aktualisiert:

LICHTENFELS

Gericht Lichtenfels: Immerhin Geldstrafe etwas verkleinert

„Ich bin heilfroh, dass da nicht mehr passiert ist“, sollte der Angeklagte am Ende des Gerichtsverfahrens sagen, welches er als „kurz und schmerzlos“ empfand. Diesem Verfahren ging ein Einspruch gegen einen Strafbefehl voraus, und der erging an den heilfrohen 48-Jährigen darum, weil dieser nicht nur ziemlich betrunken Auto fuhr, sondern in der Folge auch ohne Führerschein.

„Was wollen Sie bezwecken?“, fragte ein irritiert wirkender Richter Matthias Huber den Mann, der ihm am Dienstag gegenüber saß. Der Grund: Der Fall war klar, gut dokumentiert, und auch die Schuld selbst wurde von dem Endvierziger ja eingeräumt. Doch der Mann hatte Redebedarf, wollte „erklären, wie es dazu kommen konnte“.

Mit 2,02 Promille Alkohol im Blut losgefahren

Das, wozu es kam, fand am 26. Juni vergangenen Jahres gegen 21.45 Uhr statt. Da setzte sich der Beschuldigte mit 2,02 Promille Alkohol im Blut hinter das Steuer und fuhr los. Das sollte ihn den Führerschein kosten, aber den brauchte er nicht, um knapp einen Monat später wieder fahrend hinterm Steuer zu sitzen.

Neben dem erwähnten Führerscheinentzug sollte das Gewesene den Mann auch mit 1200 Euro teuer zu stehen kommen. Dagegen erhob der Mann Einspruch, und so erzählte er am Dienstag von all den Umständen, die ihn zumindest an jenem Tag im Juni fehlgeleitet haben.

„Ich hatte Schulterschmerzen und eine doppelte Dosis Cortison“, erklärte er und führte aus, sich zudem in geselliger Runde befunden zu haben. In dieser Runde wurde nicht nur getrunken, es kamen auch Themen auf den Tisch, die aus seiner Vergangenheit stammten und ihm an die Nieren gingen. Er habe sogar weinen müssen. Das wiederum habe ihn Verhöhnung eingebracht. „Was bist denn du für ein Weichei?“, habe er sich anhören müssen.

Um „einer Schlägerei aus dem Weg zu gehen“, so der Mann schildernd, sei er lieber aufgestanden, ins Auto gestiegen und weggefahren. „Mir ist die Schwere meiner Schuld durchaus bewusst“, gestand der Beschuldigte in einem glaubwürdigen Tonfall und setzte hinzu, dass er einst bei der Bundeswehr sogar schweres Gerät gefahren habe und sich nie etwas zu Schulden kommen ließ.

Aber eine Frage war mit all dem Gesagten noch nicht beantwortet: „Was wollen Sie damit erreichen?“, fragte Huber erneut. Die Antwort kam umgehend: „Dass ich weniger zahlen muss.“

Der Grund dafür: Durch den Verlust des Führerscheins habe der Mann auch seinen Job verloren, in welchem er weit mehr verdient habe. Dieser Verdienst aber sei Grundlage für die Berechnung der Strafzahlung gewesen.

Dann sollte sich der Mann auch noch Hoffnungen auf den baldigen Wiedererhalt seines Führerscheins machen. Ein Wind, den Richter Huber ihm schnell aus den Segeln nahm. „Sie werden von der Führerscheinstelle eh keinen Führerschein bekommen, da ab 1,6 Promille zwingend eine MPU (Medizinisch-Psychologische-Untersuchung) erforderlich wird.“

Hernach stünde zudem noch eine führerscheinlose Frist von einem Jahr im Raum. Selbst wenn er ihm den Führerschein gäbe, so Huber, würde die Führerscheinstelle ihn überstimmen und die Fahrerlaubnis wieder einkassieren.

Staatsanwalt glaubt der Aussage des Beschuldigten

Aber da der Mann auch darlegen konnte, dass er nun wirklich massiv weniger verdient als vorher, mochte sich auch Staatsanwalt Mario Geyer mit dem Gedanken anfreunden, den Satz von 1200 Euro auf 900 Euro zu reduzieren. „Was Sie gesagt haben, ist nachvollziehbar (…), und ich glaube auch nicht, dass Sie eine Story erzählen“, so der Ankläger.

Die 900 Euro wurden verbindlich und der Endvierziger versicherte, wie froh er sei, dass an seinem volltrunkenen Abend nicht noch ein Mensch zu Schaden kam.

Von Markus Häggberg

Weitere Artikel