aktualisiert:

LICHTENFELS

Jugendarbeit in der Pandemie am Obermain

Jugendarbeit in der Pandemie am Obermain
Viel zu entdecken und zu lernen gab es während einer Bauernhofwoche in Kösten. Foto: Corinna Tübel

Alpaka-Wanderung, Bauernhofwoche, Forscherspiel: Die Ferienangebote für Kinder und Jugendliche der Kommunalen Jugendarbeit sind abwechslungsreich und werden sehr gut angenommen. Teilweise gibt es gar Wartelisten. Auch die Jugendtreffs im Landkreis Lichtenfels sind geöffnet, selbst, wenn manchmal nur wenige Jugendliche kommen.

„Aber das macht nichts“, findet Kreisjugendpflegerin Alexandra Stammberger. Wichtiger sei es, nach eineinhalb Jahren Leben in der Pandemie das richtige Verständnis für die Kinder und Jugendlichen zu entwickeln: „Das ist psychisch für sie und auch für ihre Entwicklung eine große Belastung. In diesem Lebensabschnitt hat Entwicklung viel mit der Peergroup, das heißt Gleichaltrigen und dem gleichgesinnten sozialen Umfeld, zu tun, mit verschiedenen Kontakten auch außerhalb der Familien. Wenn das wegfällt oder stark eingeschränkt ist, macht das etwas mit den Kindern.“

Möglichst viele Kinder und Jugendliche im Landkreis erreichen

Die Kommunale Jugendarbeit leistet daher auch Beratung, Unterstützung und Förderung im Bereich der Jugendarbeit, um möglichst viele Kinder und Jugendliche im Landkreis zu erreichen. Es sollen Bedingungen für diese wertvolle Aufgabe geschaffen und eine stärkere Vernetzung in der gesamten Region erreicht werden. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher wird durch die Pandemie noch einmal zusätzlich herausgefordert, da einige Aktionen viel Vorbereitung erfordern. Und diese müssen immer wieder an die veränderten Bedingungen angepasst werden oder manchmal ganz ausfallen.

Jugendarbeit in der Pandemie am Obermain
Mit modernen Hilfsmitteln die Region entdecken: GPS-Tour auf dem Staffelberg. Foto: Corinna Tübel

Derzeit können auf Grund der warmen Temperaturen noch viele Veranstaltungen im Freien stattfinden. Eine GPS-Schnitzeljagd auf den Staffelberg und weitere Aktionen innerhalb des Landkreises förderten zugleich das Bewusstsein für die eigene Region bei den Kindern und Jugendlichen. Auch die Digitalisierung nennt die Kreisjugendpflegerin als Chance der Pandemie. Ohne den Corona-bedingten Druck wären etwa die überörtliche Vernetzung und der verstärkte Blick auf das Internet als Teil des Lebensraums von Jugendlichen sicherlich langsamer vorangegangen.

Mehr Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Alexandra Stammberger möchte den Stimmen der Jugend im Landkreis noch mehr Bedeutung verleihen und noch mehr Jugendliche an Aktionen und Programmen beteiligen sowie zur eigenen Mitarbeit anregen. Viele der heutigen Betreuerinnen und Betreuer nahmen in jüngeren Jahren selbst an Veranstaltungen der Kommunalen Jugendarbeit teil: „Wenn man weiß, das hat als Kind Spaß gemacht, dann kann es auch als Betreuer interessant sein!“ Oftmals seien es auch Geschwister und weitere Familienangehörige, die sich gemeinsam beteiligen.

Jugendarbeit in der Pandemie am Obermain
Kreisjugendpflegerin Alexandra Stammberger betont, dass die kindliche Entwicklung auch im Freizeitbereich stattfinde. Hierfür möchte sie die bestmöglichen Bedingungen schaffen. Foto: Corinna Tübel

Sie betreuen beispielsweise außerhalb der Pandemie das Spielmobil. Doch dieses muss nun schon den zweiten Sommer in Folge pausieren. Das Angebot mit verschiedensten Spielgeräten wie Hüpfburg, Pedalos, Stelzen, Grasskiern, Scoop-Wurfspielen, Schwungtuch, Gips- und Schminkangeboten gilt als fester Bestandteil der Sommerferien vieler Lichtenfelserinnen und Lichtenfelser.

Neue Ehrenamtliche anwerben und schulen

Auch die Aktivierung neuer Ehrenamtlicher und deren Schulung liegt derzeit nahezu brach. „Da müssen wir im nächsten Jahr stark nachziehen“, plant Alexandra Stammberger. Genauso möchte sie den aktuell stattfindenden Ausbau neuer Jugendeinrichtungen unterstützen sowie die Internetpräsenz der Kommunalen Jugendarbeit weiter verbessern.

Zudem möchte sie eine verbesserte Erreichbarkeit und Attraktivität der Angebote auch für solche Kinder und Jugendliche schaffen, die es ohnehin nicht leicht haben im Leben.

„Wenn wir als Erwachsene zwei Jahre ausgebremst werden, ist das nicht so einschneidend, wie wenn es die Kinder und Jugendlichen trifft.“
Alexandra Stammberger, Kreisjugendpflegerin
Jugendarbeit in der Pandemie am Obermain
Neu im Programm der Kommunalen Jugendarbeit waren Alpaka-Wanderungen. Foto: Corinna Tübel

Allen Adressaten und Adressatinnen, an die sich Alexandra Stammberger und ihr Team wenden, ist jedoch die aufregende Lebensphase gemeinsam. Gesetzlich beziehen sich die Angebote der Jugendarbeit insbesondere auf Menschen unter 27 Jahren. Es seien jedoch überwiegend Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren, die an den Aktionen teilnehmen. „Sie befinden sich in dem Alter in einer starken Entwicklungsphase. Wenn wir als Erwachsene zwei Jahre ausgebremst werden, ist das nicht so einschneidend, wie wenn es die Kinder und Jugendlichen trifft.“

Dabei gelte es zu bedenken, dass diese nicht nur Schüler und Schülerinnen sind, sondern auch ein Leben außerhalb der Bildungseinrichtung haben. „Und auch dort findet Entwicklung statt, nämlich im Freizeitbereich. Wir sollten in allen Bereichen die bestmöglichen Bedingungen schaffen, gut aufwachsen zu können, den eigenen Weg zu finden und Selbstbestimmung zu erfahren.“

Von Corinna Tübel

Weitere Artikel