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OBERLANGHEIM / VIERZEHNHEILIGEN

Die Straße Oberlangheim-Vierzehnheiligen ist wieder frei

Die Straße Oberlangheim-Vierzehnheiligen ist wieder frei
In zehn Meter Höhe sägt der Baumkletterer den abgestorben Baum ab. Foto: Gerd Klemenz

Das ist eine gute Nachricht für alle Anlieger und alle, die von Oberlangheim nach Vierzehnheiligen oder umgekehrt fahren wollen: Seit Freitagfrüh ist die Gemeindeverbindungsstraße zwischen dem „Fischer-Kreuz“ und Vierzehnheiligen wieder frei befahrbar.

Bereits seit Ende April war die Straße wegen der Gefahr gesperrt, dass Bäume abbrechen und so ganz oder teilweise auf die Straße stürzen könnten. In Absprache mit den Landwirten wurde im Juni für landwirtschaftliche Fahrzeuge eine Umgehung des besonders betroffenen Areals ausgewiesen. So blieb die Bewirtschaftung der angrenzenden Äcker ohne größere Umwege weiter möglich. Für den Durchgangsverkehr, auch für Radfahrer und Fußgänger, blieb die Gemeindeverbindungsstraße aber weiterhin gesperrt und vom Landratsamt Lichtenfels sogar als „lebensgefährlicher“ Straßenabschnitt bezeichnet.

Im Waldgebiet „Spendweg“ leben seltene Tiere und Pflanzen

Seit dieser Zeit musste das Personal des Diözesanhauses aus Oberlangheim und Uetzing über Bad Staffelstein beziehungsweise Lichtenfels zur Arbeit nach Vierzehnheiligen fahren. Auch standen viel Urlauber regelmäßig von Oberlangheim kommend vor der Straßensperrung und wussten nicht mehr weiter. Dabei wurde immer wieder eine fehlende Umleitung zum Gnadenort bemängelt.

Für den Naturschutz ist besonders das Waldgebiet „Spendweg“ entlang der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Oberlangheim und Vierzehnheiligen mit den weit über 100 Jahre alten Bäumen ein wertvoller Bereich. Hier bieten viele alte Buchen, aber auch Eichen und viele Edellaubhölzer mit einem besonders hohen Anteil an Totholz Heimstatt für seltene Tier- und Pflanzenarten. Besonders Höhlenbrüter wie Hohltaube, Sperlingskauz und Kleiber, aber auch der Siebenschläfer und mehrere Fledermausarten nutzen die alten Bäume für ihre Bruten und die Aufzucht der Jungtiere.

Waldbestand wird seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt

Die Förster haben hier schon vor Jahrzehnten den Waldbestand aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen. „Ein früher ausgeschilderter Wanderweg wurde deshalb schon aus Sicherheitsgründen verlegt. Die Wanderer sind im Wald auf eigene Gefahr unterwegs“, betont Forstrevierleiterin Veronika Thiel.

Die Straße Oberlangheim-Vierzehnheiligen ist wieder frei
Mithilfe von Hebebühnen wurden die Bäume entlang der Verbindungsstraße von Oberlangheim nach Vierzehnheiligen zurechtgeschnitten. Foto: Gerd Klemenz

„Bereits im Frühjahr war von Thomas Fischer vom Umweltzentrum des Landratsamtes und der zuständigen Forstrevierleiterin Veronika Thiel jeder einzelne Baum mit eventuell vorhandenen Höhlen, Spalten und Astabbrüchen in einer Liste erfasst und die notwendige Behandlung festgelegt worden. Diese Liste musste jetzt noch einmal erweitert werden, weil durch die sommerliche Trockenheit aktuell weitere 34 Bäume als verkehrsunsicher eingestuft werden mussten“, erklärte Forstbetriebsleiter Peter Hagemann.

„Viele Fledermausarten jagen hier am Waldrand, auch Haselmaus und Siebenschläfer wurden nachgewiesen.“
Peter Hagemann, Forstbetriebsleiter

Mit Genehmigung der Regierung von Oberfranken hatten die Bayerischen Staatsforsten bereits Anfang Juli oberhalb von Vierzehnheiligen mit Hilfe von zwei Baumkletterern mehrere Bäume im Kronenbereich „entschärft“, so dass die Öffnung der Straße von Vierzehnheiligen aus wieder möglich wurde. Somit konnten zunächst Urlauber und Erholungssuchende wieder zum beliebten „Staffelberg-Wanderparkplatz“ gelangen.

Um nun aus Naturschutzsicht den richtigen Zeitpunkt für den großen Eingriff am Waldrand herauszufinden, hatte die Regierung von Oberfranken Anfang Juli ein entsprechendes Fachgutachten erstellen lassen. „Dabei wurde festgestellt, dass der betroffene Waldrand durch seine Höhlenbäume wichtig für die Vogelbrut ist, aber kein Sommer- und Aufzuchtquartier für Fledermäuse enthält. Viele Fledermausarten jagen hier aber am Waldrand, auch Haselmaus und Siebenschläfer wurden nachgewiesen“, fügt der Forstbetriebsleiter an.

Die Straße Oberlangheim-Vierzehnheiligen ist wieder frei
Der Parkplatz mit der Sitzgruppe an der Verbindungsstraße von Oberlangheim kommend kann jetzt wieder angefahren werden. Foto: Gerd Klemenz
„Mit den zurückgestutzten Kronen hat sich nun die Standfestigkeit der Buchen wieder deutlich verbessert.“
Veronika Thiel, Forstrevierleiterin

Darum galt es, vor dem Sicherungseingriff entlang der Straße einige Punkte zu beachten, wie etwa die warme Witterung (damit kleine Säugetiere nicht in Kältestarre sind) nach der Hauptbrutzeit der Vögel im Frühsommer und vor der Hauptdurchzugszeit wandernder Fledermausarten im Spätsommer und Herbst, erklärte Peter Hagemann. Dementsprechend wurde in Absprache mit der Naturschutzbehörde die Maßnahme jetzt im August von den Bayerischen Staatsforsten zusammen mit einer Spezialfirma aus Bamberg vorgenommen.

Durch die professionelle Arbeit der Baumkletterer und den zusätzlichen Einsatz von Hebebühnen wurden bei fast allen Bäumen nur die Kronen so weit zurückgeschnitten, dass sie keine Gefahr mehr für die Straßen darstellen. „Mit den zurückgestutzten Kronen hat sich nun die Standfestigkeit der Buchen wieder deutlich verbessert“, so Forstrevierleiterin Veronika Thiel.

Deutlich über 30 000 Euro für die Sicherung von über 120 Bäumen

„Damit können die stehenden Stämme und damit die für die Natur wertvollen Höhlen- und Spaltenstrukturen erhalten werden. Betroffen von den Sicherungseingriffen waren insgesamt über 120 Bäume. Für die gesamte Naturschutzmaßnahme werden die Bayerischen Staatsforsten deutlich über 30 000 Euro aufwenden“, ergänzt Peter Hagemann.

Die Straße Oberlangheim-Vierzehnheiligen ist wieder frei
Seit Ende April kannte man diese Schilder an der Verbindungsstraße. Seit Freitagfrüh gehören sie der Vergangenheit an. Über den Feldweg (li.) fuhren die Landwirte zu ihren Feldern. Foto: Gerd Klemenz

Von Gerd Klemenz

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