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LICHTENFELS

Flächenverbrauch im Landkreis angemahnt

Die Bienen-Ragwurz gehört zur Familie der Orchideen. Sie kann vereinzelt auch in einem naturnahen Hausgarten auf einem mageren Standort vorkommen. Foto: Jan Ebert

„Der Bund Naturschutz wird weiterhin alles tun, um den Erhalt der Biodiversität, also der Vielfalt von Pflanzen, Tieren, Lebensräumen und der Lebensqualität von uns Menschen, zu sichern. Das ist ein Ausdruck des Gesundheitszustandes unseres Planeten Erde. Einen winzigen, aber nicht unwichtigen Teil tragen auch wir hier, in unserer Heimat am Obermain, dazu bei – mit unserer Grundeinstellung, mit unserem Denken und Handeln.“ Mit diesem Credo leitete BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt seinen Bericht zu der gut besuchten Jahresversammlung ein und versuchte, den Mitgliedern Mut zu machen, um sich weiter aktiv für die Belange des Natur- und Umweltschutzes zu engagieren.

Dieses Jahr wird der berühmte Bericht „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome 50 Jahre alt. Reinhardt nahm darauf Bezug und mahnte: „Stetiges Wirtschaftswachstum stößt wegen der dafür nötigen Ressourcen früher oder später an die Grenzen unseres Planeten. Zwar können wir noch eine ganze Weile Rohstoffe fördern, um die Wirtschaft auf Biegen und Brechen wachsen zu lassen. Doch damit wird auch die Klimakrise und das Artensterben weiter angeheizt. Corona und Ukraine-Krieg haben zudem deutlich gezeigt, wie zerbrechlich schon jetzt die Lieferketten vieler Rohstoffe sind.“

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt bedankte sich bei dem Referenten Michael Bäumler (li.) für seine detaillierten Informationen zur Artenvielfalt in sechs ausgewählten Hausgärten unserer Heimat mit einem kleinen Präsent. Foto: Jan Ebert

Reinhardt stellte die Bedeutung des Bodens besonders heraus: „Natürliche Böden sind nicht nur für Pflanzen und Tiere die Lebensgrundlage, sondern für uns Menschen selbst. Mutter Erde sorgt für unsere Ernährung und sauberes Trinkwasser.“ Dazu passe überhaupt nicht, dass allein in Bayern pro Tag über elf Hektar Boden, also etwa 15 Fußballfelder für Straßen, Gewerbe- und Siedlungsgebiete überbaut würden. Diesen hohen Flächenverbrauch werde der BN weiter anprangern.

Innenentwicklung der Gemeinden im Auge behalten

Als Beispiele nannte der Vorsitzende die Ausweisung weiterer Siedlungsgebiete im Außenbereich der Dörfer und Städte des Landkreises und forderte mehr Sparsamkeit: „Wir sollten bei der Schaffung neuen Wohnraums eine attraktive Innenentwicklung unserer Gemeinden im Auge behalten, Leerstände alter Gebäude beseitigen und Baulücken nutzen. Verdichtetes Bauen sollte Vorrang vor dem Erschließen neuer Areale haben.“

Dass die Ressource Boden weiterhin die Grundlage für eine gesunde, vielfältige Ernährung bleiben kann, obliege weitgehend der verantwortungsbewussten Wirtschaftsweise der Landwirte. Reinhardt hob hervor: „Die Leistungen der Bauern, die sie für eine intakte Umwelt und die Erhaltung unserer Kulturlandschaft erbringen, müssten stärker belohnt werden und sich in einem fairen Preis für landwirtschaftliche Produkte widerspiegeln.“

Reinhardt fordert radikales Umdenken

Ein weiteres Problem des „zügellosen Wachstums“ sei die Massenproduktion „kurzlebiger, qualitativ schlechter Produkte“. Der BN-Kreisvorsitzende meinte: „Hier ist ein radikales Umdenken nötig. Es gibt bereits gute Ansätze, wie reparaturfreundliche, langlebige Haushaltsgeräte, moderne Wertstoffhöfe mit sehr hohem echten Recycling-Anteil oder Reparaturwerkstätten, wo die Fehlersuche und der Ersatzteilaustausch im Vordergrund stehen.“

Reinhardt informierte, dass Bauen und Wohnen zu den ressourcen-, energie- und abfallintensivsten Bereichen der Wirtschaft zählten: „In Deutschland landen 90 Prozent aller mineralischen Rohstoffe, wie Metalle, Steine und Erden, in der Bauindustrie. Über ein Drittel des Energieverbrauchs entfällt auf den Gebäudesektor, der damit auch ein Drittel des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes verursacht. Und weil das beim Abriss von Gebäuden anfallende Material nur schlecht oder gar nicht verwertet wird, entsteht auch im Baugewerbe mehr als die Hälfte des deutschen Abfalls. Wir haben deshalb in unseren schriftlichen Stellungnahmen als Träger Öffentlicher Belange die Gesteinsabbau-Vorhaben in Kümmersreuth und die jüngsten Kiesausbeute-Vorhaben zwischen Niederau und Wiesen in den beabsichtigten Dimensionen abgelehnt und mehr Baustoffrecycling angemahnt.“

365-Euro-Jahresticket wäre Alternative zum Individualverkehr

Der BN-Kreisvorsitzende forderte, den öffentlichen Personennah- und Fernverkehr zu verbessern und meinte: „Statt des mit guter Absicht eingeführten 9-Euro-Tickets hätte man das 365-Euro-Jahresticket im gesamten öffentlichen Verkehr anpeilen sollen, das im ganzen Bundesgebiet eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr mit dem Auto und dem Flugzeug darstellt, weil es für einen großen Bevölkerungskreis erschwinglich und auch im ländlichen Raum eine klimafreundliche Maßnahme wäre.“

Die Scheck-Tageule ist ein tagaktiver Nachtfalter und besiedelt manchmal auch „wilde Ecken“ in einem Hausgarten, wo Natur auch mal Natur sein darf. Foto: Jan Ebert

Reinhardt warb auch für generelle auf den Straßentyp abgestufte Geschwindigkeitsbegrenzungen und für einen „praxistauglichen Radverkehr“, da 50 Prozent aller Autofahrten unter fünf Kilometer lägen. Diese klimafreundlichen Maßnahmen könnte man sofort umsetzen. Sie seien außerdem sehr kostengünstig. Speziell zur Verbesserung des Radverkehrs in Bayern könne man sich in die Unterschriftslisten des aktuellen Volksbegehrens eintragen, zum Beispiel im BN-Umweltbüro.

Erfreulich sei, dass der Bund Naturschutz in der Verfolgung seiner Ziele den Mitgliederstand in der Kreisgruppe auf etwa 1000 Mitglieder stabilisieren konnte. Im Kassenbericht brachte Schatzmeisterin Elfriede Fischer zum Ausdruck, dass der BN sich ausschließlich aus Mitglieds- und Förderbeiträgen finanziere. Damit sei die Unabhängigkeit von Parteien und Sponsorfirmen gewährleistet. Der Dank galt den Helfern bei der Haus- und Straßensammlung sowie den Spendern für den Grundstückserwerb. Elfriede Fischer wurde durch Kassenprüfer Josef Merklein eine tadellose Buchführung bescheinigt.

Vortrag über Gärten mit verbesserter Biodiversität

Michael Bäumler veranschaulichte in seinem reich bebilderten Referat mit dem Titel „Gärten für die Artenvielfalt“ sechs Hausgärten der näheren Region, in denen von privater Seite besonders viel für die Verbesserung der Biodiversität realisiert wurde. Die zahlreichen Informationen und Anregungen des versierten Artenkenners zu Besonderheiten unserer Flora und Fauna stießen bei den Zuhörern auf großes Interesse und wurden mit anhaltendem Applaus belohnt.

 

Von Anton Reinhardt

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