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LICHTENFELS

Kein Schwimmunterricht: Dlrg befürchtet mehr Badeunfälle

Kein Schwimmunterricht: Dlrg befürchtet mehr Badeunfälle
Schwimmunterricht kann derzeit coronabedingt nicht stattfinden. Foto: A4284/_Emily Wabitsch

Fußball spielen mit dem Bruder, Schach spielen mit dem Vater – das geht momentan. Aber schwimmen? Schwimmen lernen und üben kann man eben fast nur in Schwimmbädern. Die sind wegen der Corona-Krise aber schon seit Wochen geschlossen.

Viele Schwimmkurse sind schon ausgefallen und werden bis auf weiteres ausfallen. Der Ortsverband Lichtenfels der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (Dlrg) mit seinem Vorsitzenden Hans Fritzmann sieht das „langfristig als problematisch“.

Resultierend aus der nicht durchführbaren Schwimmausbildung könnte auch die Zahl von Bade- und Ertrinkungsunfällen in dieser Badesaison ansteigen, meint er.

Von Januar bis August 2019 sind in deutschen Gewässern mindestens 348 Menschen ertrunken. Der Anteil der Vor- und Grundschulkinder ist dabei mit 21 Opfern erschreckend hoch.

Nun werden die ohnehin schon langen Wartelisten für eine Schwimmausbildung bei Erlaubnis des Bäderbetriebs vermutlich noch länger werden.

Schwimmunterricht im „Merania“ ist derzeit nicht möglich

Jeweils Dienstagabend, außer zu den Ferienzeiten, hielt die DLRG bislang eine Stunde Schwimmtraining für Kinder und Jugendliche sowie im Anschluss eine Stunde Rettungsschwimmausbildung ab.

Zusätzlich wurden Anfängerschwimmkurse für Kinder ab fünf Jahren und für Erwachsene – inklusive der Wassergewöhnung – angeboten. „Insgesamt haben hierbei wöchentlich etwa 50 bis 80 Mitglieder im Merania Hallenbad Lichtenfels trainiert, was derzeit aufgrund der Corona-Lage leider nicht möglich ist,“ so Hans Fritzmann.

Wegen Kürzungen in der Schwimmausbildung bei den Schulen in den vergangenen Jahren habe die Nachfrage nach Schwimmausbildungen bei ehrenamtlichen Vereinen stark zugenommen. Nun gebe es keine Möglichkeit, normale Schwimmausbildung zu praktizieren.

Zu Hause läst sich das Schwimmen nicht üben

Für das richtige „Schwimmen lernen“ eigneten sich keine digitalen Angebote – auch nicht das derzeit weit verbreitete Video-Schooling oder Ähnliches. Auch zu Hause lasse sich Schwimmen nicht üben – anders als etwa Gymnastik, Krafttraining oder Radfahrtraining.

Das Erlernen motorischer Fähigkeiten für sicheres Schwimmen sei außerhalb des Wassers sei kaum möglich, da sich die Lernumgebung hier völlig anders gestalte, erklärt der Vorsitzende weiter. „Insbesondere das Medium Wasser stellt besondere Anforderungen an die Kinder und Ausbilder und Ausbilderinnen, was an einem Monitor nicht vermittelt werden kann.“

Das einfache „sich über Wasser halten“ bei Anwendung der richtigen Schwimmtechnik oder das praktische Erleben des Elementes Wasser mit seiner Nässe, Kühle und einem kurzen Brennen in den Augen beim Eintauchen in das Wasser“ lasse sich zum Beispiel nicht nachstellen.

Kein Schwimmunterricht: Dlrg befürchtet mehr Badeunfälle
Eine Rettungsschwimmerin der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) beobachtet das Badegeschehen: Die DLRG rechnet mit eventuell mehr Badeunfällen in diesem Sommer. Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Lediglich die Vermittlung der Schwimmtheorie könne derzeit fortgeführt werden: Auf der Homepage des Dlrg-Ortsverbands sowie in einer App würden Baderegeln, Eisregeln, Malbücher mit Wasserbezug und Informationen zu den Schwimm- und Rettungsschwimmabzeichen digital bereitgestellt.

Fritzmann: „Diese Situation wird Auswirkungen auf das Badeverhalten der Menschen haben - unabhängig davon, ob es Sommerurlaube geben darf, ob und wann die Schwimmbäder der Region wieder öffnen dürfen oder wann es heiß genug sein wird, damit sich viele Leute wieder an Badeseen und Ähnlichem tummeln.“

Eltern und Aufsichtspersonen sind noch mehr gefordert

Die fehlende Schwimmausbildung für Kinder und auch Erwachsene könnte die Zahl der Badeunfälle steigen lassen, meint die Dlrg. Sie bereite sich bereits darauf vor, ein umfangreicheres Trainingsangebot bereitzustellen. Des Weiteren müssten eventuell Auflagen im Bereich der hygienischen Sicherheit bei der Gestaltung zukünftiger Schwimmausbildungen mit berücksichtigt werden.

Der Ortsverband appelliert deshalb an alle Eltern und Aufsichtspersonen: „Wenn längere Zeit kein Kontakt mit Wasser stattgefunden hat und erlernte Schwimmtechniken möglicherweise nicht mehr so präsent sind, müssen Eltern und Aufsichtspersonen im Bereich von Baden und Schwimmen im und am Wasser ihrer Sorgfaltspflicht noch intensiver nachkommen, um Badeunfälle vermeiden zu können.“

Die Dlrg appelliert: „Bleibt an Land - so schwer es auch fällt! Gefährdet nicht euch selbst und schon gar nicht andere – im Ernstfall eure Retter.

Von Corinna Tübel

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