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LICHTENFELS

Der Lichtenfelser Arbeitsmarktbericht für April

Agentur für Arbeit
Die Corona-Pandemie wirft erwartungsgemäß auch im Landkreis Lichtenfels düstere Schatten auf den Arbeitsmarkt. Foto: Sebastian Gollnow

Die durch das Covid-19-Virus hervorgerufenen ökonomischen Einschränkungen setzten dem Frühjahrsaufschwung im Landkreis Lichtenfels im April ein rapides Ende. Die Zahl der Arbeitslosen stieg stattdessen seit März um 207 Personen (+14,4 Prozent) auf 1646 Menschen. Im Vergleich zu 2019 ist sie um 448 Frauen und Männer bzw. 37,4 Prozent größer geworden. Es verloren 54,3 Prozent mehr Menschen ihre Beschäftigung als im letzten Jahr. Gleichzeitig fanden 34,1 Prozent weniger einen neuen Arbeitsplatz. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im April um 0,5 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent (Vorjahr 3,1 Prozent).

Beim Arbeitgeberservice gingen aus dem Landkreis Lichtenfels 89 sozialversicherungspflichtige Stellenangebote ein. Das sind 43,3 Prozent (-68) weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool gibt es aktuell 894 Jobangebote, 119 (-11,7 Prozent) weniger als 2019.

Die Ausbreitung des Corona Virus und die damit verbundenen Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeiten bestimmen die aktuelle Lage am gesamten Arbeitsmarkt. Der Frühjahrsaufschwung brach infolgedessen im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg ein. Anstelle des saisonal üblichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit (durchschnittlich minus 800 Personen in den letzten fünf Jahren), kletterte sie im April um 1 471 Personen (+13,4 Prozent) auf 12 477 Menschen. Die Zahl der Arbeitslosen liegt um 28,1 Prozent bzw. 2 737 Frauen und Männer über dem Vorjah-resniveau. Im April verloren 1 948 Menschen ihre Beschäftigung, 59,0 Prozent (+723) mehr als im letzten Jahr. Es fanden 1 156 arbeitslose Menschen einen neuen Arbeitsplatz, 32,0 Prozent weniger (-545) als 2019. Die Arbeitslosenquote stieg in den vergangenen vier Wochen um 0,5 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 2,8 Prozent.

Kurzarbeit bremst Anstieg der Arbeitslosigkeit

Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, schätzt die aktuelle Situation wie folgt ein:

„Der Arbeitsmarkt geriet im April durch die vom Virus hervorgerufenen wirtschaftlichen Folgen und Gegenmaßnahmen zunehmend unter Druck. Das schlägt sich in einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit nieder. Dieser wurde jedoch durch die rege Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld deutlich abgemildert. Seit Beginn der Corona Krise haben im Agenturbezirk 5624 Betriebe Kurzarbeit für voraussichtlich 73 640 Arbeitskräfte angezeigt. Viele Kündigungen wurden dadurch vermieden. Bei der Wiedereröffnung des Einzelhandels am vergangenen Montag hatte dieser so seine Belegschaft größtenteils noch an Bord. Bei vollständig vorliegenden Antragsunterlagen benötigen wir lediglich gut eine Woche für die Bearbeitung und Auszahlung des Kurzarbeitergeldes. Der Zugang an Kurzarbeitergeld Anzeigen flaut allmählich ab. Betroffen sind alle Wirtschaftsbereiche.“

Manche Branchen stemmen sich gegen den Trend

Die meisten Arbeitslosmeldungen kamen im letzten Monat aus dem verarbeitenden Gewerbe (359 Personen), insbesondere aus der Metall- und Elektroindustrie (154 Menschen). Neben der Zeitarbeit (260 Personen) sind auch der Handel (250 Entlassungen) sowie das Gastgewerbe (156 Personen) stark betroffen. Aber auch 86 Selbständige meldeten sich arbeitslos. Jedoch verzeichneten wir in der Forstwirtschaft, dem Gartenbau sowie bei den Bauberufen der Krise zum Trotz einen saisonalen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Knapp die Hälfte der Entlassenen übten Helfertätigkeiten aus. Die Jugendarbeitslosigkeit (+18,8 Prozent) sowie die der Auslän-der erhöhten sich (+18,3 Prozent) in den letzten vier Wochen überproportional. Das sind jedoch krisentypische Entwicklungen.

Mit kreativen Ideen begegnen einige Betriebe durch Produktumstellungen in der Fertigung der gesunkenen Nachfrage. Auf dem Lehrstellenmarkt spüren wir derzeit keinen Einbruch. Es werden kaum Ausbildungsplätze storniert. Der Arbeitsmarkt profitiert derzeit noch von der seit einem Jahrzehnt gewonnenen Robustheit und den umfassenden Unterstützungsmaßnahmen. Dennoch rechne ich damit, dass die Ar-beitslosigkeit auch im Mai weiter steigen wird.“ (red)

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