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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wo der Spaß nun wirklich aufhört

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute erzählt er von einem Gespräch mit einem lustigen Kerl, das am Ende aber gar nicht zum Lachen war. Jedenfalls nicht für Markus Häggberg.

Liebes Corona-Tagebuch, deinetwegen werde ich angesprochen und Menschen erzählen mir Geschichten. Das haben wir jetzt davon.

Beinahe die „Rolling Stones“ kennengelernt – aber nur beinahe

Gestern erzählte mir beispielsweise ein Mensch (männlich, Ende 40 und Inhaber einer Frisur mit Silberstreif am Horizont), dass er 15 Jahre lang beruflich im ganzen Rock'n'-Roll-Zirkus unterwegs gewesen ist, beinahe die „Rolling Stones“ kennengelernt, beinahe an den Bühnen von „Pink Floyd“ geschraubt und beinahe Elton Johns Klavier zum Bahnhof gerollt hätte. Oder so ähnlich.

Mir persönlich mochte es so scheinen, als ob seine Erfahrungen allenfalls ein wenig angrenzend gewesen sind, aber immerhin strahlte der Kerl eine Fröhlichkeit aus, als ob er allabendlich mit Janis Joplin bei „17 und Vier“ Kochrezepte tauschen würde.

Fast hätte Markus Häggberg den Mann beneidet – aber nur fast

Ja, liebes Tagebuch, ich weiß, dass ist ein schiefes Bild, weil die Joplin ja schon tot war, bevor er geboren wurde. Aber wer schreibt hier eigentlich die Geschichte – du oder ich? Jedenfalls war der lustige Kerl echt zu beneiden, weil er so bescheiden war, so ohne Hang nach ganz, ganz oben und doch so erfüllt. Ich wollte ihm schon die „Max-Weber-Ich-weiß-wo-mein-Platz-war-aber-ich-habe-trotzdem-Arbeitsethos-Gedächtnis-Plakette“ (langer Name, aber es waren ja auch immerhin 15 Jahre) stanzen, da erzählte er mir – mit einem fröhlichen Lächeln –, dass er in den 15 Jahren nie einen aufgezündet hat, immer akkurat blieb, nie verschlief und keinen Tropfen Alkohol anrührte.

Also, da hörte der Spaß auf.

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