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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Im hehren Gedenken an Charlie

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um eine Legende.

„Liebes Corona-Tagebuch, Charlie ist tot. Ich weiß es schon seit Tagen, denn es ging ja um die Welt. Aber ich habe beschlossen, es erst heute in mein Tagebuch zu schreiben. Schließlich will ich nicht zu denen gehören, die sich an den Verstorbenen nur aus Tagesaktualität erinnern. Charlie hat mehr verdient. Ich kannte Charlie Watts, den Schlagzeuger der Rolling Stones, schon aus Kindertagen. Aus meinen Kindertagen. Er hing täglich im Schrank meines Onkels rum und schaute ansonsten vom Plakat der Schallplattenfirma Decca Records so skeptisch wie pädagogisch in Richtung Mick Jagger und Keith Richards. Dabei zog er an seiner Zigarette und blieb ein bisschen Insel für sich.

Lieber Charlie, du hast an großen Songs mitgewirkt und mir gute Momente geschenkt.

Als ich von deinem Tod erfuhr, hatte ich ganz ehrlich keinen Bock mehr zu arbeiten und setzte das auch konsequent um. Einen ganzen Tag lang hielt ich mich von Arbeit fern. Mein schlechtes Gewissen sagt mir, dass ich faul war.

Aber die Vernunft sagt mir, dass es pietätlos gewesen wäre, an so einem Tag etwas Profanes zu tun.

(Ein mir bekannter Psychiater hat allerdings noch ein drittes Erklärungsmodell. Er meint, dass sich ,auch auf einem Leichenwagen prima trittbrettfahren lässt'.)“

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