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LICHTENFELS

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt
Bei der abschließenden Kundgebung auf dem Markplatz gab es für die Redner viel Applaus und immer wieder ertönten Sprechchöre „Warum machen wir das? Für ein gutes Klima – prima Klima!“ Foto: red

Von Konstanz bis Kiel, von Dresden bis Düsseldorf: Mehr als 600 000 Menschen gingen am vergangenen Freitag deutschlandweit auf die Straßen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Im Rahmen des globalen Klimastreiks, zu dem die Organisation Fridays for Future aufgerufen hatte, setzten Schülerinnen und Schüler sowie Studierende gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern an über 470 Orten im ganzen Land ein deutliches Zeichen für mehr Klimagerechtigkeit – auch in der Korbstadt.

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt
Diana Biskupski vom Klimaentscheid Lichtenfels betonte als hauptverantwortliche Organisatorin der Raddemo, dass es nicht um eine autofreie Innenstadt, sondern um Gleichberichtigung für Fahrradfahrer im Straßenverkehr gehe.

Und so schien für wenige Momente die Zeit im Zentrum von Lichtenfels stillzustehen. Die üblicherweise vom motorisierten Verkehr dominierte Kleinstadt hatte sich am Freitag zur Fahrradstadt gewandelt, wenn auch nur für einen Nachmittag.

Die Beteiligung an der ersten Fahrraddemo in der Region war so groß, dass auf der Kronacher Straße in der Mainau und auf der Coburger Straße teilweise nichts mehr voranging, zumindest für die Autofahrer. Denn es hatten sich mehr als 130 Radfahrerinnen und Radfahrer aller Altersgruppen zusammengefunden, um gemeinsam die Straßen zu erobern und deutlich zu machen, wie wichtig den Menschen am Obermain eine sichere Radinfrastruktur und klimafreundliche Verkehrspolitik ist.

Lichtenfels als 15-Minuten-Stadt

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt
„Klimaschutz jetzt!“ BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhradt fand deutliche Worte und appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger sich für eine ökologische und sozial gerechte Zukunft einzusetzen. Foto: Marion Nikol

Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Marktplatz zeigten sich die Organisatoren der Fahrraddemo überwältigt von der hohen Beteiligung, die mehr als doppelt so hoch war wie erwartet. „Wir freuen uns unglaublich, dass so viele von euch heute gekommen sind“, begrüßte Diana Biskupski von der Initiative Klimaentscheid Lichtenfels die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir alle stehen heute hier, weil wir gemeinsam etwas bewegen wollen. Und wir sind mit dem Fahrrad gekommen, weil eine Verkehrswende nur mit einer guten Radinfrastruktur möglich ist.“

„Wir möchten sichere Radwege für uns und unsere Kinder. “
Diana Biskupski, Initiative Klimaentscheid Lichtenfels

Lichtenfels habe das, wovon andere, meist große Städte nur träumen: Innerhalb von 15 Minuten könne man mit dem Fahrrad alle Bedürfnisse des täglichen Lebens erreichen. Doch Fahrradfahren sei an vielen Stellen schlicht und einfach zu gefährlich. „Wer zum Beispiel um 7.30 Uhr die Kronacher Straße entlang radelt oder in der Bahnunterführung mit 20 Zentimeter Abstand von mehreren Autos überholt wird, weiß wovon wir sprechen“, so Diana Biskupski weiter.

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt
Mit kreativen Sprüchen machten die Besucher der Demo auf das Thema Klimawandel aufmerksam.

Sie betonte außerdem, dass man keine autofreie Stadt fordere, sondern Gleichberechtigung im Verkehr. „Wir möchten sichere Radwege für uns und unsere Kinder. Wir stehen hinter dem Mobilitätskonzept, das im Rahmen der Vision 2030 erarbeitet wurde, aber wir fordern eine andere Zeitschiene: Es muss jetzt beginnen und früher fertig gestellt sein!“

Umstieg vom Auto aufs Rad begünstigen

Zum zügigen Handeln forderte auch Anton Reinhardt als Vorsitzender der Lichtenfelser Kreisgruppe des Bund Naturschutz auf: „Wir alle sind aufgerufen, etwas für den Klimaschutz zu tun. Seit Jahrzehnten engagiert sich der Bund Naturschutz für eine ökologische Verkehrswende.

Straßen haben wir bereits mehr als genug in unserem Landkreis – die Straßendichte ist 18 Prozent über dem Landesdurchschnitt.“

Fahrraddemo in Lichtenfels: Gemeinsam etwas bewegt
Freitag, 24. September um 14.10 Uhr: Mehr als hundert Teilnehmer fanden sich zur ersten Fahrraddemo in Lichtenfels zusammen und legten einen ersten Stopp vor dem Landratsamt Lichtenfels ein, um auch an den Kreis ein Signal zu senden, wie bedeutsam das Thema Radinfrastruktur für viele Menschen ist. Foto: Marion Nikol

Zudem könne man täglich beobachten, dass häufig nur eine Person mit einem Auto unterwegs sei. Mehr als eine Tonne Blech stehe infolgedessen nutzlos herum und benötige viel Platz. Darüber hinaus läge die Hälfte aller Fahrten unter fünf Kilometer – genau in diesem Bereich sei das Fahrrad eine sehr gute umweltfreundliche Alternative. „Hier sind die Städte und Gemeinden gefordert, einen Radverkehr zu ermöglichen, der den Umstieg vom Auto aufs Rad begünstigt“, verkündete Anton Reinhardt abschließend. Johannes Söllner, der als Mitstreiter der Initiative Klimaentscheid Lichtenfels das dazugehörige Bürgerbegehren vorstellte, betonte ebenfalls, wie wichtig es sei, jetzt endlich aktiv zu werden.

Und dass genau dies ja aktuell auch ermöglicht werde: „Unsere Initiative setzt sich dafür ein, dass Lichtenfels bis zum Jahr 2030 klimaneutral wird und genau dafür könnt ihr heute hier unterschreiben.

Bislang haben wir gut ein Drittel der benötigten Unterschriften und setzen das Bürgerbegehren natürlich weiterhin fort. Also denkt bitte daran: Jede Stimme zählt!“

 

Von Marion Nikol

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