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LICHTENEFLS / UNNERSDORF

Existenzgründer im Landkreis Lichtenfels im "Lockdown light"

Markus Lippert von der gleichnamigen Braumanufaktur. Foto: Timo Allin

Gastronomiebetriebe sind infolge des „Lockdowns light“ nun zum zweiten Mal in diesem Jahr für Wochen geschlossen. Ein harter Schlag für alle Hotel- und Gaststätteninhaber, besonders jedoch für die, die erst 2020 eröffnet haben. Markus Lippert von der gleichnamigen Braumanufaktur, die drei Brüder von den „3 Fratelli“ in Lichtenfels sowie die Geschwister Laura und Niklas Baumer vom Gasthof „Zum Anker“ in Unnersdorf schildern, wie sie mit dieser schwierigen Situation umgehen.

Die Geschwister Laura und Niklas Baumer vom Familienbetrieb Gasthof „Zum Anker“ in Unnersdorf. Foto: Alicia Vetter

Markus Lippert betreibt seit dem Vatertag Mitte Mai eine Kleinbrauerei mit integrierter Schwemme in der Bamberger Straße in Lichtenfels. Zum selbst gebrauten Gerstensaft kredenzt er hier im Normalbetrieb fränkische Brotzeiten und im kleinen Rahmen ab und zu auch warme Speisen. Dabei sitzen die Gäste mitten in der Braumanufaktur zwischen Sudkesseln und Gärtanks. Bei der Bewirtung unterstützt wird Lippert von wenigen Angestellten, seinen Eltern und seiner Frau.

„Ich befürchte, die Uneinsichtigen werden in den privaten Raum verscheucht.“
Markus Lippert, Braumanufaktur Lippert, Lichtenfels

Die Brauerei hat auch während des Lockdowns jeden Tag geöffnet: Flaschen- und Fassbier kann abgeholt werden. Aber für November erwartet er sich so gerade einmal zehn bis 15 Prozent des Umsatzes vom Vormonat. Schultern könne er diese Einbußen durch massive Einsparungen.

Als Bürger könne er die Entscheidung der Regierung absolut nachvollziehen. Doch merkt er kritisch an: „Ich befürchte, die Uneinsichtigen werden in den privaten Raum verscheucht.“

Lipperts Meinung nach sind die Leidtragenden des Lockdowns in erster Linie die Minijobber, da die festangestellten Kräfte immerhin Kurzarbeitergeld bekommen. Auch er hat finanzielle Unterstützung beantragt und hofft, sie schnell zu bekommen. Existenzangst habe er bislang noch nicht, sagt Markus Lippert, der halbtags als Softwareentwickler arbeitet: „Ich denke, da gibt es Kollegen, die sind sicherlich schlechter dran.“

Etwa Geschäftsführer Alessandro Diana und seine Brüder vom italienischen Restaurant „3 Fratelli“ (zu Deutsch: drei Brüder) in Lichtenfels am Marktplatz. Die Eröffnung war just am ersten Montag im Lockdown geplant: „Die Nachricht war ein großer Schock für uns. Diesen Moment kann man, glaube ich, nicht in Worten beschreiben“, erinnert sich Diana. Letztlich entschieden sich die drei Brüder, ab 15. April zumindest einen Abholservice anzubieten.

„In dieser Zeit ist es das Wichtigste, dass die Familie zusammenhält.“
Alessandro Diana, „3 Fratelli“, Lichtenfels

„In dieser Zeit ist es das Wichtigste, dass die Familie zusammenhält, da wir einen Familienbetrieb führen“, findet der Geschäftsführer. Auch wenn die Brüder versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, die Existenzangst macht ihnen zu schaffen. Das Restaurant ist ihr einziges Standbein. „Wir arbeiten alle dafür und leben alle davon. Dementsprechend wäre es gelogen, zu sagen, dass wir mit der Entscheidung der Regierung zufrieden sind“, gesteht Alessandro Diana. Der Geschäftsführer verweist darauf, dass die „3 Fratelli“ viel Geld und Zeit investiert haben, um ihre Gäste zu schützen.

Die drei Brüder von den „3 Fratelli“ in Lichtenfels. Foto: Alicia Vetter

„Daher hatten wir auch keinen einzigen Corona-Fall“, sagt er. Die Gäste hätten die Regelungen auch alle sehr ernst genommen und sich daran gehalten. Als der zweite Lockdown beschlossen war, habe das Telefon nicht mehr still gestanden: „Unsere Kundschaft wollte das Wochenende noch mal genießen, viele Leute, die einen Tisch reservierten, sagten am Telefon, dass sie noch mal in Ruhe etwas essen gehen möchten, bevor sie wieder zu Hause sitzen müssen!“

Auch wenn die Brüder täglich bis auf Dienstag von 17 bis 21 Uhr einen Abholservice anbieten, seien die Umsatzeinbußen erheblich. Wie sie sie schultern können, wissen sie noch nicht.

Hart trifft der Lockdown auch die Geschwister Laura und Niklas Bauer, die seit 16. August den Traditionsgasthof „Zum Anker“ in Unnersdorf in sechster Generation führen: „Wir haben Angst davor, dass es nach dem November nicht vorbei ist. Wir haben für die Renovierung viel Geld aufgenommen. Wir stehen gerade am Anfang, uns eine Existenz aufzubauen, haben noch keine Ersparnisse, die wir hernehmen könnten, sollte die Schließung länger anhalten.“ Sie rechnen mit Umsatzeinbußen von 80 Prozent.

„Wir haben Angst davor, dass es nach dem November nicht vorbei ist.“
Laura und Niklas Bauer, „Zum Anker“, Unnersdorf

„Unser Glück war, dass der Sommer es zugelassen hat, die Gäste im Biergarten zu bewirten. Dort hatten wir das Gefühl, dass sich die Gäste ,sicherer‘ fühlten“, so die Geschwister. Sie stellen fest, dass viele seit Beginn des Herbstes wieder vorsichtiger geworden sind. Es sei schon vorgekommen, dass Gäste reservierte Tische kurzfristig aus Angst wieder abgesagt hätten.

Verärgert sind sie schon, dass die Gastronomen nun wieder die „Leidtragenden“ sind: „Es ist doch auch ersichtlich, dass die wenigsten Ansteckungen in der Gastronomie geschehen, sondern auf privaten Feiern. Und jetzt wird genau dieser ,kontrollierbare‘ Bereich erneut geschlossen? Das ist für uns nicht nachvollziehbar!“ Sie hätten eine Regelung, dass nur noch ein Haushalt pro Tisch erlaubt wird, für akzeptabler gehalten.

Die Jungunternehmer haben ihre festangestellten Kräfte in Kurzarbeit geschickt. Von Mittwoch bis Sonntag bieten sie einen Abhol- sowie Lieferservice an: „Wir müssen schauen, ob es sich rechnet und ob man sich längere Zeit so über Wasser halten kann.“

 

Von Alicia Vetter

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