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LICHTENFELS

Hügerich: Heuer kein Lichtenfelser Christkindlesmarkt

Weihnachtsstimmung, Märchenwald und Budenzauber rund um das Lichtenfelser Rathaus Lichtenfels wird es heuer Corona bedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt geben. Foto: Markus Drossel

Der Lichtenfelser Weihnachtsmarkt ist weitgehend passé. Zumindest für 2020 und nach derzeitigem Stand der Dinge. Das wurde am Donnerstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Tourismus und Wirtschaft seitens Bürgermeister Andreas Hügerich verkündet. Doch es gab auch Verlautbarungen, die wegen Corona hoffnungsfroher machen sollen. Das Ziel dabei: eine widerstandsfähige Stadtentwicklung.

Die Stimmung war nachdenklich. „Aufgrund der aktuell weiter andauernden Corona-Pandemie, können der Lichtenfelser Weihnachtsmarkt und Märchenwald nicht wie gewohnt stattfinden“, erklärte Andreas Hügerich. Zulässig sei ein Weihnachtmarkt nach derzeitigem Stand der Erkenntnis nur unter der Maßgabe, dass es keine großen Besucherströme gibt, dass Maskenpflicht herrscht und es keine unterhaltenden Tätigkeiten, Festzelte oder künstlerischen Darbietungen gibt.

Die Märchenwaldbahn bleibt heuer im Bahnhof stehen

„Der große Christkindlesmarkt am 23. Dezember wird komplett entfallen“, so Hügerich. Das gilt auch für den Aufbau der weithin Besucher anlockenden Märchenwaldbahn. „Das ist der Stand heute“, betonte der Bürgermeister immer wieder und versicherte, dass man alles versuchen werde, „um Handwerk und Gastronomie zu unterstützen“. Im Blick dabei unter anderem kostenfreie Parkdauer, Zubilligung teilweise vergrößerter Freischankflächen. Ob es zum Aufbau der beliebten Stadtalm kommen wird, ist auch fraglich.

Lassen sich Skulpturen aus Lichtenfels womöglich zu Werbe- und Imagezwecken womöglich auch in anderen Städten aufbauen? Eine Frage, die am Donnerstagabend während der Sitzung auftauchte und von Manfred Rauh goutiert wurde. Foto: Masrkus Häggberg

Es war der dritte Tagesordnungspunkt bei der Sitzung, der Erklärungsbedarf bot. Denn was ist eine „Zoomtown“ und wie kann sich eine Stadt „resilient“, also widerstandsfähig machen? Hügerich sprach in diesem Zusammenhang von einer Kooperation mit der Universität in Linz und davon, dass Lichtenfels für ein Forschungsprojekt ausgesucht worden ist, dass es „in der Bundesrepublik nicht noch einmal gibt“.

Im Dezember fällt die Entscheidung für das Forschungsprojekt

Das zu erklären, lag an Rita von Frantzky. Die in Lichtenfels als Sanierungstreuhänderin in Erscheinung tretende Frau legte dar, dass sich Lichtenfels für ein Forschungsprojekt bewarb, zu welchem im Dezember wohl eine endgültige Entscheidung bezüglich der teilnehmenden Kommunen fallen soll. Es gehe um dabei unter anderem um Fragen, wie künftig Versammlungen funktionieren können oder wie man mit Konfliktlagen umzugehen habe. Das alles seien Fragen, die „im Rahmen nationaler Stadtentwicklung“ für das Forschungsprojekt von Interesse seien.

Neben einer Fakultät der Uni Linz wurde in diesem Zusammenhang auch der Begriff Bbsr genannt. Dahinter verbirgt sich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das Institut schiebt Projekte an, welche für die Bundespolitik Erkenntnisse zu Stadtentwicklung, Raumordnung oder Wohnungswesens erbringen soll.

Wenn „die Datenkrake“ zum Vorteil wird

Auf der Bbbsr-Webseite wird das so erklärt: „Sie (die Projekte) offenbaren politischen Handlungsbedarf und stellen wissenschaftlich fundierte Grundlagen bereit, mit denen sich Instrumente und Maßnahmen der Politik weiterentwickeln lassen.“ Ein Grund dafür, weshalb Lichtenfels ins Blickfeld der Forschung geraten sei, so Stadtbaumeister Gerhard Pülz, läge daran, dass es in der Korbstadt schon viele „zusammengetragene Daten“ gebe. Ein Verdienst, das wohl auch mit ihm selbst zu tun habe, denn kurz vor seinen Ausführungen bezeichnete er sich scherzhaft als „Datenkrake“.

Was diese zusammengetragenen Daten sind, erklärte er auch: „Wie sieht ein Haus aus, wenn ich in die Fläche hinein baue? Wie gestaltet sich dann der Schattenwurf? Wo stehen überall Hydranten? Wie entwickelt sich die Verkehrslage in dem Moment, in dem man hier oder dort umleitet? All solche Erkenntnisse, sollen in ein System münden, „bei dem ich tagesaktuelle Aussagen machen kann“, so Pülz. „Digitale Szenarien“ sollen so geschaffen werden, tauglich um allerlei Bewegungen zu simulieren.

Das Ziel: aus 15 Systemen eines machen

Was derzeit an Wissen und Informationen in momentan „zehn, 15 Systemen“ untergebracht ist, soll in Zukunft in einem System untergebracht werden“, erklärte Pülz zu den praktischen Auswirkungen, welche eine derartige Software mit sich brächte. „Wir als Stadt sind da ganz ganz groß interessiert.“

Der Sorge der als Zuschauerin anwesenden Stadträtin Heike Kunzelmann (AfD), wonach der Datenschutz darunter leiden könnte, begegnete Pülz damit, dass keine persönlichen Daten von Bürgern in das Programm einflössen. Doch in Bezug auf das Forschungsprojekt selbst wird man wohl Konkreteres erst in Monaten erfahren können. So ist das mit der Wissenschaft, sie ist ergebnisoffen. „Wir wissen alle noch nicht, wie es ausschaut, weil es ein Forschungsprojekt ist“, schloss Pülz.

Gemeinde Michelau beteiligt sich wieder am ZEF

Rita von Frantzky hatte alle Hände voll zu tun, das Forschungsprojekt der Uni Linz zu erklären. Ein Ziel dabei: eine digitale Steuerungsplattform zum Zwecke der Arbeitserleichterung. Foto: Masrkus Häggberg

Neues vom ZEF (Zentrum Europäischer Flechtkultur Lichtenfels e.V.) gab es auch. Im Sachstandsbericht ging ZEF-Geschäftsführer Manfred Rauh auf sehr viel Vergangenes ein. In Bezug auf die Erfolge aus neuerer Zeit war von viel Geplantem, Unwägbarem, Verschobenem und Ausstehendem die Rede. Allerdings zeichnete der Bericht auch das Bild von Kontaktaufnahmen und Gesprächen zu allerlei Projektierungen, von Besuchen und Gegenbesuchen auf bilateralen Ebenen. Eine Erfolgsmeldung allerdings dürfte in dem Wiedereintritt der Gemeinde Michelau bestehen. 2016 aus dem ZEF ausgetreten, kam es nun wieder zur Annäherung. Über all die Jahre hinweg habe man Kontakt zur Museumsleitung des Deutschen Korbmuseums in Michelau gehalten und was man sich nun vom Wiedereintritt verspricht, ist „eine vielversprechende Achse“, um weitere Projekte anzugehen.

Was lokale Projekte anbelangt, so zeichnete sich das Bild einer künftigen stärkeren Sichtbarmachung des Flechthandwerks in Lichtenfels. Gemeinsam mit Schülern der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung sollen dazu öffentlichkeitswirksame Aktionen stattfinden, die erste schon am 23. Oktober in der Inneren Bamberger Straße. „LUX-us“, so der Name dieser Aktion, bei der es um das Zusammenspiel von Licht und Flechtwerk geht. Überdies laufen – Corona hin oder her – schon Vorbereitungen für den Korbmarkt 2021.

 

häg

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