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LICHTENFELS

Die Lichtenfelser Wallfahrt in der Pandemie auf neuen Wegen

Eine kleine Gruppe von Wallfahrerinnen auf dem Weg nach Gößweinstein. Foto: red

Seit 1684 ist die Wallfahrt der Lichtenfelser Pfarrgemeinden zum Gnadenort der heiligsten Dreifaltigkeit nach Gößweinstein nachgewiesen. Auch wenn es dazwischen – vor allem in der Anfangszeit – aus unterschiedlichen Gründen Unterbrechungen gab, wie der Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold feststellte, wird das bereits vor 337 Jahren gegebene Gelübde bis in die heutige Zeit befolgt. Waren früher meist Kriege der Grund für den Ausfall der Wallfahrt, so verhinderte in den Jahren 2020/2021 die Corona-Pandemie eine Wallfahrt von weit über 100 Gläubigen zur Basilika in der Fränkischen Schweiz. Eine größere Schar von 42 Stammwallfahrern um den Wallfahrtsführer Markus Brandmeier fand dennoch, wie schon im vorigen Jahr eine Möglichkeit, sich auf den Bittgang zu begeben.

„So muss ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.“
Wallfahrtsführer Markus Brandmeier zitiert Viktor von Scheffel

Aufgeteilt in kleine Gruppen, machten sie sich unter Beachtung der Auflagen des Infektionsschutzgesetzes zu Fuß auf den Weg in die Fränkische Schweiz Vier Tage lang waren sie unterwegs.

An der Steinernen Dreifaltigkeit, auch Weiße Marter genannt, hielt die Pastoralreferentin Birgit Janson eine kurze Andacht. Foto: Helga Seelmann

Anspielend auf die kleinen, etwas versprengt anmutenden Pilgergruppen nahm Markus Brandmeier, der erst vor kurzem seinen Vater Dieter als langjährigen Wallfahrtsführer abgelöst hat, Bezug auf das „Frankenlied“ von Viktor von Scheffel. In der dritten Strophe „Wallfahrer ziehen durch das Tal“ heißt „So muss ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.“

Den Geist des Aufbruchs spüren die Pilger bereits an der ersten Station

Einige Pilger begeben sich in die 1872 erbaute neugotische Kapelle von Eichenbirkig. Foto: Helga Seelmann

Wenn auch die aktuelle Situation eine „normale“ Wallfahrt verhinderte, so hatte wenigstens Petrus Erbarmen und spendete den Pilgern Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Nach einem Morgengebet begaben sich die Wallfahrtskleingruppen hoffnungsvoll auf die anstrengende Pilgerreise unter Zurücklassung der Zwänge und Nöte des Alltags und der Unsicherheiten und Sorgen der Pandemie. Den Geist des Aufbruchs spürten die Wallfahrer bereits an der ersten Station in Lahm. Da die Inzidenz sieben Tage lang unter 100 gelegen hatte, durften am Wallfahrtssamstag im Landkreis Lichtenfels endlich die Biergärten wieder öffnen, so dass sich die Pilger beim Gasthaus Fischer erfrischen und stärken konnten. Fröhlich beschwingt machten sie sich wieder auf den Weg, und es wurde unterwegs sogar das ein oder andere Wallfahrtslied angestimmt. Begleitet wurden die Gesänge der Pilgergruppen durch das Wallfahrtsduo „Peter und Paul“ (Peter Lachner und Paul Hain), die die Liedtexte mit ihren Mundharmonikas musikalisch untermalten.

Auch für eine Mittagsverpflegung in Kleinziegenfeld wurde dank der Lockerungen kurzfristig gesorgt, so dass die Wallfahrer bestens gestärkt trotz der Hitze das erste Etappenziel in Hollfeld erreichten. Der Hollfelder Stadtpfarrer Bernhard Simon, der von 1977 bis 1982 in Lichtenfels als Kaplan gewirkt hatte, begrüßte sie herzlich.

Mit dem Choral „Beim frühen Morgenlicht“, der vor der Kirche in Hollfeld in gebührendem Abstand gesungen wurde, stimmten sich die Pilger auf den zweiten Wallfahrtstag ein. Ganz im Sinne von Pfingsten – Neues wagen – wurde ein neuer Wallfahrtsweg zwischen Stechendorf und Nankendorf begangen, der, neben der erhöhten Sicherheit, auch landschaftliche Reize bot. Auch die obligatorischen „Wienerla“ im Gasthaus Sonne in Waischenfeld zusammen mit einem frischen Bier durften nicht fehlen.

Nicht die großen Taten bringen die Menschen in schwerer Zeit weiter

An der Steinernen Dreifaltigkeit, bei der die Wallfahrer traditionell Halt machen, erinnerte die Pastoralreferentin Birgit Janson mit dem Gebet „Die Kunst der kleinen Schritte“ von Antoine de Saint-Exupéry daran, dass es nicht die großen Taten sind, die die Menschen in schwierigen Zeiten wie diesen weiterbringen, sondern die Erkenntnis, dass das Leben auch durch Schwierigkeiten und Rückschläge geprägt ist, durch die sie wachsen und reifen. Nachdenklich und zu den Klängen des Bob-Dylan-Klassikers „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“ machten sich die Pilger wieder auf den Weg und erreichten schließlich den Gnadenort.

Pfarrer Alfred Bayer zelebriert das Wallfahrtsamt in der Basilika

Höhepunkt der Wallfahrt war am Sonntag das Wallfahrtsamt in der von Balthasar Neumann erbauten Basilika von Gößweinstein, das der langjährige Lichtenfelser Pfarrer Alfred Bayer zelebrierte. Der Pfarrer, der kürzlich seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, hatte die Wallfahrt selbst 29 Mal zu Fuß begleitet. Auch der Gottesdienst fand unter Coronaauflagen statt, aber aufgrund kurzfristiger Lockerungen konnten zumindest 117 Gläubige die Messe mitfeiern. Zwar war auch Gemeindegesang noch untersagt, die instrumentale Mitgestaltung wurde jedoch wieder erlaubt. So konnte kurzerhand der Leiter der Wallfahrtsmusiker, Martin Lorenz, mit seinem Blasinstrument gewonnen werden, den Gottesdienst zusammen mit Heribert Träger und Markus Brandmeier an der Orgel musikalisch zu gestalten.

Am dritten Tag sind es noch 19 Wallfahrer, am vierten schließlich elf

Den Heimweg zu Fuß traten am Montag nach der Frühmesse und der Verabschiedung aus Gößweinstein unter großem Glockengeläut zunächst noch 19 Wallfahrer an, und am Dienstag waren es noch elf Pilger. Pfarrer George Thottankara verlieh der Wallfahrt in der Pfarrkirche Heilige Familie mit dem sakramentalen Segen einen würdigen Abschluss.

 

Von Alfred Thieret

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