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LICHTENFELS

Droht dem Lichtenfelser Klinikaltbau die Abrissbirne?

Seit Juli 2018 befindet sich das ehemalige Helmuth-G.-Walther-Klinikum im sprichwörtlichen Dornröschenschlaf. Foto: Stefan Lommatzsch

Vor zwölf Jahren wurde die Entscheidung getroffen, in Lichtenfels ein neues Klinikum zu bauen, da es sich nicht mehr lohne, den Altbau zu sanieren. Nach sechs Jahren Bauzeit wurde das neue Green-Hospital im Juli 2018 in Betrieb genommen. Seitdem steht der Klinikaltbau mit seinen 21 800 Quadratmetern Nutzfläche und 111 000 Kubikmetern Volumen leer.

Aktuell ist das Gebäude vom Landkreis für einen symbolischen Euro an den Regiomed-Klinikverbund vermietet. Eine Nutzung durch den Klinikverbund findet nicht statt, der Landkreis betreibt im ehemaligen Eingangsbereich ein Corona-Testzentrum.

Ideen von der Großküche bis zu Luxusapartments

Seit dem Entschluss, ein neues Klinikum in Lichtenfels zu bauen, gab es viele Ideen zu einer möglichen Nachnutzung des 1973 errichteten ehemaligen Helmuth-G.-Walther-Klinikums. Eine Fachakademie für Gesundheitsberufe, Jugendherberge, Pflegeeinrichtung oder exklusive Wohneinheiten sind nur einige davon, die im Kreistag vorgebracht wurden. Landrat Christian Meißner brachte in ersten Diskussionen neben einem Ärztehaus auch den bemerkenswerten Vorschlag ins Spiel, von der dann auszubauenden „alten“ Klinikküche aus den ganzen Regiomed-Klinikverbund zu versorgen.

Die Abbruchkosten des Altbaus wurden hingegen im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2009 bereits damals mit 3,5 Millionen Euro ermittelt, dürften heute also deutlich höher liegen.

Besonders an der Nord-Ost-Seite nagt der Zahn der Zeit. Foto: Stefan Lommatzsch

Weiteres Luftschloss der ehemaligen Regiomed-Geschäftsführung

Regiomed plante im Jahr 2017 nach Aussagen des damaligen Hauptgeschäftsführers Joachim Bovelet – gegen ihn läuft aktuell ein Verfahren wegen Vergabeentscheidungen –, „weit über zehn Millionen Euro“ für die Modernisierung des neunstöckigen Gebäudes zu investieren. Dort sollten nach der Eröffnung des benachbarten Green Hospitals kliniknahe und gewerbliche Einrichtungen untergebracht werden. Rund um das Klinik-Areal sollten zudem Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen.

Wer investieren will, muss erst entkernen

Auf Drängen unter anderen der SPD/SB-Fraktion verabschiedete der Kreistag dann im Juni 2019, nach emotionaler Rede des Landrats für einen fraktionsübergreifenden Beschluss, ein Ausschreibungsverfahren für den Altbau, bei dem potenzielle Investoren aufgerufen waren, ihre Konzepte für eine Nachnutzung des Gebäudes im „medizinnahen Bereich“ einzureichen. Landrat Christian Meißner sagte, dass im Falle einer wie auch immer gearteten Weiternutzung das Gebäude wohl bis auf das Stahlbetonskelett entkernt werden muss. Er nannte Umbau- beziehungsweise Renovierungskosten von 30 bis 50 Millionen Euro.

Einblick in vergangene Zeiten: In der ehemaligen Küche steht noch das Geschirr auf den Tischen. Foto: Stefan Lommatzsch

Laut Auskunft des Landratsamts gab es dann in diesem Jahr nach Abstimmung mit der Stadt Lichtenfels – sie ist der Grundstückseigentümer – ein EU-weites Ausschreibungsverfahren zur Veräußerung und Nachnutzung. Es habe zwar Interessenten gegeben, diese entsprachen jedoch nicht den Vorgaben der Ausschreibung, so dass diese aufgehoben werden musste.

Ein Funken Hoffnung bleibt

Derzeit würden aber weitere Gespräche mit Interessenten laufen, „um die Immobilie beziehungsweise das Grundstück einer (Nach)-Nutzung im Sinne des Kreistagsbeschlusses zuzuführen. Sollten diese zu keinem Ergebnis führen, müssen selbstverständlich weitere Alternativen geprüft werden. Dies umfasst dann auch einen möglichen Abriss“.

An diesem Tisch hat schon lange niemand mehr Platz genommen. Die Natur erobert sich den Altbau Stück für Stück zurück. Foto: Stefan Lommatzsch

Also erst, „wenn der Abriss als einzige praktikable Lösung verbleibt“, so heißt es weiter aus dem Landratsamt, „wird dieser selbstverständlich fachgerecht geplant und durchgeführt. Zahlen muss diesen der Eigentümer der Immobilie, also der Landkreis. Dies muss wie alle anderen Ausgaben des Landkreises auch im Kreishaushalt veranschlagt und hierüber abgewickelt werden. Der Landkreis wäre hier, wie bei allen anderen Projekten auch, bemüht, mögliche Förderungen zu eruieren und auszunutzen. Hierzu kann derzeit verständlicherweise aufgrund des Verfahrensstandes aber keine weitere Aussage getroffen werden.“

Fest steht damit auch: Falls das Gebäude abgerissen werden muss und dafür nicht hohe Fördergelder fließen, wird dieser Posten den ohnehin angeschlagenen Kreisfinanzen einen weiteren ordentlichen Dämpfer verpassen.

Dass auch der Landrat die Hoffnung auf eine Nachnutzung des Gebäudes ad acta gelegt hat und der Rettungsanker nun Fördergelder für einen Abriss sein sollen, legt auch seine Äußerung gegenüber dem IHK-Gremium Mitte November nahe. Dort sagte er: „Ziel ist es nun, dass Areal als städtebauliches Sanierungsgebiet auszuweisen.“ Dass es diesbezügliche Gespräche des Landrats mit dem Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich gibt, wird aktuell zumindest seitens des Landratsamts bestätigt. Im Kreistag soll der Klinikaltbau erst im nächsten Jahr wieder ein Thema sein.

Ein Standpunkt zum Thema ist hier zu lesen.

Noch läuft die Suche nach einem Investor für das Gebäude. Sonst droht der Abriss. Foto: Stefan Lommatzsch

Von Stefan Lommatzsch

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