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LICHTENFELS

Das neue 365-Euro-Jahresticket des VGN

Das neue 365-Euro-Jahresticket des VGN
Für einen Euro pro Tag können Schüler und Auszubildende aus dem Landkreis Lichtenfels ab sofort alle VGN-Verkehrsmittel im gesamten Verbundgebiet nutzen – das 365-Euro-Ticket macht es möglich. Foto: Marion Nikol

Wien hat es bereits vor acht Jahren vorgemacht: Für umgerechnet einen Euro pro Tag können Fahrgäste alle öffentlichen Verkehrsmittel innerhalb Wiens nutzen. Möglich ist das über ein sogenanntes 365-Euro-Jahresticket. Einige Deutsche Verkehrsverbünde und Städte wie Reutlingen, München und Stuttgart sind dem sogenannten „Wiener Modell“ bereits gefolgt. Im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und damit auch im Landkreis Lichtenfels wird seit dem 1. August ein solches Ticket angeboten, und zwar für Schüler und Auszubildende. Nun stellt sich die Frage, ob junge Menschen am Obermain davon genauso profitieren wie ihre Pendants in Nürnberg, Erlangen und Bamberg.

Ausbildungsort ist entscheidend

Das neue 365-Euro-Jahresticket des VGN
Bus, Bahn oder doch das Auto? Inwiefern die Einführung des neuen, kostengünstigen VGN-Jahrestickets Einfluss auf das Mobilitätsverhalten junger Menschen am Obermain haben wird, bleibt abzuwarten. Foto: Marion Nikol

Grundsätzlich hört sich das neue Angebot durchaus vorteilhaft an, schließlich lassen sich vom Bus über den Regionalexpress bis hin zur U-Bahn alle VGN-Verkehrsmittel im ganzen Verbundgebiet beliebig oft an 365 Tagen nutzen. Das Jahresticket kann sowohl von Schülern und Auszubildenden als auch von Bundesfreiwilligendienstleistenden, Teilnehmern an einem Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr und Beamtenanwärtern des einfachen und mittleren Dienstes erworben werden. Große Vorteile ergeben sich dadurch insbesondere für all diejenigen, die den Weg von ihrem Wohnort zur Ausbildungsstelle oder Schule mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Sie sparen sich Geld für das Pendeln und können das Ticket darüber hinaus auch in der Freizeit und in den Ferien nutzen. Claudia Dressel aus Lichtenfels beispielsweise hat letztes Jahr noch mal eine neue Ausbildung angefangen und geht in Nürnberg zur Berufsschule. Sie ist vom 365-Euro-Ticket begeistert und wird es im September erwerben. „Die Tatsache, dass auch die U-Bahn in Nürnberg mit eingeschlossen ist, ist wirklich optimal“, berichtet sie. Ähnlich geht es auch der Lichtenfelserin Annika Schmidt, die im Herbst in ein Berufsvorbereitungsjahr in Nürnberg starten und dort auch wohnen wird. Sie ist dann für umgerechnet einen Euro pro Tag nicht nur innerhalb der Frankenmetropole mobil, sondern kann das Ticket auch für die Heimfahrten an den Wochenenden nutzen.

Im Prinzip eine gute Idee

Für eine „prinzipiell gute Idee“ hält auch Janina Werner aus Schney den neuen Tarif, doch kann sie leider nicht davon profitieren, da sich ihre Ausbildungsstätte in Coburg und damit nicht im VGN-Gebiet befindet – das Ticket würde ab Schney quasi keine Gültigkeit mehr besitzen.

Ähnlich dürfte es auch all denjenigen im Landkreis Lichtenfels ergehen, die für ihre Ausbildung beispielsweise nach Kronach oder nach Kulmbach, also über den VGN-Raum hinaus pendeln müssen.

Eine Frage des Mobilitätsverhaltens

Das neue 365-Euro-Jahresticket des VGN
Da bei Verlust oder Beschädigung kein Ersatz geleistet wird, empfiehlt der VGN den Kauf als Handyticket über die Apps „VGN Fahrplan“ und „DB Navigator“. Die Jahreskarte ist aber auch im VGN Onlineshop, in Kundenbüros und an Fahrkartenautomaten erhältlich. Foto: Marion Nikol

Inwiefern sich das Ticket für Schüler im Raum Lichtenfels lohnt, ist wiederum eine Frage, die sich nicht pauschal mit ja oder nein beantworten lässt. Hier kommt es auch auf das Mobilitätsverhalten der jungen Menschen und deren bevorzugtes Fortbewegungsmittel an. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass Schüler öffentlicher oder staatlich anerkannter Wirtschaftsschulen, Realschulen, Gymnasien, Berufsfachschulen und Berufsschulen bis einschließlich Jahrgangsstufe 10 Anspruch auf kostenfreie Beförderung auf dem Schulweg haben, wenn dieser länger als drei Kilometer ist.

Sie erhalten vom Landkreis Lichtenfels ab 1. September automatisch das neue VGN-Ticket anstelle der bisherigen Wertmarken, die nur in Tarifzone F Gültigkeit hätten. So können sie das neue Ticket im gesamten VGN-Raum nutzen, und zwar auch in der Freizeit, beispielsweise für Shoppingausflüge nach Bamberg oder Nürnberg. Ebenfalls Grund zur Freude gibt es für Schüler der Mittel- und Grundschulen im Stadtgebiet Lichtenfels, die bislang Monatswertmarken im Rahmen der Kostenfreiheit des Schulwegs bekommen haben. Hier hat die Stadt Lichtenfels als Sachaufwandsträger entschieden, dass auch sie das 365-Euro-Ticket erhalten. Schüler höherer Jahrgangsstufen wiederum erhalten vom Landkreis Lichtenfels üblicherweise eine Erstattung der Fahrkosten für öffentliche Verkehrsmittel. Allerdings beträgt der sogenannte Familienbelastungsbetrag, sprich Eigenanteil, 440 Euro, so dass das 365-Euro-Ticket ohnehin selbst bezahlt werden müsste. Eine Anschaffung lohnt sich hier also vor allem für all diejenigen, die nicht nur auf dem Weg zur Schule und zurück, sondern auch in ihrer Freizeit viel mit Bus und Bahn im VGN-Gebiet unterwegs sind.

Viele Schüler bevorzugen das Auto

Dass in einer Kleinstadt wie Lichtenfels das private Auto als Transportmittel auch bei Schülern dominiert, zeigt sich nicht selten an den Parkzuständen rund um das Meranier Gymnasium und die Berufsschule. Nach Einschätzung der Stadtwerke Lichtenfels als Betreiber des Stadtlinienverkehrs wird das neue VGN-Ticket deshalb auch nicht zu einer großen Veränderung des Mobilitätsverhaltens im ländlichen Raum Lichtenfels beitragen. „Darüber hinaus kann es aufgrund der erneut hohen Corona-Infektionszahlen dazu kommen, dass viele Personen den öffentlichen Verkehr meiden und generell auf Ausflüge verzichten. Das merken wir bereits bei unseren Stadtbuslinien“, so Denise Fritzmann, kaufmännische Leiterin der Stadtwerke.

Ob das „Wiener Modell“ in einer Kleinstadt wie Lichtenfels seine Vorteile ausspielt, bleibt also abzuwarten. Ein Blick auf die Entwicklung der Verkaufszahlen zum Start des Schul- und Ausbildungsjahres im September dürfte hier weitere Klarheit schaffen. Gleichzeitig wird aber auch die Coronakrise weiterhin ihre Finger im Spiel haben und Einfluss auf das Mobilitätsverhalten haben.

Von Marion Nikol

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