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LICHTENFELS

Kein Pfingstansturm auf Hotels im Landkreis Lichtenfels

Was jetzt zählt ist Hygiene: Hoteldirektor Andreas Poth und Mitarbeiterin Carina Proske bei einer Zimmerkontrolle im Best Western Plus Kurhotel an der Obermaintherme (Bad Staffelstein).Fotos: Till mayer Foto: Till Mayer

Mund-Nase-Schutz und ein Handdesinfektionsmittel-Spender sind schon lange keine Seltenheit mehr an vielen Orten des öffentlichen Lebens, so auch in den Hotels und Pensionen im Landkreis Lichtenfels, die ab 30. Mai wieder für den touristischen Betrieb öffnen dürfen.

Bodenmarkierungen, Einweghandschuhe, eine Stundenbegrenzung beim Frühstück oder die komplette Schließung von Wellness-Bereichen dagegen entsprechen wohl nicht den Vorstellungen von „Urlaub“. Dennoch bemühen sich die Beherbergungsbetriebe trotz und mit umfassenden, meist selbst erstellten Hygienekonzepten ihren Gästen die bestmögliche Erholung zu verschaffen: „Wir sind gut gerüstet für das Wochenende und die Zeit danach“, betont Simone Seidel, Inhaberin des Hotels und Restaurants Fränkischer Hof in Altenkunstadt/Baiersdorf.

Im Hotel Rödiger (Bad Staffelstein) stehen die Zimmer bereit, jetzt müssen nur noch die Gäste kommen. Azubi Nicole Klinke schüttelt schon die Betten auf. Foto: Till Mayer

Von Teppichherzen als Wegweiser bis „Dekotische“ als Abgrenzungen

Die Geschäftsreisenden, die in den vergangenen Wochen schon hier übernachtet haben, seien verständnis- und rücksichtsvoll gewesen – ob das die Abstände der Tische im Frühstücksraum ode

r Restaurant betraf oder die Teppichherzen auf dem Boden, die den Gästen den Weg durch das große Haus mit den vielen Räumen weisen, die sich zum derzeitigen Zeitpunkt als Glücksfall erweisen: „Aber alles zukleben kann ich auch nicht. Wir haben viele Räume hier, klein und groß, auf die wir ausweichen können. So können wir die Gäste gut aufteilen“, sagt die Betreiberin.

Im Restaurant hat das Hotel zudem ein kreatives S

ystem entwickelt: Mit hübsch anzusehenden „Dekotischen“ ohne Gedeck wird für genügend Abstand zwischen den Speisenden gesorgt. Man kann diese aber schnell abräumen und für die nächsten Gäste vorbereiten, wenn es mal schnell gehen muss, und den Nachbartisch als „Grenze“ umfunktionieren. So spart sich der Betrieb mühevolle Um- und Ausräumarbeiten.

Mehr Personal wird benötigt, ist aber schwer zu bekommen

Für die weiteren Wege, aber besonders auch den höheren Zeitaufwand von Zimmerreinigung, Flächendesinfektion und Organisation braucht der Fränkischer Hof selbstverständlich mehr Personal, das in diesen Zeiten jedoch schwer zu rekrutieren sei. Am Frühstücksbuffet etwa müssen alle Speisen einzeln portioniert beziehungsweise als fertig angerichtetes und abgedecktes Frühstück angeboten werden. Die Zimmerpreise hat das Hotel bisher stabil halten können, im Restaurant mussten einige Preise dem höheren Aufwand geschuldet leicht angehoben werden.

Front office-Managerin Jessica Lohneis an der Rezeption des Kurhotels in Bad Staffelstein. Foto: Till Mayer

Auch andere Herausforderungen sind schwer zu bewältigen: Ab wieviel Personen zählen Menschen als Gruppe, die nicht zusammen verreisen sollte. Und was ist ein Einzelreisender? Hierfür gebe es bislang keine Erläuterungen des Freistaates Bayern. „Und was ist mit denjenigen Leuten, die einzeln buchen, sich aber kennen und dann trotzdem hier treffen?“, fragt Simone Seidel. Sie spricht auch von „minimalen Buchungszahlen“ im Vergleich zu den Monaten Juni und Juli im Vorjahr. Zudem fallen die Ausfälle von großen Veranstaltungen wie Tagungen oder Hochzeiten ins Gewicht: „Das holt man auch nicht mehr rein!“

Sehen sich die Menschen nach den vergangenen Monaten voller Entbehrungen und Einschränkungen nicht nach Urlaub? „Ich denke, dass es keine klaren Regeln gibt und viele nicht wissen, wie manche Dinge genau ablaufen, macht es schwierig. Die Menschen sind unsicher.“ Verständlicherweise. Simone Seidel und das Team müssen in allen Bereichen einen Mundschutz tragen, die Gäste beispielsweise an den Tischen aber nicht. „Wo ist da die Erklärung?“

„Generell haben wir einen viel höheren Aufwand bei wesentlich weniger Möglichkeiten, Geld zu verdienen.“
Marco Rödiger, Hotel Rödiger, Bad Staffelstein

Bei so vielen beinahe widersprüchlichen Regelungen erscheinen die unzähligen Einweghandschuhe, die die Mitarbeitenden im Hotel- und Gaststättenbetrieb benutzen müssen, oder die Plastikverpackungen wie ein notwendiges Übel an der Sache. „Dabei hat man doch die ganzen letzten Jahre darauf hingearbeitet, dass der ganze Betrieb umweltfreundlicher wird“, so Simone Seidel.

Ähnlich ergeht es dem Hotel-Restaurant Erich Rödiger in Bad Staffelstein. „Masken tragen, viel desinfizieren und die persönlichen Daten auch der a la carte-Besucher im Restaurant aufnehmen“, zählt Marco Rödiger auf. „Generell haben wir einen viel höheren Aufwand bei wesentlich weniger Möglichkeiten, Geld zu verdienen.“

Florian Kreier hofft, dass er und das Hotel Krone-Team (Lichtenfels) bald wieder für viele Gäste Vollgas geben kann. Foto: Till Mayer

 

Eine leichte Preiserhöhung für den Hotelbetrieb habe zwar stattgefunden, diese sei aber bereits im vergangenem Jahr beschlossen worden. Er und sein Team haben sich ebenfalls gut auf die neue Situation eingestellt: „Die Informationen kamen zwar kurzfristig, aber detailliert zum Beispiel von der DeHoGA.“ Nichtsdestotrotz sei das Hotel für die Pfingstzeit aber gerade einmal zu 30 Prozent ausgelastet. Eine Phase, in der sonst meist Vollbelegung herrsche.

„Uns erreichen immer noch viele Absagen, auch für Juli, August und September. Ich denke, der Knackpunkt ist die geschlossene Therme. Wir haben auch viele ältere Gäste, die einen Aufenthalt bei uns immer mit Besuchen in der Therme verbinden. Wir leben eben in einer anderen Gegend, als es zum Beispiel Skigebiete sind.“ Er verweist dennoch auf die weiteren Freizeitmöglichkeiten, die es im Umland noch gibt: den Staffelberg, viele Radrouten oder die zahlreichen Museen.

„Es wird Zeit für die Branche, das etwas passiert!“
Karin Kreier, Korbstadt-Hotel, Lichtenfels

Dem stimmt wohl Karin Kreier vom Korbstadt-Hotel Krone zu: „In unserer Region ist es zur Zeit schwierig. Es gibt nur vereinzelte Buchungen, auch wenn wir uns gut vorbereitet haben und auf Gäste warten!“ Im Restaurantbetrieb könne sie viele Tischreservierungen verzeichnen, im Hotelbetrieb herrsche eher Vorsicht: „Es gibt Verunsicherung bei den Menschen. Wie läuft es ab? Wie geht es weiter?“

Die geschlossene Obermain-Therme ist ein Hinderungsgrund

Diejenigen Gäste, die das Korbstadt-Hotel Krone gerade beherberge, in der Regel noch Geschäftsreisende, halten sich aber sehr gut an die Regelungen. Für Karin Kreier sind eben neue Bestimmungen zu denjenigen hinzugekommen, die es ohnehin schon immer gab und die exzellent eingehalten wurden: mehr Hände waschen, desinfizieren und vieles mehr. Dennoch fordert sie: „Es wird Zeit für die Branche, das etwas passiert!“

Maria Heinlein und Marco Rödiger an der Rezeption des familiengeführten Hotels Rödiger (Bad Staffelstein). Foto: Till Mayer

Auch im Ordner der innerbetrieblichen Maßnahmen, einem Hygienekonzept, einem Pandemie-Plan und dem Schulungsplan für die Mitarbeitenden des Best Western Plus Kurhotel an der Obermaintherme hat sich mittlerweile viel Papier angesammelt – in der Praxis durch die Umsetzung des Geregelten dafür unzählige Stunden an Arbeitszeit: unter anderem eben Mundschutz-Tragen, Fernbedienungen desinfizieren, saubere Wäsche in einem anderen Raum sammeln als schmutzige Wäsche, Dekokissen komplett abziehen und waschen, die Minibar leeren und festere Arbeitsbereiche für die Zimmerdamen etwa, die vorher Stockwerk übergreifend tätig waren.

Gut gerüstet für den erweiterten Hotelbetrieb

Geschäftsführer Andreas Poth fühlt sich so gut gerüstet für den erweiterten Hotelbetrieb. Die Buchungen seien bisher noch „verhalten“: „Die Auslastung für die Pfingstzeit liegt bei zirka zehn Prozent. Das liegt sicher auch ein bisschen an der geschlossenen Therme: Viele rufen an und fragen: Hat die Therme offen? Wenn wir verneinen, verabschieden sie sich meist auch.“

Diejenigen, die trotzdem den Weg ins Obermaintal finden, kommen oftmals aus dem dem Nürnberger Raum, dem Gebiet um Erfurt und Dresden sowie Frankfurt. Sie gehen wandern, fahren Rad oder nutzen Kulturangebote. „Ich hoffe wirklich, dass sich der Betrieb in den kommenden Monaten wieder einspielt“, so Andreas Poth. „Im Verhältnis zum Umsatz steigen unsere Kosten um 30 Prozent. Die Zimmerpreise bleiben aber vorerst gleich.“

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Florian Kreier vom Hotel Krone in Lichtenfels ist positiv eingestellt. Foto: Till Mayer

Von Corinna Tübel

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