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Interkulturelle Klänge in Lichtenfels

Interkulturelle Klänge in Lichtenfels
Das Asambura-Ensemble gibt am 14. November um 19 Uhr in der Pfarrkirche Heilige Familie in Lichtenfels ein Konzert im Rahmen einer interkulturellen Neuinterpretation von Franz Schuberts Winterreise. Foto: Ghazaleh Ghazanfari

„Fremd bin ich eingezogen“, lautet der Titel eines Konzertes des Asambura-Ensembles am Samstag, 14. November, um 19 Uhr in der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Lichtenfels. Als Veranstalter fungiert die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Lichtenfels, die auch mit ihrem Vorsitzenden Clemens Muth und ihrem Geschäftsführer und pädagogischen Leiter Stephan Renczes sowie dem Ensemble-Mitglied Tilman Muth zu einem Pressegespräch in das Pfarrzentrum eingeladen hatte. Der Komponist Maximilian Guth war über Skype zugeschaltet.

Klassische Musik im Dialog: farbenreiches Instrumentarium

Das 2013 in Hannover gegründete Ensemble, das aus Musikern verschiedener Nationalitäten besteht und unterschiedlichste Stilrichtungen vereint, interpretiert klassische Musik im Dialog mit außereuropäischen Musikkulturen und entwickelt neue Perspektiven, wobei fremde Klangfarben, Melodien und Rhythmen europäischer Klassik und zeitgenössischen Klängen begegnen. Das farbenreiche Instrumentarium reicht von der persischer Santur und der arabischen Oud über die Marimba sowie Gitarre und Flöten bis hin zum präparierten Klavier.

Die vielseitigen Kompositionen und Neubearbeitungen stammen von dem 1992 in Bielefeld geborenen Maximilian Guth. Im besonderen Fokus seiner künstlerischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit anderen Musikkulturen.

Stimmengewirr der Menschen beim Turmbau zu Babel wird umgedeutet

Das Asambura-Ensemble deutet das Stimmengewirr der Menschen in der alttestamentarischen Parabel vom Turmbau zu Babel um, die das gegenseitige Nichtverstehen als Folge menschlicher Selbstüberschätzung und Ursache aller Konflikte symbolisch thematisiert. Dieser mythischen und gleichzeitig äußerst modernen Erzählung möchte das Asambura-Ensemble eine Perspektive der Wertschätzung religiöser und kultureller Vielfalt entgegensetzen.

Das anwesende Ensemble-Mitglied Tilman Muth, Sohn des KEB-Vorsitzenden Clemens Muth, wohnt in Münster und ist neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Musiklehrer an einer Musikschule in Dortmund auch freiberuflich für verschiedene Orchester tätig. Im Asambura-Ensemble spielt er die Marimba.

Grundlage des Konzertes ist der berühmte Liederzyklus

Grundlage des Konzertes bildet der berühmte Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert, den er kurz vor seinem Tod nach Gedichten von Wilhelm Müller vertonte, wobei der Konzerttitel der Anfangszeile des Zyklus entlehnt wurde. Das Asambura-Ensemble interpretiert dabei das Werk des romantischen Komponisten unter interkulturellen Gesichtspunkten neu.

Anfangszeilen üben starke symbolische Kraft auf Komponisten aus

Die Konzeption des Konzertes stellte dann der Komponist Maximilian Guth über Skype vor: Die Grundlage seiner kompositorischen Neuinterpretation von Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ seien die beiden Anfangszeilen des berühmten Werkes, „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, die gerade in Zeiten, in denen so viele Menschen vor allem im nahen und mittleren Osten und weltweit heimatlos seien und sich auf der Flucht befänden, eine starke symbolische Kraft auf ihn ausüben würden.

So habe er gemeinsam mit seinem Ensemble Ideen entwickelt, um Schuberts Winterreise mit aktuellen Themen in Verbindung zu bringen und gleichsam eine kulturspezifische Brücke zu schlagen. In Schuberts Liederzyklus begegne man einem Menschen, der von einer stark schwankenden Gefühlswelt voll Sehnsucht, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Heimatlosigkeit geprägt ist. Ähnliche Seelenzustände spielten auch in der persischen Musik und Lyrik eine Rolle. So habe man gemeinsam Texte von den drei persischen Dichtern Saadi, Rahi Moayeri und Mehdi Akhavan-Sales ausgesucht und diese in Schuberts Liederzyklus eingefügt.

Verbindungen durch Santur und Oud sowie Streicherklänge und Flöten

Während aber in der „Winterreise“ fast von Lied zu Lied starke Gefühlskontraste dominierten, entstünden aufgrund der eingefügten persischen Gedichte ewig zeitlos schwebende Klageliedmeditationen. Sie ergänzen nicht nur Schuberts Winterreise, sondern fassen die Aspekte der Einsamkeit, Flucht und Sehnsucht nach Heimat eindrucksvoll zusammen. Instrumentale Verbindungen würden über die persische Santur (vergleichbar mit Hackbrett), die arabische Oud (Kurzhalslaute) sowie durch Streicherklänge und Flöten geschaffen.

Hinweise zum Workshop „Babel in Motion“

Tilman Muth gab noch ergänzende Hinweise zum Workshop „Babel in Motion“. Hierbei erfahren die Teilnehmer nähere Hintergrundinformationen in musikalischer Hinsicht. So werden unter anderem die unterschiedlichen Instrumente, aber auch einige wichtige, das Konzert prägende Motive vorgestellt.

Stephan Renczes stellte als Hauptanliegen der katholischen Erwachsenenbildung die Vermittlung der verschiedenen Kulturen und Religionen heraus, wie dies die Musik der Aufführung durch das Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente verdeutliche. Eine Steigerung brächten noch die Gesangsbeiträge der Solisten Yannick Spanier und Mehdi Saei, wodurch der Spannungsbogen nochmals verstärkt würde.

Clemens Muth ging noch auf den Aspekt der sozial Schwächeren ein, denen unsere Zuwendung gelten sollte. Der Vorsitzende gab auch noch organisatorische Hinweise. Unter Befolgung des Hygienekonzepts zur aktuellen Coronalage ist die Teilnehmerzahl auf 80 Personen beschränkt.

Das Konzert wird von der KEB, dem Lions Club sowie von Stadt und Landkreis Lichtenfels unterstützt.

Eintrittskarten für das Konzert am Samstag, 14. November, um 19 Uhr können im Vorverkauf beim Pfarrbüro der Heiligen Familie, in der Tourist-Information und bei Dumproff Buch und Kunst jeweils in Lichtenfels erworben werden. Für den Workshop am gleichen Tag von 17 bis 18 Uhr ist eine telefonische Anmeldung unter Tel. (09261) 61767) erforderlich.

Von Alfred Thieret

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