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LICHTENFELS

Frühlingsbrauchtum in Franken

Abbildung eines Osterfeuers aus dem „Kronprinzenwerk“: Auch hier wird eine Figur verbrannt, die den Winter symbolisieren soll. Foto: red

Umbrüche im Jahr wurden seit alter Zeit mit bestimmten Brauchtümern verbunden. Es gibt besondere Zeiten im Jahreslauf, an denen alljährlich wieder Rituale gepflegt und wiederholt worden sind. Das gilt auch für den Umbruch, der mit dem 21. März eingeleitet wird: Heute ist mit diesem Datum der kalendarische Frühlingsanfang markiert.

Die Jahreszeit Winter ist (endlich) zu Ende, und man merkt so langsam zunehmend, dass es wieder „nauswärts“ geht. Die dunkle und unwirtliche Winterszeit hat den Menschen schon früher auf das Gemüt gedrückt. Deshalb sind mit dem Frühling auch insbesondere Bräuche verbunden, die dem Winter ein sichtbares Ende setzen wollen. Einige von ihnen, die hier vorgestellt werden, werden bis heute Franken, zum Teil auch im Lichtenfelser Land, gepflegt.

Sonne und Wärme siegen über die Dunkelheit und Kälte des Winters

Zunächst ist die „Sommertagsfeier“ zu nennen, die in weiten Teilen Frankens wohl eine sehr alte Tradition besitzt. So schreibt schon Sebastian Franck in seinem „Weltbuch“ von 1542: „Zu Mittelfasten ist der Rosensonntag. An diesem Tag hat man an etlichen Orten ein Spiel, dass die Buben an langen Ruten Brezeln herumtragen (…) und zwei Männer, einer (…), der heißt Sommer, der andere (…) der heißt der Winter, diese streiten miteinander. Da liegt der Sommer ob und „erschlecht“ den Winter, darnach geht man auf zum Weine.“

Brezel und bunte Bänder schmücken bis heute mancherorts die Sommertagsstecken, die bei einem Sommertagszug mitgetragen werden. Der Kampf zwischen Sommer und Winter, wie ihn Sebastian Franck im 16. Jahrhundert beschreibt, geht zugunsten des Sommers aus. Die „Sommertagsfeier“ und ihre Inszenierung ist eben eine sehr lebhafte Darstellung dessen, was sich an der Wende zum Frühling ereignet: Sonne und Wärme siegen über die Dunkelheit und Kälte des Winters.

„Todaustragen“ ist eigentümliche Form des Winteraustreibens

Eine andere Tradition, die dieses Kampfmotiv in sehr ähnlicher Weise aufnimmt, ist das „Todaustragen“. Als herausragender Termin ist hierfür der vierte Fastensonntag bekannt, der auch den lateinischen Namen „Laetare“ trägt. Diesen Namen erhielt der Mittfastensonntag vom Eröffnungsvers der Eucharistiefeier: „Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart“ (Jes 66,10f).

Bild I: Im „Kronprinzenwerk“ von 1883 ist das Todaustragen dargestellt. Das kleine Bild in der linken Ecke zeigt einen geschmückten Stab, wie er bei den Sommertagsfeiern verwendet wurde. Foto: red

In weiten Teilen Frankens war der Mittfastensonntag als eigentliches Frühlingsfest bekannt. Das „Todaustragen“ ist dabei eine eigentümliche Form des Winteraustreibens, von dem ebenfalls schon Sebastian Franck berichtet: „Zu Mittfasten, da man in der Kirche Laetare singt, wird von der Jugend ein Strohgebilde geformt, das den Tod darstellt.“ Es wird an eine Stange gehängt und von einer Ortschaft in die nächste getragen. Mancherorts wird die Strohpuppe anschließend auf einem Scheiterhaufen verbrannt; in den am Main gelegenen Dörfern war auch die Tradition verbreitet, die Strohpuppe im Fluss zu ersäufen.

Die Burgberger pflegen dieses Brauchtum bis heute

Die Burgberger pflegen dieses Brauchtum bis heute: Mit dem Spruch „Trag mer den Tod aus über Euerm Haus“ ziehen sie mit der Strohpuppe durch Lichtenfels, die im Anschluss an den Umzug über dem Leuchsenbach verbrannt wird.

Solche Frühlingsbräuche waren immer auch beliebte „Heischegänge“. Beim Zug von Haus zu Haus wurde von den Bewohnern so manche milde Gabe „eingeheischt“, also gefordert. Dazu wurde zum Beispiel das folgende Sprüchlein aufgesagt: „Glück ins Haus, Eier, Schmalz und Weißmehl raus!“

Die Darstellung vom Sieg des Frühlings über den Winter wurde so auch zu einem gesellschaftlichen Spektakel, bei dem sich vor allem die Dorfjugend bereichern konnte. Weil mancherorts dabei auch so mancher Schindluder getrieben wurde, verbot man solche und ähnliche „Heischegänge“ zunehmend. In den Dörfern und Ortschaften sollte es keine „Bettelei“ geben, an welche die Heischebräuche doch stark erinnerten.

In vielen Orten wurden große Feuer angezündet

Wenngleich der Winter auch in der Fastenzeit schon verbrannt wird, sind Frostnächte und Raureif doch Anfang April immer noch ständige Begleiter. Deshalb wurden rund um Ostern in vielen Orten Frankens große Feuer angezündet, für die man schon lange zuvor Holz zusammengetragen hatte. Besonders die jungen Burschen zogen von Haus zu Haus und sammelten allerhand brennbares ein. Mit einem Sprüchlein bot man um einige Holzreste: „Seids so gut und gebt uns was zum Osterfeuer / is a guter Herr im Haus, / langt an alten Besen raus, / oder an alten Büschel! / Osterbüschel! Neua nehma mir a!“ Solche Osterfeuer, die oftmals von Bergeshöhen herableuchteten, sollten Fruchtbarkeit und Segen verheißen. Je mächtiger das Feuer brannte, desto besser werden die Fluren vor Unwetter und Hagel geschützt und das Wachstum gefördert.

Das Frühlingsbrauchtum, das sich vielerorts in Oberfranken noch erhalten hat, will vor allem eines deutlich machen: Der Winter ist vorbei, der Frühling hat gesiegt. Nach der dunklen Jahreszeit kommen wieder bessere, fruchtbarere Tage. Das Verbrennen des „Winters“ hat dies den Menschen damals sehr augenfällig gezeigt.

 

Von Fabian Brand

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