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LICHTENFELS

Friedensgebet in Lichtenfels ein Beitrag gegen das Vergessen

Das Team des Friedensgebet: (v. li.) Jugendseelsorger Pfarrer Georg Birkel, Gemeindereferentin Claudia Russ, Martina Wegener, der Jugendbildungsreferent der evangelischen Jugend, Reiner Babucke, sowie vom BDKJ Daniel Traxler und Corinna Schnapp. Foto: Jutta Laube

Die evangelische Dekanatsjugend, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Fachstelle für katholische Kinder- und Jugendarbeit veranstalteten wieder das alljährliche Friedensgebet in Lichtenfels am Marktplatz.

Daniel Traxler und Corinna Schnapp von der katholischen Jugend eröffneten das Friedensgebet mit einem Anspiel. Die beiden stellten sich die Frage, warum sie eigentlich gerade heute hier sein sollen und was eigentlich das schwierige Wort Reichspogromnacht bedeutet.

An die Schreckenstaten der Nazis am 9. November erinnert

Bildungsreferentin Jutta Laube konnte ihnen erklären, dass das Wort Pogrom aus dem russischen kommt und Zerstörung bedeutet. Und dass in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 Truppen unter Anweisung von Adolf Hitler mehrere hundert Synagogen in Brand gesetzt haben, mindestens 8000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet wurden. Mehr als 1500 Menschen wurden in dieser Nacht ermordet. Es war der Beginn des Massenmordes an Juden in späteren Konzentrationslagern.

Dekanatsjugendseelsorger Pfarrer Georg Birkel erklärte den Jugendlichen, dass man deswegen hier mit Kerzen stünde, um an diese Ereignisse zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten und nie wieder passieren. Was es mit den goldenen Steinen im Gehweg vieler Städte auf sich hat, erklärte Gemeindereferentin Claudia Ruß. Diese erinnern an jüdische Mitbürgerinnen und -bürger, die dort gewohnt haben und welches Schicksal sie ereilte.

Jugendbildungsreferent Reiner Babucke blickte auf die die Ereignisse zurück, die in jener Nacht in Lichtenfels stattgefunden hatten.

Fragen, die sich jeder und jede stellen sollten

Letztlich stellten Daniel Traxler und Corinna Schnapp an die Anwesenden, wie sich jeder und jede einzelne verhalten würde: • Wenn jemand gemobbt wird: Schaue ich hin oder nicht? • Wenn Wahl ist: Gehe ich hin oder nicht? • Wenn jemand einen hässlichen Witz über andere Gruppierungen reißt: Sage ich etwas oder nicht? • Wenn jemand Sachen von anderen kaputt macht: Stelle ich mich entgegen oder nicht? • Wenn jemand verprügelt wird: Helfe ich oder nicht? • Wenn jemand die Wahrheit verdreht: Widerspreche ich oder nicht? • Wenn jemand in Schubladen gepackt wird, weil er anders ist: Nehme ich die Person an oder nicht?

Die Quintessenz daraus sei: Zivilcourage und Einsatz für gelebte Demokratie fängt bei jeder und jedem einzelnen im Kleinen an. Und daran müsse man hin und wieder erinnert werden.

Jede und jeder habe die Möglichkeit, einen Beitrag wider des Vergessens zu leisten und zu zeigen, dass jeder einzelne einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft leisten und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung setzen könne.

Von Jutta Laube

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