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IHK benennt Herausforderungen für kommende Bundesregierung

Rechenzentrum
Die Corona-Pandemie hat in der deutschen Wirtschaft die Bedenken gegen die Digitalisierung fast vollständig verschwinden lassen. Laut IHK müssen Wirtschaft und Gesellschaft die Chancen und Potentiale der Digitalisierung noch viel stärker nutzen – unser Archivbild stammt aus einem Rechenzentrum der Deutschen Bahn. Foto: dpa / Britta pedersen

„Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Standortes Deutschland in aller Deutlichkeit aufgezeigt“, so Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth, anlässlich des IHK-Unternehmensbarometers zur Bundestagswahl. Sie appelliert an die Politik, den Standort Deutschland wettbewerbsfähiger zu gestalten und die Verwaltung in ein zeitgemäßes, digitales Zeitalter zu führen.

530 IHK-Mitgliedsunternehmen waren aufgefordert, die Qualität des Standortes nach Schulnoten zu bewerten. „Eltern wären mit einem solchen Zeugnis ihrer Zöglinge wohl wenig glücklich“, macht Gabriele Hohenner in der Pressemitteilung deutlich, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Bürokratie in Deutschland: „mangelhaft“

Besonders negativ sei die Bewertung des Standortfaktors „Bürokratie“ ausgefallen, einerseits durch die Vielzahl und Komplexität von Regeln, andererseits wegen der Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren. „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt. Der Reformstau in der öffentlichen Verwaltung bremst die Wirtschaft immer stärker aus“, so Weigand.

Über ein „mangelhaft“ (Note 4,7) sei der Standort Deutschland bei der Bürokratie nicht hinaus gekommen. 88 Prozent der befragten oberfränkischen Unternehmen forderten deshalb, dass die nächste Bundesregierung die staatlichen Strukturen verschlankt, digitalisiert und beschleunigt. Weigand: „Viele Unternehmen sehen die aus ihrer Sicht zu träge und zu komplizierte Bürokratie als sehr kritisch.“

„Standort Deutschland“ unter Druck

Eine weitere Lehre aus der Pandemie sei, dass der weltweite Handel widerstandsfähiger und der Produktionsstandort Deutschland wieder attraktiver werden müssen, was 57 Prozent der Unternehmen fordern. Dies zeige sich auch an der Beurteilung weiterer wichtiger Standortfaktoren. Auffallend negativ seien dabei die Energiepreise (Note 4,7) und die Unternehmensbesteuerung (Note 4,1) bewertet worden, zwei entscheidende Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland.

Aber auch bei der Digitalisierung (3,9), beim Fachkräfteangebot (3,8), der Höhe der Arbeitskosten (3,6) und der Gründerfreundlichkeit (3,4) sei die Beurteilung eher zurückhaltend aus gefallen. Recht positiv dagegen die Bewertungen von Verkehrsinfrastruktur (Note 2,8), Finanzierungsbedingungen sowie Forschung und Innovation (jeweils 2,7).

Lehren aus der Pandemie für die Unternehmen selbst

Klar wird aber laut der IHK auch, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Chancen und Potenziale der Digitalisierung noch viel stärker nutzen müssten (54 Prozent Zustimmung). Hier würden sich auch die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst in der Pflicht sehen. Konsequenzen aus der Pandemie zögen die oberfränkischen Unternehmen vor allem bei der Stärkung der digitalen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei der Etablierung virtueller Besprechungen und Dienstreisen (jeweils 90 Prozent Zustimmung) sowie der Ausweitung des mobilen Arbeitens (83 Prozent). „Die oberfränkischen Unternehmen haben aus der Krise gelernt, ihre Lehren gezogen und die Weichen für die Zukunft gestellt“, so Hohenner.

Neue Bundesregierung muss Weichen stellen

„Nun ist der Staat in der Verantwortung und in der Pflicht, nachzuziehen. Auch wenn uns die Corona-Pandemie Schwächen aufgezeigt hat, eröffnet sie uns gleichwohl Chancen, diese in Stärken umzuwandeln und so gestärkt aus dieser Pandemie herauszugehen“, so Weigand. „Aus meiner Sicht ist das die Hauptaufgabe der kommenden Regierung und Voraussetzung, wenn wir in der Weltspitze bleiben wollen.“

Gemeinsam mit allen anderen bayerischen IHK seien konkrete Vorschläge ausgearbeitet, was die kommende Bundesregierung vorrangig angehen muss, um diese Ziele zu erreichen.

Alle Informationen zu den Ergebnissen des Unternehmensbarometers und den IHK-Positionen zur Wahl sind zu finden unter: ihkofr.de (red)

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