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KLOSTERLANGHEIM

Das „Nasshorn“ bringt die Kunst zurück

Der Schauspieler Christoph Ackermann (re.) präsentiert das Leben und die Werke des Humoristen Heinz Erhardt in ihrer ganzen Bandbreite und mit ganzem Körpereinsatz. Foto: Rainer Windhorst

In Zeiten von Corona drehen die Künstler Däumchen. Doch damit ist bald Schluss. Ab dem 15. Juni dürfen sie unter Auflagen im Freistaat ihrer Kreativität wieder freien Lauf lassen. Eine weitere Lockerung des Versammlungs- und Veranstaltungsverbots macht es möglich. In Klosterlangheim packte man die Gelegenheit beim Schopf. Am Freitag, 26. Juni, wird ab 20 Uhr der Ökonomiehof ein weiteres Mal zum Hort der Muse. Statt Shakespeares berühmter Komödie „Ein Sommernachtstraum“ wird kurzerhand durch das nicht minder lustige Ein-Mann-Stück „Ein Nasshorn und ein Trockenhorn“ ersetzt, in dem der Kult-Komiker Heinz Erhardt und seine Poesie im Mittelpunkt stehen.

„Wie wollen sie ein großes Stück der Weltliteratur, in dem auch noch Liebeszenen vorkommen, mit 15 Schauspielern unter Einhaltung der Abstandsregeln auf eine Bühne bringen?“, begründet Büroleiterin Jutta Rauter vom Fränkischen Theatersommer die Änderung.

Ein 15-Personen-Stück von Shakespeare ist nicht möglich

Der Verein der Heimatfreunde Klosterlangheim hat die fränkische Wanderbühne wieder engagiert. Seit 2012 schlägt dort einmal im Jahr der Fränkische Theatersommer seine Zelte auf. Zunächst war der Konventbau zwei Jahre lang Theaterkulisse, ehe man 2014 in den Ökonomiehof umzog.

Die diesjährige Aufführung wird anders sein, erklären Jutta Rauter und 2. Vorsitzender Hans Gehringer von den Heimatfreunden. So musste die Theateraufführung vom Gesundheitsamt genehmigt und ein entsprechendes Hygienekonzept eingereicht werden.

Schauspieler Christoph Ackermann muss während seines Spiels allerdings keine Maske tragen, ebenso wie das ihm lauschende Publikum. Beim Verzehren von Speisen und Getränken gilt das ebenso. „In allen anderen Fällen, zum Beispiel beim Gang zur Toilette oder dem Essensstand heißt es: ,Maske auf!‘“, erläutert Gehringer. Zugleich spricht er den Mehraufwand an, der mit dem Hygieneauflagen verbunden ist. Die Toiletten müssten ständig geputzt und desinfiziert werden, um eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern.

Die Zahl der Besucher kultureller Veranstaltungen ist bei Open-Air-Events vorerst auf 100, in Räumlichkeiten auf 50 begrenzt. In Klosterlangheim gilt daher das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Sind die Karten, die online oder telefonisch (Infokasten) bestellt werden können, aufgebraucht, heißt es: „Nichts geht mehr!“ Und wer in den vorderen Reihen sitzen möchte, sollte rechtzeitig kommen, denn Platzreservierungen sind in Pandemie-Zeiten nicht möglich.

„Kunst sorgt für Lebensfreude und geistige Horizonterweiterung.“
Hans Gehringer, Verein der Heimatfreunde
Jan Burdinski, Intendant des „Fränkischen Theatersommers“, musste wegen der Corona-Krise das Programm umstellen. Foto: red

Sowohl bei der Wanderbühne als auch beim Verein ist man froh, dass in Bayern wieder Kulturveranstaltungen erlaubt sind. „Bühnen und Schauspieler können jetzt wieder Geld verdienen“, spricht Rauter die wirtschaftliche Seite an, während Gehringer auf die ideelle Seite verweist: „Kunst sorgt für Lebensfreude und geistige Horizonterweiterung.“

Werden die Kunstliebhaber in Zeiten der Covid-19-Pandemie das Angebot auch wahrnehmen? Gehringer zeigt sich zuversichtlich: „Ich denke, sie sind heiß darauf, nach einer längeren Durststrecke wieder eine kulturelle Veranstaltung besuchen zu dürfen.“

Die Aufführungen des Fränkischen Theatersommers

Das Stück „Ein Nasshorn und ein Trockenhorn“ ist ein Musikkabarett mit Texten und Tönen von Heinz Erhardt. Der Fernsehstar aus den 1950-er und 1960-er Jahren, zählt noch immer zu den beliebtesten deutschen Humoristen. Er hat Hörspiele und Theaterstücke geschrieben. Der studierte Pianist und Komponist, Opernautor und Schlagerstar schrieb Bücher und war Auftrags-Entertainer im Zweiten Weltkrieg. An Heinz Erhardts Leben und in seinen Texten spiegelt sich das 20. Jahrhundert wider – vom Kaiserreich bis zum Wirtschaftswunder.

Christoph Ackermann präsentiert Erhardts Leben und seine Werke in ihrer ganzen Bandbreite und mit ganzem Körpereinsatz. Er spielt Sketche, singt Texte und macht Musik. Nicht zu kurz kommen Erhardts sprachakrobatische Gedichte, die voller Doppeldeutigkeiten, Hintersinn und Blödsinn sind. Der gebürtige Nürnberger steht seit 25 Jahren als Musical-Darsteller, Operetten-Buffo, Comedian und Moderator auf Kleinkunst- und Großkunstbühnen. Sein Dauerbrenner ist der musikalisch-literarische Abend „Heinz Erhardt – vertont und versprochen.“

Weitere Aufführungen des Fränkischen Theatersommers:

„Engel auf Erden“ (Schauspiel und Komödie): 25. Juni,19 Uhr, Bad Staffelstein Brückentheater; 26. Juli, 18 Uhr, Redwitz, Seebühne an der Rodach; 2. Oktober, 19.30 Uhr, Burgkunstadt, Rathaushalle.

„Ein Nasshorn und ein Trockenhorn“ (Kabarett & Variete): 2. Juli, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater; 27. August, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater; 17. Oktober, 19.30 Uhr, Altenkunstadt, ehemalige Synagoge.

„Der Geräuschlose“ (Schauspiel und Komödie): 16. Juli, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater.

„Aus dem Leben eines Taugenichts“ (Schauspiel und Komödie): 17. Juli, 20 Uhr Ebensfeld/Gut Kutzenberg Gartentheater; 30. Juli, 19 Uhr Bad Staffelstein, Brückentheater.

„Roll On, Beethoven“ (Musical und Musiktheater): 13. August, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater und 24. Oktober, 20 Uhr, Lichtenfels, ehemalige Synagoge.

„Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ (Kabarett & Variete): 3. September, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater.

„Das Auf und Ab des Adolphe Sax“ (Musical und Musiktheater): 10. September, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater.

„Liebeleien und Beziehungskisten“ (Chanson und Kleinkunst): 24. September, 19 Uhr, Bad Staffelstein, Brückentheater, und 3. Oktober, 19 Uhr, Ebensfeld/Gut Kutzenberg Gartentheater.

Karten gibt es im Internet (www.theatersommer.de/spielplan) und unter Tel. (09274) 947440 oder Tel. 0170 7849319.

 

Von Stephan Stöckel

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