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KRAPPENROTH / MICHELAU

Fußweg zwischen Krappenroth und Michelau blockiert

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Früher gingen die evangelischen Christen hier zur sonntäglichen Messe in die Johanneskirche in Michelau und deren Kinder in die dortige Schule, heute sind es Bahnreisende, Radfahrer, Wanderer oder Pilzsucher, die ihn nutzen: den Fußweg zwischen dem Lichtenfelser Ortsteil Krappenroth und der Korbmachergemeinde Michelau, der 270 Meter südwestlich der Ampelkreuzung die Bundesstraße 173 quert. Oder besser: querte, denn seit einigen Monaten schneidet eine Leitplanke Interessenten den Weg ab. Und das sorgt für reichlich Ärger.

Es war das Staatliche Bauamt Bamberg, das die Leitplanke setzen ließ, als im Jahr 2019 die Asphaltdecke der Bundesstraße im Bereich der Gaabsweiher saniert wurde. „Der Trampelpfad vom Bahnhof Michelau nach Krappenroth ist uns nicht als Kreuzung aufgefallen, weil er auf keiner offiziellen Karte verzeichnet ist und offensichtlich nur wenig genutzt wurde“, argumentiert Norbert Schmitt. „Auf der Krappenrother Seite war er gut zu erkennen und wurde auch freigehalten.“ Nicht so auf der Michelauer Seite. „Der Weg war stark verwachsen, und da die Weiterführung auch nicht unmittelbar gegenüber liegt, sondern erst nach rund 20 Metern in Richtung Lichtenfels versetzt abzweigt, kaum zu erkennen.“ Und so wurden die Schutzplanken nachgerüstet. Sehr zum Ärger der Krappenrother, der Degendorfer – und der Stadt Lichtenfels.

„Der Weg ist sehr wohl verzeichnet“, kontert Stadtbaumeister Gerhard Pülz. „Und das natürlich auch auf den offiziellen Karten.“ Diese sind im Bayern-Atlas der Staatsregierung im Internet frei zugänglich. „Hinzu kommt, dass der Weg von Krappenroth nach Michelau in jeder alten wie neuen Wanderkarte zu finden ist.“ Und jeder, der beim Internet-Suchdienst Google nach einer Route sucht, landet auch bei diesem Weg.

Der Fußweg ist älter als die Bundesstraße 173

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Wie alt der Weg ist, mag heute keiner mehr zu sagen. „Fakt ist, dass er schon bestand, als die heutige Bundesstraße 173 gebaut wurde“, so Pülz. Das war in den Jahren 1908/09. Damals entstanden auch die Gaabsweiher – und eine Fußgängerunterführung, die die Bahn baute.

Zahlreiche Bürger haben sich über den durchschnittenen Fußweg schon bei der Stadt Lichtenfels beschwert. Diese wiederum gab die Beschwerden an das Staatliche Bauamt weiter, mit der Bitte, den Weg wieder zu öffnen. Doch geht das so einfach? Norbert Schmitt vom Staatlichen Bauamt warnt: „Eine Querung an der Stelle mit rund 17 000 bis 18 000 Fahrzeugen pro 24 Stunden und einem Schwerlastanteil von rund zehn Prozent ist äußerst gefährlich.“

Trotzdem hat sich die Unfallkommission für den Landkreis Lichtenfels der Sache angenommen, hat sich die Situation vor Ort angesehen – und das schon im Jahr 2019. Die Vertreter von Staatlichem Bauamt, Polizei und Landkreis begutachteten den Zustand des Wegs auf Michelauer Seite („stellenweise gefährlich steil und rutschig“) und Krappenrother Seite und beurteilten den Kreuzungsbereich mit der Bundesstraße („Es muss rund 20 Meter unmittelbar entlang der Bundesstraße gelaufen werden“). Letztlich sei die Kommission Norbert laut Schmitt zur Einschätzung gelangt, „dass die Schutzplanken geöffnet und eine Querung wieder zugelassen werden könnte, wenn bestimmte Auflagen erfüllt werden“.

Eine davon ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung in beiden Fahrtrichtungen. Denn dort, wo der Fußweg die Bundesstraße kreuzt, sind 100 Stundenkilometer erlaubt. Der 70-er-Bereich müsste also aufgrund der Sichtbedingungen um einige hundert Meter verlängert werden. Ferner dürfte der Durchgang durch die Schutzplanken maximal 1,20 bis 1,50 Meter breit sein, umrahmt von Aufpralldämpfern.

Der Knackpunkt aber wäre ein anderer: „Es müssten sowohl auf Bahnseite als auch auf Krappenrother Seite ebene Aufstellflächen im Seitenraum angelegt werden.“ Und diese Kosten, so die Auffassung des Staatlichen Bauamts, hätten dann die Kommunen zu tragen, also Michelau und Lichtenfels. Den Unterhalt selbstverständlich auch.

Aus Richtung Michelau kommend steht der Fußgänger erst einmal vor einem Hindernis: einer Leitplanke. Und Radfahrer können nicht gen Bahnhof abbiegen. Foto: red

Das wiederum sorgt für Kopfschütteln bei Gerhard Pülz, dem Stadtbaumeister von Lichtenfels. Er spricht von „wahnsinnigen Kosten“, die die Stadt Lichtenfels nicht schultern könne und wolle. Genau deshalb hätten Bürgermeister Andreas Hügerich und er bei einem Termin beim Staatlichen Bauamt in Bamberg noch einmal vorgesprochen. Ohne Erfolg. Auch mit der Gemeinde Michelau sei man in Kontakt.

In diesem Bereich darf 100 Stundenkilometer gefahren werden

Für Pülz gilt das Verursacherprinzip. Will meinen: Das Staatliche Bauamt habe den Fehler gemacht, das Bauamt müsse ihn beseitigen. „Neben Krappenrothern und Degendorfern sind auch alle Wanderer und Ausflügler betroffen. Und es mag momentan keine Wirtschaft in den beiden Dörfern geben, doch zuvor wurde der beliebte Weg auch von deren Gästen viel genutzt.“ Rund eine halbe Stunde braucht der Fußgänger, um die 2,1 Kilometer von Krappenroth in den Ortskern von Michelau zu laufen. Von Krappenroth zum südlichen Bahnsteig des Michelauer Bahnhof sind es gar nur 750 Meter, eine knappe Viertelstunde auf Schusters Rappen.

Staatliches Bauamt: Schutzplanken aus Sicherheitsgründen installiert

Die Leitplanken ließ das Staatliche Bauamt übrigens aus Sicherheitsgründen montieren, „weil hier viele Bäume in kurzen Abstanden längs der Straße stehen. So konnte der vorhandene Bewuchs weitestgehend erhalten bleiben“. Vorangegangen war eine mehrstufige Sicherheitsprüfung, auch Sicherheitsaudit genannt.

Eine Öffnung der durchgehenden Leitplanke, so warnt das Staatliche Bauamt, könnte deren Wirksamkeit beeinträchtigen. Aber das scheint nicht das Hauptargument: Gestritten wird um die Kosten der Maßnahme. Ein Einlenken ist derzeit nicht in Sicht.

Von Markus Drossel

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