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LICHTENFELS

Drama vor Amtsgericht Lichtenfels: Morddrohungen gegen Familie

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Es kommt nicht alle Tage vor, dass man mit dem Tod bedroht wird. Einer Familie aus Redwitz ist das passiert. Es war der Familienvater selbst, der nach Überzeugung des Gerichts so weit ging. Am Dienstag fiel im Amtsgericht das Urteil wegen Bedrohung in einem teilweise aufwühlenden Prozess.

Mitunter war es der Übersetzerin selbst unangenehm, all das mitzuteilen, was der 45-jährige Syrer neben ihr vom Stapel ließ. Der Mann, der nun im Kronacher Landkreis wohnt, wurde beschuldigt, am 24. Mai 2020 in der damals noch gemeinsam mit Frau und vier Kindern im östlichen Landkreis bewohnten Wohnung kurz nach Mitternacht eine Drohung ausgesprochen zu haben, die ernst genommen wurde.

Der Mann selbst beteuerte gegenüber Staatsanwältin Jana Müller und Richterin Daniela Jensch mehrfach, dass alles nur eine Finte seiner Frau sei. Sie hätte es ihm nicht nachgesehen, dass er im Ramadan das Fasten vernachlässigte, um mehr Geld zu verdienen. Auf diese Weise sei der Streit zwischen den Eheleuten eskaliert. So sehr, dass sogar die Polizei kam.

Angeklagter: Beamte hatten sich „in der Tür geirrt“

Dass die Beamten seinetwegen kamen, wies der Mann von sich. Vielmehr sei es so gewesen, dass sie sich „in der Tür geirrt“ hätten. So seien die Beamten wohl wieder gegangen, nur um bald darauf zurückzukommen und ihm Handschellen anzulegen.

In der Zwischenzeit, das stellte sich während der Verhandlung heraus, stieß die Polizei wohl auf die Kinder des Angeklagten, die Dinge erzählten, die den Zugriff dann doch notwendig erscheinen ließen.

„Das ist in unserer

Kultur völlig normal.“

Angeklagter zur

gegenseitigen Beschimpfung

Zu seiner Entlastung suchte der im Landkreis berufstätig gewordene Mann auch vorzubringen, dass Ehestreitigkeiten in gegenseitiger Beschimpfung ablaufe: „Das ist in unserer Kultur völlig normal.“

Auf die konkrete Nachfrage von Jensch, ob er seiner Frau auch gesagt habe, er würde sie umbringen, ließ sich der Befragte vehement ein. „Ich bin nicht aus Syrien gekommen, um hier meine Familie umzubringen.“

Bis dato mochte sich die Waagschale der Glaubwürdigkeit in keine Richtung hin gesenkt haben. Doch dann brachte der Mann immer wieder auch die kulturellen Unterschiede zwischen dem deutschen Verständnis von Recht und der Gepflogenheit seines Heimatlandes, wonach der Mann tonangebend sei, ins Spiel. Mehr noch: „Seit meine Frau einen Sprachkurs macht, haben die Probleme mit ihr angefangen.“ Darüber hinaus hielt er während der Verhandlung wiederholt fest, dass seine Frau und Kinder Freiheit wollen, dies aber „passt nicht zu meiner Mentalität“. Ob aus diesen Worten eine Überforderung beim Ankommen in der hiesigen Gesellschaft oder schlichtweg Abschottung zu ihr sprach, blieb ungeklärt.

Freiheiten für Frau und Kinder in seinem Kulturkreis nicht üblich

Auch seinen Töchtern mochte er nicht nachsehen, dass diese offenbar eigene Wege gehen. Dass eine Tochter einen Freund habe und der im gleichen Haus verkehre, bezeichnete der Mann als unerträglich. Und überdies bemerkte er zu seiner Tochter, dass sie einem Drogenhändler verfallen sei.

Doch während eine geladene Tochter von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, sagte die mit gleichem Recht versehene Ehefrau gegen ihren Mann aus. Sie tat es leise und „ohne Belastungseifer“, wie Jana Müller später bemerken sollte.

Ehefrau lebt in einer geschützten Einrichtung

Die Frau, die heute aus Angst vor ihrem Mann in einer geschützten Einrichtung lebt, führte aus, wie der 45-Jährige immer wieder die Familie zusammengerufen habe, um ihr gegenüber auszuführen, dass „hier alles läuft, wie ich es sage und ihr müsst akzeptieren“.

Ihrer Bitte um Scheidung habe er nicht nachkommen wollen. Vielmehr habe ihr Mann ihr gedroht, sie umzubringen beziehungsweise ihr empfohlen, sie möge wieder nach Syrien zurückkehren. „Haben Sie die Bedrohung ernst genommen und haben Sie Angst gehabt?“, suchte Jensch zu ergründen. „Natürlich, jeder normale Mensch würde davor Angst haben“, gab die 41-jährige Ehefrau wider. Auffällig während all des Geschehens war, dass sich die Eheleute keines Blickes würdigten.

Staatsanwältin Jana Müller sah den Anklagevorwurf letztlich als „vollumfänglich bestätigt“ an und bezeichnete die Bedrohung als „gravierendes Verbrechen“. Seiner Familie habe er Angst bereitet, und doch habe seine Frau keinen „Belastungseifer“ gezeigt. Müller plädierte auf eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro.

Geldstrafe von 1500 Euro für „gravierendes Verbrechen“

Darauf sollte ein Moment der Irritation folgen, denn der Angeklagte erwähnte, dass er arbeitslos sei. Wie er das genau meinte, sollte sich wenig später klären. Er meinte, er sei ab sofort nicht mehr bereit zu arbeitent. Und wenn man Geld von ihm wolle, so solle man ihn besser „ins Gefängnis stecken“.

Richterin Jensch ging auf diese Bemerkung nicht ein. Sie verkündete das Urteil und verhängte wegen Bedrohung und Beleidigung eben das von Müller geforderte Strafmaß. Mit den Worten „Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht damit zurechtkommen, dass Ihre Frau nicht tut, was Sie sagen“, schloss sie die Sitzung.

Von Markus Häggberg

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