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Die Wetterregeln im September

Die Wetterregeln im September
Kartoffelernte in den 1970 iger Jahre - mit Kartoffelroder und Pferdegespann. Foto: Andreas Motschmann

In den Monaten mit „r“ im Namen – September bis April – muss meistens eingeschürt werden, so eine Beobachtung unserer Altvorderen. Wir aber denken nach der Hitze und den warmen Abendtemperaturen der letzten Monate gar nicht daran, dass bald die Nächte kalt werden können. Um die Prognosen des Hundertjährigen Kalenders für den September geht es im Folgenden.

Nach dem Hundertjährigen Kalender erwarten uns im September einige schöne Spätsommertage, ideal für angenehme Ausflüge vor dem Herbst. Ein Tipp für die ganze Familie: der Maingezwitscher-Pfad bei Unterbrunn. Ebenso wird es kühle, trübe und feuchte Tage geben. Die ersten sechs Septembertage sollen schön werden. Dazu der folgende Lostagspruch am 1. September: „Gib auf Ägidi-Tag wohl acht, der sagt dir, was der Monat macht.“

Vom 7. bis zum 12. September bekommen wir einen Vorgeschmack auf den Herbst; kühle Morgen mit Rauhreif prophezeit der Kalender von Abt Knauer. Ob bei so einem kühlen Wetter auch die Schwalben abfliegen? „Um Maria Geburt ziehen die Schwalben furt“ heißt am 8. September einer der bekanntesten Sprüche. Weiter heißt es: „bleiben sie noch da, ist der Winter nicht nah.“ Ein anderer Spruch sagt: „Wird Marien Geburt gesät, ist?s nicht zu früh und nicht zu spät.“

Warme Septembernächte bringen Herrenwein

Die erste Frostnacht wird für den 13. des Monats vorhergesagt. Die Winzer hoffen auf nicht zu kalte Nächte, denn ein Spruch sagt: „Warme Septembernächte bringen Herrenwein, bei kalten wird er sauer sein.“ Danach sind die kalten Tage vorbei. Der 14. September wird ein Regentag, gefolgt von zwei schönen Tagen und einem weiteren Regentag. Vom 18. bis zum 21. September können wir uns nochmals auf schöne Tage einstellen. Vom 22. September bis zum Monatsende müssen wir laut der Prognose von Abt Knauer mit trübem Wetter und Regen rechnen. Der Landwirt freut sich über Regentage. In einer Bauernregel steht: „Septemberregen kommt der Saat gelegen.“ Man kann nur hoffen, dass es länger ordentlich regnet und die Böden richtig durchnässt werden, denn nach den heißen und trockenen Tagen klagt die Land- und Forstwirtschaft über geringe Niederschläge.

Meteorologischer Herbstanfang am 1. September

Am 22. September ist astronomischer Herbstanfang; kaum einer nimmt im hektischen Alltag davon Kenntnis. Ausnahmen sind oft Kindergärten und Grundschulen. Mit Liedern, Gedichten und Bastelarbeiten beschäftigen sich die Kinder mit der Herbstzeit. Bunte Blätter, Kastanien und Eicheln werden gesammelt. Der meteorologische Herbstanfang ist bereits am 1. September. Die Meteorologie verwendet diese Definition, um vier Jahreszeiten von konstanter Länge zu erzeugen und so die statistische Vergleichbarkeit von Wetteraufzeichnungen und Klimadaten über längere Zeiträume zu gewährleisten.

Wetterpatron Sankt Michael am Monatsende

Der 29. September war früher mit dem Wetterpatron Sankt Michael verbunden. Sein Gedenktag geht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Die Bauersleute suchten an diesem Tag vor Sonnenaufgang neunerlei Laub. Es wurde getrocknet und dann gerieben dem Viehfutter beigemengt; es sollte die Kühe vor Krankheiten bewahren. Der Michaelistag gilt im bäuerlichen Kalender als wetterbestimmend und als Lostag. Michael schützt als Wetterpatron vor Blitz und Unwetter. Im Blick auf das Wetter glaubte der Bauer, Michaelis könnte ihm für den Herbst und Winter gute Auskünfte geben, wenn es zum Beispiel heißt: „Wenn Michael der Wind von Nord und Ost weht, ein kalter Winter zu erwarten steht“ oder „Wenn die Vögel vor Sankt Michael nicht gezogen sind, so wird der Winter vor Weihnachten gelind.“ Dieser Tag war Zins- und Pachttag; auch heute noch zahlt der Landwirt seine Jahrespacht um diesen Tag. Das Wirtschaftsjahr wird immer vom 1. Oktober bis zum 30. September berechnet.

Kommt ein typischer Altweibersommer?

Der Hundertjährige Kalender beruht auf Erfahrungen, die Abt Knauer im Kloster Langheim zusammengefasst und als Vorhersage niedergeschrieben hat. Heutige Witterungsprognosen werten Statistiken aus. In 75 Prozent der Jahre haben wir im ersten Drittel des September eine frühherbstliche Schönwetterlage. Im letzten Drittel kommt oft eine allgemeine Schönwetterlage mit Frühnebel, warmen Tagen und kühlen Nächten hinzu, Altweibersommerzeit genannt. Sie ist meistens verbunden mit einer ruhig warmen Schönwetterphase in der Zeit vom 23. September bis zur ersten Oktoberdekade. Gab es im September keine besonderen Auffälligkeiten und ist es gegen Ende des Monats zu warm, wird auch die Folgezeit zu 70% verhältnismäßig warm sein.

Örbfl lesn

Dii grueßn fe di Glüeß,

di glann fe di Säu,

di middlen fen Sooma.

Dou sigsdes widde,

wenme länge läim will,

däffme niä auffalln!

Josef Motschmann

Von Andreas Motschmann

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