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LICHTENFELS

Der Wolf – ein Tier, das die Menschen polarisiert

Der Wolf – ein Tier, das die Menschen polarisiert
Wölfe verständigen sich mit ihrem Geheul untereinander. Foto: Heinz Fischer

Einige Dutzend Gäste fanden sich kürzlich zum Filmabend in der Neuen Filmbühne ein. Organisiert vom Bund Naturschutz mit seinem Vorsitzenden Anton Reinhardt kam der Film „Die Rückkehr der Wölfe“ von Thomas Horat zur Aufführung.

Reinhardt begrüßte Regisseur Thomas Horat unter den Gästen und dankte Kinoleiter Patrick Büsch, der es immer wieder ermögliche, solche Produktionen in Lichtenfels zu zeigen. „Ortsnamen wie Wolfsdorf und Wolfsloch deuten darauf hin, dass der Wolf einst auch bei uns heimisch gewesen sein muss“, so der Naturschützer.

Der Wolf – ein Tier, das die Menschen polarisiert
Expertin Gudrun Pflüger bei der Arbeit mit den Wölfen. Foto: Heinz Fischer
„Ich sehe das ganz neutral und hätte keine Angst, durch den Wald zu laufen, wenn es Wölfe gäbe.“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Zwei Jahre Recherche und ein Jahr Dreharbeit liegen hinter Horat. Der Wolf polarisiert und fasziniert, und er bringt Unordnung in unser System. 150 Jahre nachdem der Wolf in Mitteleuropa ausgerottet wurde, erobert er sich unaufhaltsam seinen Platz zurück.

Was uns das Werk sagen will: Sind Wölfe gefährlich für den Menschen und ist ein Zusammenleben möglich? Der Wolf spaltet die Meinungen und seine Rückkehr lässt die Ablehnung des Menschen neu aufleben. Ausgehend von der Rückkehr der Wölfe in die Schweiz begibt sich Horat in seinem Film auf Spurensuche nach Österreich, in die Lausitz, nach Polen, Bulgarien und Minnesota, wo frei lebende Wolfsrudel keine Seltenheit sind.

Schafhirten aus der Schweiz kommen im Film zu Wort, sie erzählen von Rissfällen an Schafen durch den Wolf. Andererseits ist man der Meinung, dass der Wolf durch seine Jagd auf Niederwild und Reh in den Schutzwäldern der Alpen den Verbiss an Bäumen mindert und so das Nachwachsen junger Bäume möglich macht. Wunderschöne Naturaufnahmen und Szenen mit wild lebenden Wolfsfamilien bereichern immer wieder die aufwendige Dokumentation.

Wolfsspezialisten wie Kurt Kotrschal vom Wolf Science Center in Wien berichten im Film von ihrer Arbeit an den kognitiven und kooperativen Fähigkeiten der Spezies. Oder Wolfexpertin Gudrun Pflüger, sie erklärt, warum der Wolf so einzigartig ist und warum – im Falle eines „Problemwolfs“ – die Freigabe zum Abschuss nicht die Lösung des Problems sein kann. Die meisten Menschen, so die Expertin, begegnen dem Wolf mit dem „Nimby“-Syndrom (not my back-yard), will heißen, man mag Wölfe, aber bitte nicht bei uns.

Der Wolf – ein Tier, das die Menschen polarisiert
Ein einsamer Wolf in Kanada. Foto: Heinz Fischer

Schutzhunde und elektrischer Weidezaun helfen

Warum, so wird in dem 90-Minuten-Werk hinterfragt, tun in Europa Menschen alles, um in Afrika Löwen, Nashörner und Elefanten zu erhalten, schrecken aber vor der Population des Wolfes hier in Europa zurück? Ein Schafhalter aus Bulgarien erzählt, es habe in diesem Land schon immer Wölfe gegeben, man müsse sich einfach mit ihnen arrangieren und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen. Schutzhunde können hier helfen, der beste Schutz der Herden gegen Wölfe sei aber ein elektrischer Weidezaun, vor dem die Raubtiere bei dem Versuch, ihn zu untergraben, zurückschrecken.

Osteuropa war es auch, von wo aus der Wolf sich nach und nach Richtung Westen ausbreitete, so dass nun mehr als 1000 Wölfe von der Lausitz bis zum Ruhrgebiet allein in Deutschland gezählt werden. Nach dem Abspann stellte sich Thomas Horat in der anschließenden, lebhaften Diskussion den Fragen der Zuhörer. Es wurde die Frage erörtert, warum das Zusammenleben von Wolf und Mensch so schwierig sei.

Ansiedlung von Wölfen im Landkreis eher unwahrscheinlich

Viele Mythen und Sagen seien daran schuld. Ob es denn in Franken und in unserem Landkreis Wölfe gäbe? Diese Frage konnte Horat nicht mit Sicherheit beantworten. Der anwesende Jagdpächter Fritz Stehl aus Maineck konnte hier in die Bresche springen. Es seien Wölfe im Veldensteiner Forst, nahe Bayreuth und auch in der Fränkischen Schweiz gesehen worden. Eine Ansiedlung der Tiere im Landkreis hält er für unwahrscheinlich, sei doch hier die Einwohnerdichte zu hoch und die bewaldeten Lebensräume für die Tiere zu klein.

Der Wolf – ein Tier, das die Menschen polarisiert
Regisseur und Filmemacher Thomas Horat steht Rede und Antwort zu Fragen aus dem Publikum. Foto: Heinz Fischer

Man müsse die Tiere, so Stehl, auch vor „Wolfstourismus“ schützen, die Menschen sollten sie einfach in Ruhe lassen, so gäbe es auch keine Gewöhnung von Wolf an Mensch. An Anton Reinhardt ging die Frage, ob er Probleme sähe, wenn sich im Landkreis Wölfe ansiedeln würden. „Ich sehe das ganz neutral und hätte keine Angst, durch den Wald zu laufen, wenn es Wölfe gäbe“, meint der Tier- und Naturfreund.

Zusammenfassend könnte man in Anspielung auf die Märchen der Gebrüder Grimm sagen: Wo Wölfe leben müssen Rotkäppchen und auch die Großmutter keine Angst haben, wenn sie durch den Wald laufen, die sieben Geißlein sollten aber lieber hinter einem Elektrozaun Schutz suchen statt im Uhrenkasten.

 

Von Heinz Fischer

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