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LICHTENFELS

Der Helfen macht Spaß-Engel kommt mit Maske

Paketübergabe zu Zeiten von Corona: Anna Eberth mit Pflegedienstleiterin Birgit Baier (li.). Foto: BRK

So vieles ist anders zu Zeiten der Pandemie. Auch für das Team von „Helfen macht Spaß“ (HMS). Das traditionelle erste Weihnachtspaket konnten die Schwestern der BRK-Sozialstation gar nicht persönlich überreichen. Anna Eberth lebt im BRK-Wohn- und Pflegeheim „Am Weidengarten“. Dort ist aufgrund der Corona-Regeln derzeit zum Schutz der Bewohner ein Besuch so gut wie nicht möglich.

„Ich habe mich riesig gefreut. Vielen, vielen herzlichen Dank“, sagt die 91-Jährige am Telefon. Die Folgen von Corona treffen die alte Frau hart. „Wenn man den Sohn nur noch durch das Telefon hören kann, das bricht einem das Herz“, erklärt sie. Zwei Mal musste sie das erleben: in den langen Wochen des ersten Lockdowns. Und dieser Tage, als Fälle im Heim strengste Quarantäne-Auflagen nötig machten.

Ihr Zimmer liegt im Erdgeschoss. Manchmal kam ihr Sohn dem Haus so nahe, wie es gerade so erlaubt ist. Dann konnte sie ihn wenigstens durch das Fenster sehen. „Das ist doch alles furchtbar. Wegen Corona fühlt man sich wirklich wie eingesperrt. Ich hoffe nur, dass nächstes Jahr das Ganze mit dem Virus endlich überstanden ist“, sagt sie.

Im Leben von Anna Eberth war nicht immer alles einfach. Sie war das zwölfte von 13 Kindern einer Eisenbahnerfamilie aus Seubelsdorf. Sich zurückzunehmen und sparsam zu sein, das lernte sie von Kindesbeinen an. Als ihre Mutter das Augenlicht verlor, da kümmerte sie sich als erwachsene Frau um sie. Ihr Mann, ein Schneyer, war ebenfalls ein Eisenbahner. Mit einem Arbeiterlohn konnte die Familie nie große Sprünge machen. „Aber es hat immer gereicht“, sagt die 91-Jährige. Anna Eberth ist kein Mensch, der viel fordert. Und 63 Jahre eine gute Ehe zu führen, das ist ein Reichtum, den nur wenige Menschen in ihrem Leben haben.

Einschränken muss sich Anna Eberth auch im hohen Alter. Ihre Rente ist schmal. Für ein Einzelzimmer im Heim reicht sie nicht aus. Für Extrawünsche erst recht nicht. Aber Anna Eberth braucht nicht viel, um sich ein wenig zu freuen. „Wenn im Radio Schlager laufen, das höre ich für mein Leben gern. Vor allem die Amigos!“

Michaela Hornung kann das erste traditionelle HMS-Paket 2020 dieses Mal aufgrund von Corona-Maßnahmen leider nicht selber überreichen. Foto: Till Mayer

Eine ganz besondere Überraschung

Das Paket von „Helfen macht Spaß“ war dann schon eine ganz besondere Überraschung. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Es ist allerlei drinnen: Leckereien, Deo, Shampoo und ein wunderschöner Obstkorb“, listet sie am Hörer auf. Dann gibt es noch einen Gutschein in Höhe von 100 Euro. „Da muss ich mir ganz genau überlegen, was ich mir davon kaufe“, meint die alte Dame. Vielleicht ein eigenes Telefon? Bis jetzt nutzt sie immer das Gemeinschaftstelefon, das ihr bei Bedarf und einem Anruf vom Sohn, Verwandten oder der Enkelin aus Köln die Schwester bringt. Das wäre schon praktisch. Aber Anna Eberth hat auch noch die eine oder andere Idee.

„Als Frau Eberth das Paket bekommen hat, standen ihr Tränen in den Augen. So sehr hat sie sich gefreut.“
Birgit Baier, Pflegedienstleiterin

Die Weihnachtspakete sind ein Klassiker von „Helfen macht Spaß“. Seit fast zwei Jahrzehnten werden sie gepackt. Rotkreuzhelferinnen um Rosemarie Göhring fingen damit an, sie für Bedürftige zusammenzustellen. Dann übernahmen die Schwestern der Sozialstation des Roten Kreuzes um Sabine Rosenfeld und andere Rotkreuz-Helfer. Und Mitarbeiter und Ehrenamtler der anderen Wohlfahrtsverbände folgten. Gepackt wird jetzt von Caritas, Regens Wagner, Rotem Kreuz und der Diakonie. Rund 300 Pakete, individuell zusammengestellt, sind es mittlerweile so Jahr für Jahr. Junge Menschen mit Behinderung freuen sich darüber, Kinder aus Familien mit finanziellen Problemen bis hin zu Senioren, die mit einer allzu mageren Rente über die Runden kommen müssen. Auch Obdachlose in der Lichtenfelser Container-Siedlung sind Paket-Empfänger.

„Dieses Weihnachten werden wir viel mit Gutscheinen arbeiten. Corona macht alles ein wenig komplizierter“, bedauert Sabine Rosenfeld. Zusammen mit Michaela Hornung und Helga Knauer gehört sie zum Rückgrat der OT-Leseraktion. Neben den Weihnachtspaketen haben sie am Jahresende immer noch traditionell eine weitere Aktion anstehen. Dann sind sie die HMS-Glühwein-Engel vom Lichtenfelser Christkindlesmarkt. Der entfällt und damit auch der HMS-Stand der Rotkreuz-Schwestern am Oberen Tor. Viele werden dieses Jahr den Glühwein mit Amaretto-Schuss vermissen.

„Das ist schon traurig. Es war auch immer schön, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, und am Ende hatte wir immer eine schöne Summe für ,Helfen macht Spaß‘“, meint Michaela Hornung. Auch wenn Corona da einen Strich durch die Rechnung macht: „Auf jeden Fall ist es für uns einfach gut, Freude zu bereiten. Daran ändert keine Pandemie der Welt etwas“, erklärt Helga Knauer.

Das scheint gut zu klappen. Birgit Baier, Pflegedienstleiterin des BRK-Wohn- und Pflegeheims, sagt am Telefon: „Als Frau Eberth das Paket bekommen hat, standen ihr Tränen in den Augen. So sehr hat sie sich gefreut.“

Für Spenden

In Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden hilft „Helfen macht Spaß“ (HMS) Bedürftigen am Obermain. Eine 20-jährige Tradition hat der HMS-Weihnachtsaufruf. Wie gewohnt werden dabei die Namen der Spender und die Höhe der Spende (ab zehn Euro) genannt. Spender, die dies nicht wollen, bitten wir, auf dem Überweisungsträger neben dem Stichwort „Helfen macht Spaß“ zusätzlich „Anonym“ zu vermerken. Herzlichen Dank! Ein Überweisungsträger ist heute beigelegt. Spenden: Sparkasse Coburg-Lichtenfels, BRK-Kreisverband Lichtenfels, Stichwort „Helfen macht Spaß“, IBAN: DE 26783500000000038885.
 

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