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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Wenn ein Mensch „abhanden“ kommt

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein Menschen, der „abhanden“ gekommen ist.

„Liebes Corona-Tagebuch, beim letzten Mal, als mir ein lieber Mensch abhanden kam, da begnügte ich mich damit, zu bemerken, dass ich wohl einfach nicht schlauer werde. Nun aber ging schon wieder einer von denen, die man zwar einerseits wirklich mag, die man dann aber doch nicht so oft besucht, weil dies oder jenes oder ganz was anderes dazwischenkommt.

Nun aber kam mit dir was dazwischen. Neulich traf ich deine Frau und erkundigte mich nach dir. Ich tat das nicht einfach so, sondern mit echtem Interesse. Deine Frau sagte mir dann ohne jeden Vorwurf, dass du verzogen bist und das schon seit Monaten. Ich habe das nicht mitbekommen, weil man bei euch diesbezüglich sehr diskret war. Aber ich werde meinen lange ausstehenden Besuch bei dir nachholen. Du wirst es nicht wissen und noch nicht einmal geahnt haben. Aber du hast in einem Alter lausbübische Leichtigkeit gezeigt, die mir vorbildlich schien. Du warst sogar in der Lage, noch in der größten Scheiße tapfer deine Witzchen zu reißen. Noch besser aber fand ich, dass du keine Rücksicht auf dein Alter genommen hast und auch dann nicht ein verklemmter feiner älterer Herr wurdest, als deine Flegeljahre schon 50 Sommer zurücklagen.

Du konntest sinnbefreit blödeln, und ich fand das immer unheimlich menschlich. Und dann habe ich mir doch so ein bisschen vorgenommen, so zu werden, wie du geblieben bist. Jetzt bist du verzogen, aber deine Frau hat mir gesagt, wo ich dich finde. Ganz weit hinten und dann links. Ungefähr. Naja, so groß ist der Bad Staffelsteiner Friedhof jaauch nicht - ich krieg' dich. Na warte!“

Von MARKUS HÄGGBERG

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