim Fuhrpark der ökologische Aspekt bereits mit einfließt. Bestes Beispiel sei der Klinikneubau mit seinem hohen nachhaltigen Standard. Darüber hinaus kämen von Seiten der Abfallwirtschaft, der Umweltstation, des ÖPNV, der Kämmerei, der Bauverwaltung und auch der Kreisentwicklung viele Impulse in Form von Infomaterialien und Beratungsangeboten an die Bürger.

Klimaschutz im Landkreis Lichtenfels im Fokus
„Mobilität“ ist eines von insgesamt sechs Handlungsfeldern des integrierten Klimaschutzkonzepts, das der Landkreis Lichtenfels unter Beteiligung von Experten und Bürgern vor neun Jahren auf den Weg gebracht hat. Foto: Marion Nikol

„Klimaschutz“, so heißt es von der CSU-Kreistagsfraktion, „beginnt im Kleinen, und jeder ist hier aufgefordert, für seinen Bereich – zu Hause, bei Baumaßnahmen, Autoanschaffungen, der Mülltrennung oder auch beim Einkaufen – seinen Teil dazu beizutragen. Der Landkreis kann hier nur Impulse setzten, was er bereits tut. Der Klimaschutz muss gelebt werden und nicht verordnet. Dies ist unser Appell an die Bevölkerung: bei allen Entscheidungen den Klimaschutz stets zu bedenken.“

Überarbeitung und Abgleich des Konzepts notwendig

Die SPD/SB-Fraktion im Lichtenfelser Kreistag verweist ebenfalls auf die erfolgreiche Umsetzung einiger Projekte, etwa das Green Hospital, hält aber gleichzeitig eine Überarbeitung respektive einen Abgleich des seit fast zehn Jahren bestehenden Konzepts sowie eine konsequente Begleitung in der Zukunft für angebracht.

„Das vorliegende Klimaschutzkonzept wurde im Jahr 2012 unter fachkundiger Begleitung und Einbindung der Kommunen aufgesetzt. Um die Projekte effektiv voranzutreiben, sollte eine intensivere und engmaschigere Vernetzung der beteiligten Kommunen und Akteure erfolgen, um mögliche Synergien und Ansätze rechtzeitig zu erkennen und zeitnah unter Federführung des Landkreises umzusetzen. Nur gemeinsam können wir im Klimaschutz vieles bewirken“, so Fraktionsvorsitzender Frank Novotny.

Landkreisweiter Best-Practice- Austausch fehlt

Für eine Anpassung des Klimaschutzkonzepts spricht sich auch die Freie-Wähler-Kreistagsfraktion aus. „Das Konzept muss angepasst werden, um dem Klimawandel schneller entgegenzuwirken. Die Veränderung des Klimas, aber auch der technischen Möglichkeiten sind enorm. Deshalb sehen wir hier eine Überarbeitung beziehungsweise Aktualisierung als mehr als notwendig“, heißt es von Seiten der Fraktion.

Der Landkreis und die kommunale Familie müssen gemeinsam mit gutem Beispiel vorangehen. In einigen Kommunen beschränke sich das Klimakonzept auf den Einkauf von Öko-Strom. Viel größeres Potenzial würde sich in zielgerichteten Planungen verwirklichen lassen, zum Beispiel in Form von ökologischen Dörfern, welche sich selbst und autark versorgen könnten.

„Wir denken, dass dem Landkreis auch ein hauptberuflicher Verantwortlicher guttun würde.“
Georg Deuerling, 2. FW-Fraktionsvorsitzender

Als weitere Impulse nennt die FW-Fraktion den Aufbau kommunaler Energiequellen sowie durchdachte Straßenführungen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Auch eine Unterstützung der bereits geschädigten landwirtschaftlichen Unternehmen und die Förderung der klein strukturierten bäuerlichen Landwirtschaft zur Selbstversorgung seien wichtig, um lange Transportwege zu vermeiden.

Wie Georg Deuerling, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FW-Kreistagsfraktion ebenfalls anmerkt, fehle ein landkreisweiter Best-Practice-Austausch: „Wir denken, dass dem Landkreis auch ein hauptberuflicher Verantwortlicher guttun würde. Die Kommunikation durch viele politische Vertreter im Landkreis mit den Bürgern ist schwach, schwierig und zu kompliziert, um die Bevölkerung im Landkreis bezüglich notwendiger Veränderungen zu sensibilisieren. Damit nicht jeder alle Erfahrungen machen muss, braucht es einen ,Vernetzer‘, der die Maßnahmen des Kreises und der Kommunen aktualisiert, nachhält, neue Ideen generiert, auf Nachhaltigkeit prüft und als Koordinator agiert.“

Inwiefern die Grünen und Jungen Bürger im Kreistag eine zentrale Anlaufstelle für das Thema Klimaschutz im Landkreis befürworten, wird morgen im zweiten Teil dieses Berichts aufgezeigt. Die AfD-Kreistagsfraktion hat zu diesem Thema nicht Stellung genommen.

 

Von Marion Nikol

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