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LICHTENFELS

Sonne aus, Film ab

Kinosommer: Sonne aus, Film ab
Freitagabend, eine Nacht wie Samt und Seide. Und dazu ein unterhaltsamer Familienfilm. Foto: Markus Häggberg

Eine Großveranstaltung trotz Corona? Der „Fränkische Kinosommer“ war so etwas – mit aller gebotenen Vorsicht, Abstand und mit gutem Programm. Das Gelände hinter der Stadthalle ersetzte dabei den üblichen Aufführungsort Marktplatz und erhielt auch Lob. Einblicke in ein mehrteiliges Wochenendgeschehen: Sonne aus, Film ab!

Es gab Zeiten, da war dieses Gelände schon mal Austragungsort für Großes. Irgendwann in den 1990ern. Damals lehnte Les Holroyd von Barclay James Harvest an der Wand der AC-Halle, nippte an seinem Bier und schaute nach seinem Auftritt versonnen einer feiernden Konzertmenge zu. Und Peter Maffay hörte hier einstmals sogar mitten unterm Spielen auf und riet dem Publikum, sich doch mal mit ihm zusammen Zeit zur Betrachtung des Sonnenuntergangs zu nehmen.

Eine Bestuhlung streng nach Linien

Der Ort hat etwas, vor allem Weite. Hier gegen Westen gerichtet stand auf der Wiese die Leinwand und davor war für 300 Personen bestuhlt worden. Streng nach Linien, die in den Rasen gezogen vorgaben, wie weit die Sesselreihen zueinander im Abstand zu stehen haben. Corona forderte das ein.

250 Zuschauer am Freitag, wohl 220 am Samstag und – Konkurrenzveranstaltung Champions-League-Finale mit deutscher Beteiligung hin oder her – sogar 270 am Sonntag. Sie alle durften vor dem jeweiligen Filmbeginn über Spots erfahren, wer sich alles für den Fränkischen Kino-Sommer an acht Aufführungsplätzen stark machten.

Citymanager Steffen Hofmann zeigte sich zufrieden mit Planung und Ablauf. „Ja, wir haben nix negatives gehört“, erklärt er zu dem erstmaligen Umstand, wonach für einen Filmbesuch fünf Euro Eintritt verlangt wurden. Das sei coronabedingt Mindestmaßgabe des Filmverleihs gewesen und in Bamberg und Forchheim habe der Eintrittspreis gar 15 Euro ausgemacht.

Kartenverkauf läuft Online

Kinosommer: Sonne aus, Film ab
Familie Kappel kam eigens aus Bamberg angereist. Den Kino-Sommer am Obermain wollte sie sich nicht entgehen lassen. Foto: Markus Häggberg

Doch jeder Kartenkauf sei „mit Verständnis dafür“ vonstatten gegangen. Aber der Kauf geschah nicht vor Ort, der ging hauptsächlich über Bestellung im Internet vonstatten. Hintergrund: Corona. Denn auf diese Weise war die Registrierung der Besucher möglich. Auch hierfür hätten laut Hofmann all die Menschen Verständnis gezeigt.

Dann zählt Hofmann auf und kommt beim Organisations-Team auf elf Personen, bestehend aus städtischen Mitarbeitern, dem Citymanagement und den vor Ort den Verkehr regelnden Verkehrskadetten. Geregelt war aber noch mehr: Wer aufstand und umherging, der hatte Maske zu tragen. Und wer sich in den Pausen etwas zu trinken oder zu essen besorgte, der hatte Abstände zu halten. Gemurrt hat niemand.

Einer, der an diesem Samstag nicht hätte hier sein sollen, ist Filmvorführer Christian Friedrich. Auch er hat eine Corona-Geschichte zu erzählen – und was für eine. Der 23-Jährige Nürnberger, der ansonsten in Sachen Konferenztechnik unterwegs ist, sprang kurzfristig für seinen Kollegen ein. Der nämlich hatte sich bei einem Corona-Test an einem Teststäbchen verschluckt, musste ins Krankenhaus und ist krankgeschrieben.

Irgendwie Rock' n Roll und passend zu einem Film wie „Rocketman“, bei dem es um Elton Johns Leben geht und welcher nun ganz in den Händen des Mittelfranken lag. „Egal, wie oft man das macht, ein bisschen aufgeregt ist man immer“, erklärt der Mann.

Gewissenhaft die Technik überprüft

Gewissenhaft prüfte er vor Filmbeginn die Anlage und Abspielgeräte, prüfte auch, ob die Werbeeinspieler funktionieren. Denn wenn etwas nicht klappen sollte, „dann geht der Puls sehr gut hoch“, weiß Friedrich. Doch es sollte alles klappen.

Kinosommer: Sonne aus, Film ab
Filmvorführer Christian Friedrich ist Herr über modernste Technik. Foto: Markus Häggberg

Zwei, die an diesem Samstag unbedingt hier sein wollten, waren ein Forchheimer und eine Erlangerin. Für sie galt ausnahmsweise die Möglichkeit, sich noch nachregistrieren zu lassen. Benjamin Stubenvoll und Jasmin Jung, so die beiden jungen Leute, waren schon beim Kino-Sommer 2019 in Lichtenfels. „Wenn wir in Erlangen gehen, dann regnet es immer“, erklärte hierzu Jung, die sich lieber auf die Wetterprognose von Steffen Hofmann verlässt. Der sagte ihr klipp und klar, dass sie nach Lichtenfels kommen sollten, dass die Korbstadt keinen Plan B brauche, weil es hier zum Kino-Sommer nicht regnet. Basta!

Zumindest war das Stand vom Freitag und Samstag und für die Filme Onward: Keine halben Sachen sowie Rocketman. Es könnte auch der Stand von gestern Abend gewesen sein. So oder so, nach Einlass ab 19 Uhr hieß es nach Sonnenuntergang Platz nehmen und Sonne aus, Film ab.

 

Von Markus Häggberg

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