aktualisiert:

LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Endlich mal Zeit für die Familie

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um:

„Liebes Corona-Tagebuch, Walter hat jetzt Corona bedingt Zeit. Auch für Gesellschaft. Er bringt sich ein. Mit gutem Grund und mit Verspätung. Aber mit Elan. Wie wir im Café saßen, erzählte er mir davon. Erst neulich hatte er mal wieder Familie erlebt, und es war sogar die eigene. Unangenehm war ihm das nicht, vor allem weil er einer nachfolgenden Generation ja so viel mit auf den Weg geben kann. Pädagogisch und so.

Walter erklärt manchmal gerne ungefragt die Welt, und er hat da so Methoden. Eine besteht darin, „Stadt, Land, Fluss“ zu spielen und neben Stadt, Land, Fluss eben auch andere Kategorien ins Auge zu fassen.

Kunstgeschichte, Politik, Wrestling etwa. Oder: Wirtschaft, Medien, Schwimmsport. Oder: Fauna, Flora, Jura. Gerade wenn die nachfolgende Generation ja nicht mehr ganz jung ist, kann man schon mal was wagen und zumuten. Pädagogisch und so.

So traf sich Walter, weil er jetzt Corona bedingt Zeit für Familie hat und kurz vor der Rente steht, mit seinen Nachkommen. Man spielte Stadt, Land, Fluss, Krankheiten, Affären (prominent) und Selbstmörder (auch prominent). Man saß also zusammen, vergaß die Zeit, und bald war es weit nach Mitternacht.

Wie immer gewann Walter nahezu jeden Durchgang, weil er wirklich sehr belesen ist. Aber vielleicht lag es auch nur daran, dass seine verfügbare nachfolgende Generation erst neun beziehungsweise elf Jahre alt ist. Nun ja, man kann sich seine Familie nicht aussuchen.“

Weitere Artikel