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LICHTENFELS / HILDBURGHAUSEN

Gewalt im Regiomed-Pflegeheim Hildburghausen

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In einem Regiomed-Seniorenheim in Hildburghausen soll eine Pflegekraft gegenüber einem Bewohner tätlich geworden sein. Ihr wurde fristlos gekündigt. Foto: Symbolthinkstock

Die Geschäftsführung von Regiomed hat einer Mitarbeiterin im Seniorenzentrum Hildburghäuser Land die fristlose Kündigung ausgesprochen und Strafanzeige gestellt, nachdem sie offenbar gegenüber einem Bewohner Gewalt angewendet hat. „Das ist ein Verhalten, das wir bei Regiomed auf keinen Fall tolerieren werden“, machte Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke bei einer Telefonkonferenz mit der Presse deutlich.

„Wir haben bereits begonnen, den Vorgang lückenlos aufzuklären und setzen dabei auf maximale Transparenz.“ Es gebe Hinweise darauf, dass die Mitarbeiterin bereits in der Vergangenheit – noch unter der Verantwortung der ehemaligen Geschäftsführung – durch grobes Verhalten aufgefallen sei und diese Beobachtungen offenbar zu keinerlei Konsequenzen geführt hätten. „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, werden wir auch gegen die Führungskräfte Schritte einleiten, die entsprechende Berichte ignoriert oder sogar verschleiert haben könnten.“ Auch in der Geschäftsführung sei man sehr betroffen.

Das Wohl der Bewohner stehe für Regiomed an erster Stelle. Man lege Wert auf eine wertschätzende Pflege, die den Bewohnern auch im Alter ein hohes Maß an Lebensqualität biete. „Dieser Vorfall ist daher wirklich schrecklich und wird vor allem die Angehörigen sehr beunruhigen und in Sorge versetzten. Dafür möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen.“

Zum jetzigen Zeitpunkt geht man in den Regiomed-Senioreneinrichtungen davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. „Wir sind aber mit den Beschäftigten aller Ebenen, den Heimbeiräten und den Angehörigen im Gespräch, um zu sensibilisieren und eventuelle Hinweise auf weitere Fälle aufzunehmen“, erklärt Rüdiger Bauer, der gemeinsam mit seiner Kollegin Heidrun Berger im vergangenen Jahr die Leitung der Seniorenzentren und Wohnheime übernommen hat. Alle Angehörigen wurden angeschrieben und über den Vorfall informiert. Im Rahmen einer telefonischen Sprechstunde können sie über ihre Sorgen sprechen und Fragen stellen. „Die Heimleitungen stehen als Ansprechpartner selbstverständlich auch wie gewohnt jederzeit zur Verfügung“, versichert Bauer.

Hotline eingerichtet

Außerdem wurde eine Hotline eingerichtet: Unter der Tel. 03685/773711 können sich montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr alle an Regiomed wenden, wenn sie in der Vergangenheit entsprechende Beobachtungen in einem der Regiomed-Seniorenzentren gemacht haben sollten. „Uns ist klar, dass die Betreuung älterer Menschen teilweise eine emotional sehr belastende Tätigkeit ist. Das darf aber niemals dazu führen, dass Mitarbeiter auf ihre Überlastung mit grobem oder sogar gewalttätigem Verhalten gegenüber Bewohnern reagieren. Die Menschen, die wir betreuen, sind auf unseren Schutz angewiesen, da sie es selbst teilweise nicht mehr äußern können, wenn ihnen Unrecht geschieht“, stellt Heidrun Berger klar.

Man achte grundsätzlich darauf, Mitarbeiter so gut wie möglich bei ihrer Arbeit zu unterstützen. So würden zum Beispiel Fortbildungen und Supervisionen angeboten, um die Teams und die Führungskultur, die auf Offenheit und Vertrauen basiert, stetig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus habe man kürzlich ein neues Angebot für die Beschäftigten geschaffen und eine Deeskalationsmanagerin eingestellt, die dabei unterstützt, Konflikte unter den Mitarbeitern oder auch im Umgang mit Bewohnern zu moderieren und Lösungsansätze aufzuzeigen.

„Die aktuelle Situation ist auch für alle Kolleginnen und Kollegen natürlich sehr herausfordernd und belastend“, sagt Bauer. Daher biete auch das Regiomed-Kriseninterventionsteam, das man ursprünglich für die Unterstützung der Beschäftigten in der Corona-Krise etabliert habe, jederzeit ein offenes Ohr und Hilfe an.

Von Stefan Lommatzsch

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