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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Ein Ring und zwei Nasenlöcher

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um ein Kaffeehausgespräch.

„Liebes Corona-Tagebuch, Gespräche solider Herren können sehr erhebend sein. Und offenbar hat sich die Kaffeehaus-Kultur in Lichtenfels soweit verfeinert, dass man derlei Gespräche hier auch wirklich antreffen kann.

Also, es war so, dass ich so bei einer Latte Macchiato vor mich hin stierte und absolut nichts im Hirn hatte. Wichtig ist in solchen Momenten allerdings, dass man Haltung bewahrt und sich zumindest den Anschein von intelligentem Leben gibt. Soweit der Prolog, jetzt geht's los.

Natürlich geht es um eine Frau

Also da saßen zwei Herren, und worum es ging, war eine Frau. Es ging aber auch um ihren Ring. Und um die Nasenlöcher der Frau. Der Ring, der ein gar schmuckes Ding war, hatte wohl zwei Einbuchtungen oder so etwas in der Art. Der jüngere Herr meinte, dass er immer dann, wenn er an die Nasenlöcher der Frau denkt, an diesen Ring denken muss.

Jetzt fragt er sich, ob das zum Kompliment taugt, und ob er ihr das vielleicht sagen sollte. Der ältere Herr hörte dem jüngeren Herren zu, dachte kurz nach, nippte an seinem Kaffee und sagte etwas von Bedeutung.

An was man zuerst denkt

,Sag ihr nicht, dass du immer dann, wenn du ihre Nasenlöcher siehst, an den Ring denkst. Sag ihr stattdessen, dass du immer dann, wenn du diesen schönen Ring siehst, an ihre Nasenlöcher denken musst. Das ist besser, da stimmt die Richtung, da geht der Vergleich nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten – wenn du verstehst, was ich meine.‘

Liebes Corona-Tagebuch, die Kaffeehaus-Kultur ist bei uns wirklich sehr weit gediehen. Da stimmt einfach die Richtung. Die Themen gehen von links nach rechts, von kreuz über quer und von Abba bis Zappa.“

Von Markus Häggberg

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