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Corona-Tagebuch: Werden die Leute immer verrückter?

Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen Todesfall und eine besondere Form der Erinnerung an den Freund:

„Liebes Corona-Tagebuch,

habe heute mit Georg gesprochen. Der wiederum sprach mit einem Gastronomen des Landkreises und der erzählte ihm, dass die Leute immer blöder werden. Bei uns immer blöder werden, wohlgemerkt. Also nicht in Berlin oder München, sondern mehr so zwischen Kutzenberg und Kordigast.

Wie Georg so mit mir am Unteren Tor stand, da berichtete er von dem Gastronomen und davon, wie die Leute jetzt bei diesem beispielsweise Schnitzel zum Mitnehmen bestellen, nur um schon fünf bis zehn Minuten später anzutanzen und sie abzuholen. „Nach fünf bis zehn Minuten – gerade so, als ob Schnitzel dann schon fertig sind und gerade so, als ob diese Leut' die einzigen wären, die etwas bestellt haben. Und dann machen die Leute Theater und führen sich auf, wenn ihre Schnitzel nicht fertig sind, nur weil sie jetzt vor der Tür stehen.“

Was der Gastronom dem Georg dazu sonst noch sagte, klang wie eine Gesellschaftsstudie: „Wir werden immer verrückter.“

Der Georg selbst hat dazu auch so seine Sicht. Er verabschiedete sich aus unserem Gespräch am Unteren Tor mit dem Satz: „Wenn ich das gewusst hätte, dass die Leute jetzt bei uns auch am Rad drehen, dann hätte ich mich von meiner Berliner Freundin gar nicht zu trennen brauchen.“

 

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