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LICHTENFELS

Wie geht's im Landkreis Lichtenfels beim Klimaschutz voran?

Kilmaschutzmanager oder Expertengremium?
Klimaschutzmaßnahmen wie energieeffiziente Straßenbeleuchtungen werden in einigen Kommunen vereinzelt umgesetzt, doch fehlt nach Meinung der Grünen und Freien Wähler eine zentrale Schnittstelle für die interkommunale Kommunikation. Foto: Marion Nikol

Es besteht seit acht Jahren und enthält über 50 Empfehlungen für Maßnahmen, um den Klimaschutz am Obermain auf verschiedensten Ebenen voranzubringen: Das integrierte Klimaschutzkonzept des Landkreises Lichtenfels und seiner elf Städte, Märkte und Gemeinden. Welche Projekte bislang mit welchem Erfolg umgesetzt wurden, soll schon bald im Kreistag thematisiert werden.

Im Landratsamt gibt es bis dato keinen Klimaschutz-Beauftragten

Einen einzigen Klimaschutz-Beauftragten gebe es bis dato beim Landkreis Lichtenfels nicht, erklärt Pressesprecher Andreas Grosch auf Nachfrage dieser Redaktion. „Es werden die einzelnen Themenbereiche von dem jeweiligen Verantwortlichen im Landratsamt begleitet und auch in dessen Zuständigkeit umgesetzt.“

Dass das ausreicht, wird jedoch von einigen Kreistagsfraktionen bezweifelt. Und es werden Überlegungen laut, ob nicht ein hauptberuflicher Verantwortlicher dem Landkreis guttun würde.

Fraktion der Grünen: zentrale Anlaufstelle unabdingbar

Eine zentrale Anlaufstelle auf Kreisebene halten die Grünen im Kreistag für unabdingbar, wie Fraktionsvorsitzende Dr. Susann Freiburg betont: „Erst kürzlich haben wir, so wie es im Klimaschutzkonzept vorgesehen ist, die Einstellung eines Klimaschutzmanagers beantragt, der nicht nur Öffentlichkeitsarbeit leisten, sondern auch viele neue Maßnahmen anstoßen wird. Seine Hauptaufgabe soll die zentrale Moderation der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes sein.“

Der Handlungsbedarf im Klimaschutzbereich wird ihrer Meinung nach auf Kreisebene grob unterschätzt, dabei lägen die Fakten seit 2013 vor. „Das ist menschlich“, so die Juristin. „Wir alle haben Angst vor Veränderungen, aber die werden kommen. Corona ist für mich nur ein lauer Vorgeschmack. Auf Kreisebene weiß man theoretisch, was zu tun ist: Es ist ein Grundsatzbeschluss ,Bekenntnis zur Notwendigkeit des Klimaschutzes‘ zu fassen. Wir müssen hier interkommunale Kooperationen schmieden sowie dringend ein interkommunales Klimaschutzmanagement einrichten.“

Indizien: Waldsterben und erhöhte Sterblichkeitsrate im Sommer,

Kilmaschutzmanager oder Expertengremium?
Klimaschutzmaßnahmen wie energieeffiziente Straßenbeleuchtungen werden in einigen Kommunen vereinzelt umgesetzt, doch fehlt nach Meinung der Grünen und Freien Wähler eine zentrale Schnittstelle für die interkommunale Kommunikation. Foto: Marion Nikol

Der Klimawandel, so die Fraktionsvorsitzende weiter, sei zwar eine „abstrakte Gefahr“, doch würden die konkreten Auswirkungen der Erderwärmung so langsam spürbar – etwa anhand des Waldsterbens oder dem Umstand, dass die Sterblichkeitsrate in den Sommermonaten immer weiter ansteige. „Das liegt an den immer häufiger auftretenden Tropennächten, die vor allem ältere Menschen sehr schlecht verkraften“, so Dr. Freiburg.

„Interessant ist auch das Thema Braugerste: Weil sie auf Witterungseinflüsse besonders empfindlich reagiert, wird sie für die Landwirtschaft ein Draufleggeschäft und immer seltener angebaut werden. Nach und nach werden wir uns also auch vom Bier verabschieden müssen, wenn wir nicht umdenken.“

Auf Kreisebene habe man in dieser Periode schon einiges getan und neben der Forderung nach einem Klimaschutzmanager beispielsweise einen Antrag auf Einrichtung eines Hilfspegels am Main gestellt, weil auch im Fluss das Wasser langsam knapp werde. so Dr. Freiburg.

Handlungsbedarf im Bereich Mobilität

Die Neuschaffung der Stelle eines Klimaschutzmanagers sieht wiederum die Fraktion der Jungen Bürger im Kreistag eher kritisch. „Viel lieber würden wir ein Expertengremium aus Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis sehen, die sich Umwelt- und Klimaschutz auf ihre Fahnen schreiben. Dieses Gremium könnte bei allen wichtigen Entscheidungen rund um den Klimaschutz einbezogen werden“, so Fraktionsvorsitzender Holger Then.

Davon abgesehen seien jüngst zahlreiche Maßnahmen beim Umwelt- und Klimaschutz umgesetzt worden, etwa die Neustrukturierung und Ausweitung des Öffentlichen Personennahverkehrs (Öpnv) und der Beitritt zum VGN oder auch der Bau des neuen Klinikums als Green Hospital. Darüber hinaus würden die Umweltstation Weismain wie auch die hiesigen Obst- und Gartenbauvereine hervorragende Arbeit leisten.

Gleichzeitig sehen die Jungen Bürger aber auch noch Handlungsbedarf, unter anderem im Bereich Mobilität. So habe man gemeinsam mit der grünen Kreistagsfraktion einen Antrag auf Prüfung eines Bahnhalts in Lichtenfels-Seubelsdorf gestellt, womit der umfangreiche Pendelverkehr des Gewerbegebietes auf die Schiene verlagert werden könnte.

JB auch für mehr Radwege und Ladestaionen für E-Bikes

Zudem spricht sich die JB-Fraktion dafür aus, mehr orts- und landkreisübergreifende Fahrradwege zu schaffen und weitere Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung zu stellen. „Darüber hinaus sollte es möglich sein, Fahrräder auf den Bahnhöfen im Landkreis sicher zu parken“, so Holger Then weiter.

Auch das Thema Flächenversiegelung beim Bau von großen Objekten bringen die Jungen Bürger in ihrem Statement zur Sprache: „Zum einen sollte unser fruchtbares Ackerland weiterhin den Landwirten in ausreichender Form zur Verfügung stehen. zum anderen müssen wir der Natur ihren Raum lassen. Hier sollten wir Investoren und Gewerbetreibenden helfen, einfacher und unbürokratischer Zugriff auf vorhandene, nicht mehr genutzte Objekte, zu bekommen.“

Das Rad dreht sich, braucht aber neuen Schwung

Wie sich an den Stellungnahmen der Kreistagsfraktionen erkennen lässt, steht das Rad des Klimaschutzes im Landkreis Lichtenfels nicht still, könnte aber an manchen Stellen neuen Schwung benötigen. Das integrierte Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2012/2013, das auf der Website des Landkreises eingesehen und heruntergeladen werden kann, stellt dabei einen hilfreichen Leitfaden mit einer Vielzahl an Impulsen dar.

Ein genauer Blick auf den Maßnahmenkatalog zeigt, dass einzelne Projekte sowohl vom Landkreis als auch den Kommunen bereits umgesetzt oder angegangen worden sind – zu nennen seien hier beispielsweise die Umrüstung auf LED-Straßenbeleuchtung, die energetische Optimierung von Kläranlagen oder auch das nachhaltige Fuhrparkmanagement.

Koordiniertes Ganzes möglich statt einzelne Zahnräder?

Offen jedoch bleibt dabei die Frage, ob jede Kommune weiterhin an ihren eigenen Stellschrauben dreht oder sich diese einzelnen Zahnräder zu einem koordinierten Ganzen zusammenfügen lassen. Ebenso interessant dürften Überlegungen sein, die im Konzept aufgeführten Bereiche „Kommunales“, „Energie“, „Bauen und Wohnen“, „Mobilität“ „Wirtschaft“ und „Klimaschutz im Alltag“ den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und inhaltlich um Themen zu ergänzen, die darin bislang noch nicht konkret aufgeführt sind – beispielsweise was den Natur-, Gewässer- und Artenschutz oder auch die Landwirtschaft angeht.

Kilmaschutzmanager oder Expertengremium?
Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sollte es nach Meinung der Kreistagsfraktion der Jungen Bürger künftig an den Bahnhöfen im Landkreis geben, um sowohl die Fahrrad- als auch die Zugnutzung zu erhöhe. Foto: Marion Nikol

Von Marion Nikol

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